Weil kein anderer Financier für Griechenland zur Verfügung steht, müssen die Euro-Partner einspringen. So abgesichert, können Griechenlands Politiker, Unternehmer und Arbeitnehmer endlich daran gehen, das Wirtschaftssystem grundlegend zu reformieren und wieder Wachstum zu schaffen - das ist die beste Perspektive, für Griechenland und seine Euro-Partner.
Es klingt so einfach. Es klingt nach der großen Lösung, die diese nervige Euro-Krise endlich beendet: Lasst sie doch pleitegehen, die Griechen, sind eh selber schuld. Doch dieser Weg ist mal wieder zu einfach. Der Bankrott würde keinesfalls das Ende mit Schrecken bringen, nach dem der marode Euro-Staat in alter Schönheit erblüht. Eine Pleite würde die Lage Griechenlands eher verschlimmern - und seinen Problemen, die Europa in jedem Fall noch Jahre beschäftigen werden, neue hinzufügen. Das gilt auch für die klinisch sauber klingende Variante einer "geordneten Insolvenz", weil sie jedenfalls in der aktuellen Situation wenig geordnet ausfallen würde.
Anzeige
Natürlich gäbe es gewisse Vorteile durch eine Pleite, nach der Griechenland einen Großteil seiner 350 Milliarden Euro Schulden schuldig bliebe. Die Regierung könnte sich unbelasteter von diesen Verbindlichkeiten darum kümmern, das Land wirtschaftlich auf die Beine zu bringen. Doch dieser - und andere - Vorteile einer Pleite erweisen sich als trügerisch, weil sie gleichzeitig heftige Nachteile mit sich bringen.
Wenn Griechenland einfach seine Schulden nicht zurückzahlt, leiden Europas Steuerzahler. Die Athener Entlastung entspricht ihrer Belastung. Die Euro-Regierungen und die Europäische Zentralbank sind längst die größten Gläubiger des Landes. Deshalb würde allein Deutschland durch eine Pleite auf einen Schlag mindestens 30 Milliarden Euro verlieren, das ist so viel, wie alle Deutschen zusammen im Jahr für Möbel ausgeben. Finanzminister Wolfgang Schäuble müsste doppelt so viele neue Schulden aufnehmen wie dieses Jahr geplant - oder die Steuern erhöhen.
Versuchen sich die Regierungen dagegen weiter an einer Stabilisierung Athens, bekommen sie die Kredite zurückgezahlt, sobald sich Griechenland wieder erholt hat. Das Geld wäre nicht verloren.
Trügerisch ist auch die Vorstellung, dass eine Pleite Griechenlands Ersparnisse bringt. Ja, die Regierungen könnten formal auf das geplante zweite Hilfspaket im Umfang von 130 Milliarden Euro verzichten. Doch was würde in der Realität geschehen? Die privaten Gläubiger außerhalb Griechenlands würden es vielleicht mit einigen Schwierigkeiten verkraften, statt wie geplant auf rund 70 Prozent ihrer Anleihen-Forderungen auf 90 Prozent oder alles zu verzichten. Doch Griechenlands Banken wären über Nacht bankrott. Wie kommen dann Arbeitnehmer an ihren Lohn, wie die Firmen an das Entgelt für ihre Produkte? Eine moderne Volkswirtschaft bricht ohne Geldhäuser zusammen. Deshalb müsste jemand die Banken auffangen - und das kann weder ein bankrotter griechischer Staat leisten, noch wollen es private Investoren tun. Bleiben nur die Euro-Regierungen, die sich das zweite Rettungspaket in Wirklichkeit also nicht ersparen.
Es kommt noch schlimmer: Wenn sie eine Staatspleite mit ungewissen Folgen befürchten, werden die Griechen ihre Konten zu räumen versuchen - was die heimischen Geldhäuser noch mehr in die Klemme bringt, oder anders ausgedrückt: die nötige Finanzspritze durch die Euro-Regierungen vergrößert.
Völlig ungeklärt ist auch, wie sich bitteschön ein bankrottes Griechenland künftig finanzieren soll, um Lehrer, Polizisten, Renten und anderes zu bezahlen. Schon der geplante Schuldenerlass für die privaten Gläubiger hat potentielle Investoren in das Land verunsichert. Eine Pleite à la Argentinien 2001 dagegen hätte auch monströse Auswirkungen à la Argentinien 2001: Athen würde vermutlich auf viele Jahre hinaus kein Geld am internationalen Kapitalmarkt erhalten. Welcher Investor leiht schon einem Staat Geld, der eben all seine Gläubiger um ihr ganzes Geld erleichtert hat? Keiner. Auf wen würden alle Hoffnungen ruhen, damit das Land Krankenhäuser und Schulen offenhalten und Plünderungen der Läden stoppen kann? Genau, auf den EU-Partnern. Das gilt umso mehr, als Athen in der EU und der Währungsunion gehalten werden soll, wie es den Advokaten einer angeblich kontrollierbaren Insolvenz vorschwebt.
In einem bankrotten Staat ist die Wirtschaft eine ganze Weile gelähmt, das zeigen die historischen Erfahrungen. Anders als damals Argentinien kann Griechenland auch nicht hoffen, für seine Waren hohe Exportpreise zu erzielen. Noch gar nicht berücksichtigt ist bei diesen Überlegungen, wie sehr eine Staatspleite andere Euro-Staaten wie Spanien oder Italien ansteckt - wenn sich die Investoren von diesen Ländern zurückziehen, ist die Währungsunion am Ende.
Nein, eine Pleite Griechenlands wäre nach derzeitigem Stand die schlechtere Lösung. Weil kein anderer Financier für das Land zur Verfügung steht, müssen dies erst mal die Euro-Partner übernehmen. So abgesichert, können Griechenlands Politiker, Unternehmer und Arbeitnehmer endlich daran gehen, das Wirtschaftssystem grundlegend zu reformieren und wieder Wachstum zu schaffen - das ist die beste Perspektive, für Griechenland und seine Euro-Partner.
- Schuldenkrise in Griechenland Rette sie, wer kann 18.02.2012
- Schuldenkrise in Athen Schäuble rüffelt Griechenland 19.02.2012
- Hilfspaket für Athen Griechenland kann auf neues Geld hoffen 19.02.2012
- Contra Warum die Pleite besser ist 19.02.2012
- Schuldenkrise in Griechenland Parlament billigt Sparpaket - Krawalle in Athen 13.02.2012
- Griechenland vor Abstimmung zum Sparpaket Papadimos fordert weiteren Verzicht von seinen Landsleuten 11.02.2012
- Europäische Schuldenkrise Griechenlands Politik sucht nur noch einen Schuldigen 08.02.2012
(SZ vom 18.02.2012/gie)
Harte Kritik des Bayern-Präsidenten
Liebe SZ, liebe Leser:
Auch wenn das hier nicht direkt zum Thema passt:
Die SZ hat in ihrer aktuellen Ausgabe behauptet, die Bilder aus diesem Video http://www.youtube.com/watch?v=Uvu-FxIWq_w wären der Dank der Griechen für das beschlossene "Rettungspaket".
DAS IST EINE LÜGE.
Die Bilder entstanden als Dank für die Solidaritätserklärungen und Demos für das griechische Volk, und nicht als Dank für die Vertreter der Banken und Wirtschaftschefs (unsere Politiker), die die Ausbeutung der Völker Europas vorantreiben!
Das ist keine Finanzkrise und auch keine Wirtschaftskrise.
Wir steuern schnurstracks auf eine Versorgungskrise zu und die offiziellen "Namen" sind nur eine Euphemisierung.
Natürlich kann man das "Finanzkrise" nennen - das heisst unser System hat zugelassen dass das Tauschmittel für Waren von wenigen Institutionen zum Nutzen weniger verwaltet wird. Und wir haben zugelassen dass durch diese "Verwaltung" - durch Investition und Zins durch Verschuldung und erhöhte Rückzahlung diese Institutionen den Besitzanspruch über reale Güter erreicht haben.
Werden diese zunehmend teurer, so sind diejenigen die wirtschaftlich am schwächsten dastehen die ersten die "rausfliegen". Die Korruption und Vetternwirtschaft hat im wesentlichen dazu beigetragen dass Griechenland noch schneller schier Enteignet wurde, als das "ohne" der Fall gewesen wäre.
Würden sie jetzt die Drachme wieder einführen, wäre diese Währung auf dem Weltmarkt so schwach dass die Griechen nicht die Rohstoffe für ihre Wirtschaft bezahlen könnten. Und genau das ist der springende Punkt: Die essentiellen Rohstoffe, Öl, Gas, Kupfer, etc. werden immer knapper und Wirtschaftswachstum - der Gott den jetzt jeder anbetet - sorgt nur für noch schnelleren Verbrauch.
Es ist nicht mehr genug für den Luxus aller da. Nach und nach trifft das uns alle - bald Portugal dann Spitalien und iiirgendwann dann auch uns.
Es sei denn wir lenken ein.. denken um.. starten was neues..
Was das sein könnte: Zeitgeist Moving forward (Youtube)
"So abgesichert, können Griechenlands Politiker, Unternehmer und Arbeitnehmer endlich daran gehen". sich für immer auf der Alimentation der Eurostaaten einzurichten - wer schon 200 Mrd. geschenkt hat, der macht auch noch weitere 100 locker
Für die desaströse Situation ist einzig die Athener politische Klasse verantwortlich. Deren nur auf Konsum und nicht auf den Aufbau nachhaltiger Strukturen ausgerichtete Politik hat das Land in den Abgrund geführt. Aus der gegenwärtigen Situation hilft nur ein Austritt aus dem EURO, kein euphemistisch sogenanntes 'Rettungspaket', sondern Bereitstellen dieser Summe für den Neuanfang, Schuldenerlass bis zur kompatiblen Größe.
Alles andere ist Irrsinn gegen jede ökonomische Vernunft.
...ausschließlich die Interessen privater Gläubiger "gerettet" und sonst gar nichts. Für Griechenland ist es ein lagsames, qualvolles Sterben. Der Schuldenschnitt ist unausweichlich und hätte schon längst geschehen müssen, die verursachten Schäden in der griechischen Gesellschaft sind nicht anderes als ein Akt der Barbarei.