Springer: Interesse an Pro Sieben Sat 1 Media Steigt auch Rupert Murdoch ein?

Eine breite Diskussion über die Medienmacht Springers will Döpfner diesmal vermeiden. Seit knapp einem Jahr bereiten er und sein Cheflobbyist Christoph Keese, der Geschäftsführer Public Affairs, offenbar in sensiblen Gesprächen mit Medienpolitikern den Wiedereinstieg ins Fernsehen vor. Es soll bloß keine Angriffsflächen geboten werden. So einigte sich Springer im Dezember überraschend mit den deutschen Grossisten über neue Vertriebskonditionen - die anderen Verlage liegen dessen ungeachtet weiter im Streit mit den unabhängigen Mittelständlern.

Es geht um die grundsätzliche Neutralität des Vertriebssystems, was die Politik sehr interessiert. Auch soll eine Debatte um Bild vermieden werden. An der Marktdominanz des Boulevardblatts hatte sich 2005 der Streit um einen Stopp Springers entzündet. Seitdem schrumpfte die Auflage, doch im Internet ist bild.de jetzt Primus.

Tatsache ist: Die Kasse von Springer ist gut gefüllt, auch nach der teuren Akquisition des französischen Immobilienportals Seloger. Vorstandschef Döpfner wird in dieser Woche, einen Tag vor Pro Sieben Sat 1, voraussichtlich ebenfalls erfolgreiche Zahlen vorlegen. Dazu kommt, dass der Berliner Medienkonzern erst kürzlich eigene Aktien verkauft hat. "An liquiden Mitteln fehlt es uns nicht", heißt es aus Springer-Kreisen. Zudem kennt Springer-Finanzvorstand Lothar Lanz das Münchner TV-Zielobjekt wie kaum ein anderer: Er saß viele Jahre im Vorstand von Pro Sieben Sat 1.

Experte Lanz wird den Sanierungskurs Ebelings genau beobachtet haben. Der Ex-Pharmamanager, vor zwei Jahren von KKR und Permira geholt, hat kräftig gespart. Der Konzernsender Sat1 wurde von Berlin nach München verlegt, der defizitäre Nachrichtensender N24 abgestoßen. Nun will er sich auch von mehreren europäischen TV-Stationen trennen, in den Niederlanden, in Belgien und in Skandinavien. Das Verkaufsverfahren läuft, es soll etliche Interessenten geben. Ein Abschluss wird in Branchenkreisen im zweiten Quartal erwartet. Analysten schätzten den Wert des Benelux-Geschäfts auf etwa eine Milliarde Euro, den des Skandinavien-Geschäfts auf mehr als eine Milliarde Euro.

Die Einnahmen werden vor allem zum Abbau des Schuldenbergs gebraucht. Pro Sieben Sat 1 hat noch immer Verbindlichkeiten von etwa drei Milliarden Euro - eine Folge des Kaufs der europäischen Senderkette SBS vor vier Jahren. Weil TV-Lenker Ebeling es geschafft hat, den Aktienwert deutlich zu steigern, winkt den beiden Private-Equity-Firmen beim Verkauf jetzt ein guter Erlös.

Der deutsche Verlag wiederum bekäme ein weitgehend bereinigtes Unternehmen. Mit den Bewegtbildern und den reichweitenstarken Online-Angeboten der Fernsehgruppe ließe sich das eigene digitale Geschäft stärken; das ist ein strategischer Schwerpunkt Springers. Er ist an den deutschen Fernsehsendern interessiert, also an Sat 1, Pro Sieben, Kabel 1 und 9Live.

"Wir stehen am Anfang einer großen Revolution"

Und dann ist noch denkbar, dass sich neben Springer ein anderes Medienhaus um Pro Sieben Sat 1 kümmert, etwa die News Corporation des Medienunternehmers Rupert Murdoch. Der Amerikaner, dessen Leute sich mit Springer auch über digitale Fragen verständigen, müssen ihr Geschäft rund um den Münchner Pay-TV-Betrieb Sky Deutschland stützen.

Einen großen Auftritt hatte Verlagschef Döpfner schon mal im Oktober 2010 in München. Da referierte er über Wert und Werte der digitalen Medien. Eine Erkenntnis: "Wir stehen am Anfang einer großen Evolution und Revolution."