Von Michael Bauchmüller und Susanne Höll

Beck ohne Chance: Den Vorschlag des SPD-Chefs zur Privatisierung der Bahn lehnt die Union rundheraus ab. Jetzt droht das Reformprojekt gleich ganz zu scheitern.

In der großen Koalition bahnt sich ein Konflikt über die Bahnprivatisierung an, an dem das Reformprojekt scheitern könnte.

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Die Spitze der Union lehnte am Freitag das bislang vom SPD-Vorsitzenden Kurt Beck favorisierte Modell einer Privatisierung nur des Güter- und Personenfernverkehrs strikt ab. "Eine Trennung der einzelnen Verkehrsteile wird es mit der Union nicht geben. Das habe ich dem SPD-Fraktionschef Peter Struck auch mitgeteilt", sagte der Vorsitzende der Unionsfraktion, Volker Kauder, der Süddeutschen Zeitung mit Blick auf den Standpunkt Becks, den Regionalverkehr nicht zu veräußern.

"Aufteilung von Fern- und Regionalverkehr ist falsch"

Auch CSU-Chef Erwin Huber lehnte Becks Alternative ab. "Eine Aufteilung von Fern- und Regionalverkehr ist falsch und unwirtschaftlich", sagte er der SZ. Huber stellte sich hinter den Holding-Vorschlag der Privatisierungsbefürworter innerhalb der SPD. Demnach sollen die Schienen komplett im Staatsbesitz bleiben.

Privatinvestoren könnten maximal 49,9 Prozent an einer Holding aus Güter- und Personenverkehr erwerben. Dies aber lehnen die SPD-Gegner einer Bahnreform ab, weil sie Privaten Einfluss auf den Personenverkehr verwehren wollen. Sie sind allenfalls zum Teilverkauf des Güterverkehrs bereit.

Eine abgespeckte Privatisierung würde aber auch weniger einbringen. Nach Berechnungen des rheinland-pfälzischen Finanzministers Ingolf Deubel (SPD) erbrächte das ursprüngliche Holding-Modell dem Bund Nettoerlöse von 8,6 Milliarden Euro.

Würde der Regionalverkehr ausgespart, erhielte der Bund nur 6,2 Milliarden Euro. Die Berechnungen, die der SZ vorliegen, seien "unter Mitwirkung des Bundesfinanzministeriums" entstanden. Allerdings müsse eine spätere Privatisierung des Regionalverkehrs möglich bleiben, schreibt Deubel.

Beratungen am Sonntagabend

Beck will am Sonntagabend mit den Bezirks- und Landesvorsitzenden der SPD über die Privatisierung beraten. In diesem Kreis sind die Gegner in der Mehrheit.

Zuvor trifft sich Beck mit seinen Stellvertretern Peer Steinbrück, Frank-Walter Steinmeier und Andrea Nahles sowie Struck und Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee. Dort dominieren die Befürworter einer umfangreicheren Privatisierung.

Um die Bahnreform zu retten, erwägen sie nun ein neues Modell. Danach sollen Private deutlich weniger als 49,9 Prozent am Personenverkehr erwerben dürfen, dafür aber einen höheren Anteil am Güterverkehr. Ob dies für Beck und die anderen Seiten akzeptabel wäre, ist unklar. Die Spitzen von SPD und Union wollen am 28. April über die Bahnreform entscheiden.

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(SZ vom 12.04.2008/hgn)