Pro-Sieben-Chef Ebeling Was mit N 24 geschieht

SZ: Sie wollen auch das Nachrichtenangebot bei N 24 eindampfen. Warum?

Ebeling: Klar ist, dass es heute viele Möglichkeiten gibt, an gute und kluge Informationen zu kommen. Die Konkurrenz ist hart. Die Frage lautet: Wie differenziert man sich, damit das Nachrichtengeschäft profitabel ist? Deshalb prüfen wir derzeit alle Optionen für N 24. Eine Entscheidung wird es nicht vor Februar oder März geben.

SZ: Gehört zu den Optionen auch ein Verkauf oder ein Schließen von N 24?

Ebeling: Wir prüfen alles, wobei Schließen im Moment nicht zur Debatte steht. Aber ein Verkauf gehört dazu, auch eine Optimierung der derzeitigen Form von N 24 bis hin zu einer völligen inhaltlichen Neuausrichtung. Nachrichten sind für uns als Gruppe in jedem Fall ein Zuschussgeschäft.

SZ: Nachrichten sind aber wichtig für das Image, auch die Politiker legen darauf Wert. Würde ein Ende von N24 der Sendergruppe nicht sehr schaden?

Ebeling: Ich spreche nicht über das Ende von N24. Der Sender ist Marktführer. Darauf sind wir stolz, aber wir haben mit Nachrichten dennoch ein wirtschaftliches Problem. Nachrichten sind vielleicht für das Image bei Politikern wichtig, aber nicht unbedingt bei allen Zuschauern. Der Durchschnittszuschauer wird nicht verzweifeln, falls es bei N 24 Veränderungen geben sollte.

SZ: Die Zuschauer mit Nachrichten zu versorgen ist eine der bedeutendsten Aufgaben von Sendern.

Ebeling: Natürlich wird es auch künftig Nachrichten bei Sat 1, Pro Sieben und Kabel 1 geben. Wir werden einen Teil der Gelder, die im Bereich Nachrichten frei werden, stärker in lokale Produktionen investieren. Es ist doch spannend, wenn wir mehr Sendungen wie Galileo, Stefan Raab zur Bundestagswahl oder spezielle Reportagen machen. Wir müssen den Menschen gesellschaftspolitisch relevante Themen so näher bringen, dass sie sagen: Ja, das schauen wir uns an.

SZ: Gerade bei Medienunternehmen ist es gefährlich, immer weiter zu sparen, man gerät schnell in eine Abwärtsspirale. Sparen Sie den Konzern kaputt?

Ebeling: Nein, im Gegenteil: Unsere Investitionen waren noch nie so effizient - und der Marktanteil unserer Gruppe war noch nie so gut.

SZ: Aber doch nur wegen des Erfolgs von Kabel 1?

Ebeling: Kabel 1 ist ein großer Erfolg. Aber wir haben insgesamt viel geschafft, weil wir in der ganzen Gruppe das Programm effizienter einsetzen. Sat 1 und Pro Sieben laufen gut bis auf einzelne Baustellen, obwohl wir mit Sat 1 von Berlin nach München umgezogen sind.

SZ: Werden Sie weiter bei den Ausgaben fürs Programm sparen?

Ebeling: Wir dürfen ein bestimmtes Niveau bei den Investitionen ins Programm nicht unterschreiten. Deshalb machen wir uns jetzt jede weitere Reduzierung von Programmkosten sehr schwer.

SZ: Hohe Investitionen, vor allem bei Sat 1, haben nicht wie erwartet eingeschlagen - die neuen Shows von Johannes B. Kerner und Oliver Pocher liegen weit unter den Zielen. Woran liegt es?

Ebeling: Die Verpflichtung der beiden für Sat 1 war absolut richtig. Johannes B. Kerner passt als Sendergesicht hervorragend zu Sat1, er macht ja neben dem Magazin noch anderes, vor allem Fußball oder den Jahresrückblick. Oliver Pocher ist einfach wichtig für die Verjüngung von Sat 1. Ich sehe diese Show sehr gern. Übrigens: Sat1 hatte im Oktober 11,4 Prozent Marktanteil. Das ist viel.

SZ: Johannes B. Kerner wechselt jetzt auf den Donnerstag. Ist das die Rettung?

Ebeling: Ich halte von Kerner sehr viel. Ich bin optimistisch, dass wir das hinbekommen, wenn alle Beteiligten das Konzept der Sendung weiter verbessern. Das braucht Zeit.