Der Familienunternehmer Stephan Koziol über Plagiate, die Laune der deutschen Verbraucher und die Geschäftspraktiken von Tchibo. Ein Interview von Elisabeth Dostert

Die Produktpiraten sind weiter auf dem Vormarsch. Als einer der schärfsten Kämpfer gegen den Ideenklau gilt Stephan Koziol, 54, Chef des gleichnamigen Familienunternehmens und Präsident des Europäischen Verbandes Lifestyle. Aber nicht allein die Ideendiebe tragen die Schuld an der Krise der Einzelhändler und Hersteller von Produkten für den Haushalt.

Stephan Koziol ist Präsident des Europäischen Verbandes Lifestyle (© Foto: etd)

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SZ: Herr Koziol, an diesem Freitag beginnt die Konsumgütermesse Ambiente. Sind Sie schon für den nächsten Angriff der Produktpiraten gerüstet?

Koziol: Meine Mitarbeiter werden wie jedes Jahr Ausschau nach Kopien halten. Notfalls lassen wir die Stände der Produktpiraten räumen.

SZ: Wie groß war der Schaden für die Hersteller von Haushaltswaren, Heimtextilien, Geschenkartikeln und Büroutensilien im vergangenen Jahr?

Koziol: Die Europäische Union schätzt die Schäden, die jedes Jahr weltweit durch Plagiate entstehen, auf 200 bis 300 Milliarden Euro. Für Deutschland geht man von einer Summe von 30 Milliarden Euro aus. Es wird immer mehr kopiert, weil es nicht einfach ist, ein neues Produkt auf den Markt zu bringen.

SZ: Wie hoch sind Ihre Einbußen?

Koziol: Das kostet uns richtig Umsatz. Der kleinere Schaden ist noch der, dass der Artikel irgendwo verkauft wurde, wo wir vielleicht mit dem Original zum Zuge gekommen wären. Das ist aber nicht sicher, weil die Plagiate irre billig sind. Der größere Schaden ist der Wertverlust des Originals, es verliert seine Besonderheit. Von unserer stehenden Design-Spülbürste TIM gibt es mindestens 25 Kopien. Auch Konzerne wie Ikea lassen sich gerne von uns inspirieren.

SZ: Warum schützen Sie Ihre Produkte nicht besser?

Koziol: Wir haben sogar einen Gebrauchsmusterschutz auf die Bürste. Der hilft nicht.

SZ: Was schreckt die Nachahmer wirklich ab?

Koziol: Nur höhere Haftstrafen und drakonische Geldbußen. Frankreich ist uns da weit voraus. Wenn ein Händler dort ein Produkt für einen Euro einkauft, das beim Originalhersteller fünf Euro gekostet hätte, muss er die Differenz multipliziert mit der Stückzahl als Strafe zahlen. In Deutschland kommt er mit einer theoretischen Lizenzgebühr von fünf Prozent auf den Einkaufspreis von einem Euro davon. Das ist lächerlich. Das betriebswirtschaftliche Risiko der Nachahmung ist in Deutschland gleich null.

SZ: Woher kommen die tüchtigsten Piraten?

Koziol: Von tüchtig kann wohl nicht die Rede sein. Die Hersteller sitzen in China und die Auftraggeber in Europa. In erster Linie sind es doch die großen Händler, die erfolgreiche Markenprodukte nehmen und in Fernost kopieren lassen. Je billiger, umso größer die Gewinnspannen. Aber es gibt auch deutsche Hersteller, die sich die eigene Forschung und Entwicklung sparen und die Konkurrenten einfach nachahmen. Wir prozessieren gerade vor dem Oberlandesgericht Köln gegen die Firma Rival, die unsere Tasche abgekupfert hat. Zwei Drittel der Kosten entfallen bei unseren Neuheiten auf Entwicklung, Markttests und Markteinführung.

SZ: Wie genau funktioniert das System?

Koziol: Der Kaffeeröster Tchibo zum Beispiel bestellt unter einer Deckadresse Musterware, die er dann zu Markttests in seinen Läden anbietet. Von den erfolgreichen Produkten lassen sie dann irgendwo auf der Welt das gleiche oder ein ähnliches Produkt fertigen. Die nehmen nur die Verkaufsschlager, die Grundversorgung überlassen sie anderen Herstellern. Tchibo hat das System über viele Jahre hinweg perfektioniert. Nun kämpft der Kaffeeröster aber selbst mit Problemen, weil er zu viel Ware auf Lager hat. Außerdem haben mittlerweile Discounter wie Lidl oder Aldi das Non-Food-Thema für sich entdeckt und kopieren Tchibo. Gleichzeitig lässt das Interesse der Verbraucher an der Billigware nach. Es gibt eben auch für Kopien eine Sättigungsgrenze.

SZ: Warum produzieren Sie nicht wenigstens in China, um mit den Billigangeboten noch mithalten zu können?

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