Ein neues Online-Portal soll Verbraucher und Unternehmer über die Gefahren von Fälschungen informieren. Um die Gefahren aber wissen die Verbraucher. Und kaufen fröhlich weiter.
Billig muss nicht gut sein, kann sogar schädlich sein, wenn es eine Fälschung ist. T-Shirts mit giftigen Chemikalien, Medikamente ohne oder mit falscher Wirkung, Autoersatzteile aus drittklassigen Materialien.
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Die meisten Plagiate kommen aus China und Russland
Verbraucher wissen das. Knapp 60 Prozent der Verbraucher ist bewusst, dass Fälschungen gefährlich sein können. Und dennoch: Gerade einmal acht Prozent der Konsumenten würden auf ein verdächtig günstiges Schnäppchen verzichten. Das ergab eine Umfrage der Meinungsforscher von Emnid im Auftrag Deutschen Markenverbandes zum Thema Produktpiraterie.
Anlass der Umfrage ist eine neue Internetseite, die am Mittwoch ins Netz gestellt wurde. Unter www.original-ist-genial.de sollen sich Verbraucher, Unternehmer und Händler über den aktuellen Stand in Sachen Plagiate-Industrie informieren können. Das Portal ist ein Gemeinschaftsprojekt des Deutschen Markenverbandes, des Bundesverbandes der deutschen Industrie, des Handelskammertages und der internationalen Handelskammer.
Die meisten Fälschungen kommen zwar nach wie vor aus China und Russland. Doch gekauft werden die Waren hier. Allein der deutsche Zoll hat im vergangenen Jahr gefälschte Waren im Wert von 1,1 Milliarden Euro beschlagnahmt. "Fünfmal mehr, als noch im Jahr zuvor", berichtet Axel Nitschke vom DIHK.
Nach Schätzungen schädigen die Produktfälscher aus Asien und Übersee die deutschen Unternehmen um bis zu 30 Milliarden Euro jährlich. Weltweit sollen es bis zu 600 Milliarden Euro sein. Manfred Gentz, Präsident der internationalen Handelskammer in Deutschland: "Produktpiraterie ist das Verbrechen des 21. Jahrhunderts."
Die Zahlen beruhen zwar lediglich auf der Annahme, dass alle Fälschungen auch als Original hätten verkauft werden können. Aber wenn Steuerausfälle, Gesundheitskosten, Sozialleistungen für nicht eingestellte oder entlassene Mitarbeiter einbezogen werden, dann dürften 30 Milliarden Euro auf Deutschland noch eine konservative Rechnung sein.
Eine Schlüsselfunktion im Kampf gegen die Produktpiraten nimmt für die Wirtschaft der Konsument ein. Wenn der die Plagiate nicht nachfragt, so die Logik, dann finden die Fälscher keinen Markt. Das Motto: Aufklärung und nochmals Aufklärung. Das neue Portal soll dazu einen Beitrag leisten.
Unternehmer in der Pflicht
Die für Urheberrechtsverletzungen zuständige Bundesjustizministerin Brigitte Zypries will aber auch die Unternehmen nicht aus der Verantwortung lassen. "Es sind deutsche Unternehmen, die die Waren in China bestellen", sagt sie bei der Vorstellung des Portals in ihrem Ministerium. Da müsste es mehr Bewegung geben.
Die Verbandsvertreter lobten unisono die Zusammenarbeit mit der Politik. In Deutschland werde geistiges Eigentum weltweit mit am Besten geschützt. Zypries will noch mehr. Dem Bundestag liegt ein so genanntes Durchsetzungsgesetz vor, mit dem von Piraterie betroffene Unternehmen schneller und leichter Auskünfte von Zwischenhändlern oder Spediteuren über deren Auftraggeber bekommen sollen.
Trotz der Größe des Problems sind viele Unternehmen noch ratlos, wie sie sich schützen können. Nach einer Umfrage des DIHK unter Unternehmen, die sich in China engagieren, hat ein Drittel der Befragten keine Schutzrechte für ihr geistiges Eigentum beantragt. Ohne aber ist die Strafverfolgung der Fälscher praktisch unmöglich. "Vielen Unternehmen ist das nicht bewusst", sagt Nitschke vom DIHK.
Zypries will weiter den Dialog mit China suchen. Mit dem Beitritt des Riesenreiches zur Welthandelsorganisation WTO hat die Führung in Peking auch die Marktregeln für geistiges Eigentum akzeptiert und in Recht gegossen. "Es hapert aber an der Durchsetzung des Rechts", sagt Zypries.
Ein für die vergangenen Tage geplantes Treffen von deutschen und chinesischen Rechtsexperten wurde von den Chinesen abgesagt - aus Protest gegen die Visite des Dalai Lama bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).
Das Treffen sollte eigentlich dienen, den Chinesen zu zeigen, wie in Deutschland das Urheberrecht in der Praxis geschützt wird. Zypries hofft, die Gespräche bald fortsetzen können. Wenn das gelingt "haben wir zumindest keinen Rückschritt", sagt sie. Und das ist zuweilen ja auch ein Fortschritt.
(sueddeutsche.de)
Erster Arbeitstag als Chef der Deutschen Bank
Herr Denkler bezeichnet Produktpiraterie "Das Verbrechen des 21. Jahrhunderts", nur wer sind die eigentlichen Verbrecher? - Die Kunden/Konsumenten?
Jahrelang wurde von den Unternehmen in Deutschland der Slogan verbreitet "Geiz ist geil" und nun wundert man sich mit der Naivität eines kleines Kindes über die Folgen.
Mehr noch: Von einem arbeitslosen Hartz-IV-Empfänger, dem Ein-Euro-Jober, der behinderten Sozialhilfeempängerin, dem Geringverdiener, der Rentnerin mit 720 Euro Rente im Monat, dem Lokführer, der seine Familie mit seinem Einkommen gerade so über die Runden bringt usw. verlangt man nun "Verantwortung", dass sie beim Kauf ihres neuen Porsche das teurere Original kaufen und nicht das Plagiat aus China, das 50 % billiger ist, selbst wenn die "Qualität" erkennbar schlechter ist.
@tm0: "Qualität" muss man sich auch leisten können. Nur dann, wenn man genug Cash in der Tasche hat, kann das Bedürfnis nach Qualität auch zum Bedarf werden und die Qualität beim Kauf eine entscheidende Rolle spielen. So einfach ist das eben doch nicht.
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Initiative Neue Soziale Mark[t!]wirtschaft
Wir fordern Ein-Cent-Jobs für alle Arbeitslosen und eine Erhöhung des Kindergeldes für Einkommensmillionäre auf 15.000 Euro pro Monat und Kind.
Land das Produkt stammt. Insofern ist es eben nicht realitätsfremd, von den Kunden die nötige Verantwortung einzufordern. Die Politik ist zu kurzsichtig und nicht zur Verantwortung zu ziehen.
Toller Bericht, Herr Denkler.
Nur leider (absichtlich?) ein paar Fehler eingebaut.
Ganz besonders 'schön' ist z.B. der Ausschnitt:
"Billig [...] kann sogar schädlich sein, wenn es eine Fälschung ist. TShirts mit giftigen Chemikalien [...]"
Es ist so ungemein beruhigend, daß giftige Substanzen in Markenartikeln prinzipiell nicht vorkommen können. Und wenn doch, dann war z.B. das Blei in den Spielzeugen des Markenherstellers "Mattel" bestimmt viel weniger giftig als das Blei von diesen bösen, bösen Produktpiraten!
Fast noch 'besser':
"[...] Aber wenn Steuerausfälle, Gesundheitskosten, Sozialleistungen für nicht eingestellte oder entlassene Mitarbeiter einbezogen werden, dann dürften 30 Milliarden Euro auf Deutschland noch eine konservative Rechnung sein"
Um beim Beispiel Mattel zu bleiben:
Deren chinesische Mitarbeiter zahlen ganz bestimmt in Deutschland Steuern und Sozialabgaben ... oder was will der Autor uns da weismachen?
Fazit:
So lange diese "Markenartikel" quasi unter gleichen Bedingungen produziert werden wie die Plagiate, ist das Ausweichen auf diese Artikel eine ganz normale Marktreaktion.
Erst wollten die Unternehmen von der Globalisierung "profitieren" (westliches Markenimage kombiniert mit fernöstlicher Billigproduktion gibtne tolle Marge), aber wenn jetzt der Kunde am "Kuchen" partizipieren möchte, das heißt auch der Billigproduktion entsprechende Preise zahlen will, tun die Hersteller ganz überrascht und stellen ihn in die "Schmuddelecke.
Nur durch echte Qualitätsvorteile ist es aus Käufersicht rational, die höheren Preise zu bezahlen, und das wird dann in der Regel auch getan. Die Schlußfolgerung wäre für diese Hersteller eigentlich so einfach zu ziehen...
...gemeingefährliche Verbrecher oder gar Irre, Herr Denkler?
(Übrigens - wir warten immer noch auf Ihre öffentliche Entschuldigung bezüglich des Fauxpas mit dem Schäuble-Attentäter.)
Plagiate hat es schon immer gegeben, wenn auch nicht in diesem Ausmaß. Aber das hat wohl mehr mit der Globalisierung zu tun. Wenn z.B. Unternehmen meinen, sie müssten auf Grund besserer Rendite in China produzieren, dann müssen sie auch mit Fälschungen rechnen und damit, dass sie hier auf Grund des schmalen Geldbeutels dankbar gekauft werden.
Denn wenn soziale Aspekte in der Wirtschaft ausgeblendet werden, ist das Argument, dass hierzulande Arbeitsplätze vernichtet werden, ausgehebelt. Das Beispiel China zeigt auch, dass die Politik ebenfalls nicht im Stande ist, diese Entwicklung einzudämmen.
Die einzige Strategie für Unternehmen ist also in Forschung & Entwicklung immer eine Nasenlänge vorraus zu sein.
Die Unternehmen haben mit der Globalisierung diese Entwicklung provoziert. Jetzt müssen sie auch bereit sein, mit den Folgen ihrer Politik fertig zu werden.
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