Das Interesse der Käufer an den Oberklasse-Modellen Daimlers nimmt ab. Jetzt soll die Produktion gekürzt werden. Derweil feilt Daimler auch noch an einer Abwehrstrategie.

Daimler hat im Juli die Unlust der Käufer zu spüren bekommen, sich große Autos zuzulegen. Weltweit lieferte Mercedes-Benz nur noch 92.700 Pkw aus, rund 1,1 Prozent weniger als im Juli 2007, wie Daimler am Mittwoch in Stuttgart mitteilte.

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Daimler ist an der Börse billig geworden - darum feilt das Unternehmen an einer Abwehrstrategie gegen feindliche Übernahmen. (© Foto: dpa)

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Besonders schwach war die durch hohe Treibstoffkosten und unsichere Konjunkturaussichten gedämpfte Nachfrage in Westeuropa und in Japan.

Zurückhaltung in Südeuropa

Vor allem in Spanien, Italien und Großbritannien blieben Mercedes-Händler im vergangenen Monat auf Autos sitzen, hatte Vorstandschef Dieter Zetsche bereits Ende Juli gesagt.

Während sich die kompakten Modelle der C-Klasse weiterhin gut verkauften, ließen die Autokäufer die Limousinen, Roadster und Geländewagen der Oberklasse-Baureihen links liegen.

Gefragt blieben Mercedes-Benz-Modelle in den beiden größten Absatzmärkten. In Deutschland lieferte Mercedes-Benz im Juli mit 25.100 Personenwagen zwei Prozent mehr aus, in den USA mit 20.700 sogar zwölf Prozent mehr als im Vorjahr.

Auch in China lief der Absatz glänzend, 3300 Autos verkaufte Mercedes-Benz im Reich der Mitte nach 2000 im Vorjahr.

In der Käufergunst gestiegen ist der Smart. Im Juli wurden weltweit 12.400 Exemplare des Kleinwagens ausgeliefert, ein Viertel mehr als vor Jahresfrist. Seit Jahresbeginn verkauft Mercedes die Stadtflitzer auch in den Metropolen der USA.

Unter dem Dach der Markengruppe Mercedes-Benz Cars verkaufte Daimler im Juli weltweit 105.100 Fahrzeuge. Das sind 1,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Zur Pkw-Markengruppe gehören neben Mercedes-Benz und Smart noch die Tuning-Tochter AMG und der Luxushersteller Maybach.

GLK gegen X3

Daimler will 2008 den Absatzrekord des Jahres 2007 von 1,29 Millionen weltweit überbieten. Von Januar bis Juli wurden mit 773.200 Autos sieben Prozent mehr ausgeliefert als im Vorjahreszeitraum.

Einen Absatzschub verspricht sich der mit dem starken Euro und Rohstoffpreisschüben kämpfende Konzern von seinem neuen kompakten Geländewagen, der in Europa ab Ende Oktober bei den Händlern steht. Mit dem GLK will Mercedes-Benz dem Erzrivalen BMW und dessen geländegängigem Kompaktmodell X3 Paroli bieten.

Wegen der insgesamt durchwachsenen Nachfrage wird der Autobauer Daimler in diesem Jahr voraussichtlich 45.000 weniger Autos bauen als geplant.

Die Verhandlungen mit den Betriebsräten über Produktionskürzungen in den deutschen Pkw-Werken seien in Kürze abgeschlossen, sagte ein Mercedes-Sprecher am Mittwoch in Stuttgart.

Einigkeit mit dem Betriebsrat wurden seinen Angaben zufolge bereits im Motoren- und Komponentenwerk Stuttgart-Untertürkheim erzielt, aus dem alle Mercedes-Werke mit Antrieben beliefert werden.

Fortbildung statt Arbeit

Durch die vereinbarten Produktionspausen würden rund 45.000 weniger Motoren und Achsen gebaut. Damit bestätigte der Sprecher Angaben aus dem Betriebsrat.

Geplant sei, von August bis zum Jahresende wochen- und tageweise eine von zwei Schichten zu streichen. Ende Oktober ruhe die Produktion für eine Woche, zudem werde die übliche Produktionspause an Weihnachten um einige Tage verlängert.

Die Mitarbeiter sollen Freischichten nehmen und Überstunden auf den Arbeitszeitkonten abbauen. Zum Teil werden die Produktionspausen auch für Fortbildung und Qualifizierung genutzt.

Um sich vor dem Einstieg eines feindlichen Großinvestors zu schützen, feilt Daimler unterdessen nach Informationen der Financial Times Deutschland mit der Deutschen Bank an einer Abwehrstrategie.

Demnach steht die Suche nach einem "Ankerinvestor" ganz oben auf der Prioritätenliste, berichtet das Blatt.

Hoffen auf Kuwait

Diese Rolle könnte das Emirat Kuwait einnehmen, das mit einem Anteil von 7,6 Prozent der einzige nennenswerte Anteilseigner bei den Stuttgartern ist. Der Finanzminister des Landes hat nach Angaben des Blatts bereits Interesse an einer Ausweitung des Engagements signalisiert. Daimler wollte den Bericht nicht kommentieren.

Hintergrund für die Spekulationen sind der massiv gesunkene Aktienkurs und Börsenwert des Autobauers sowie das Fehlen eines Großaktionärs. Zuletzt war über den Einstieg des schwedischen Finanzinvestor Cevian Capital bei den Stuttgartern spekuliert worden.

Der Börsenkurs reagierte auf die Gerüchte mit einem deutlichen Kursplus.

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(sueddeutsche.de/Reuters/dpa/hgn/mel)