Privatfernsehen Neuer Pro-Sieben-Chef kommt von einer Staubsauger-Firma

Max Conze hat in den USA Betriebswirtschaft studiert und mag Reiten und Skifahren.

(Foto: Lino Mirgeler/picture alliance)
  • Die Geschäfte bei Pro Sieben Sat 1 laufen nicht gut.
  • Der ehemalige Dyson-Chef Max Conze soll das ändern - als Neuling in der Branche.
  • Nun sollen unter anderem die Internetaktivitäten in eine eigene Digital-Sparte ausgegliedert werden.
Von Caspar Busse

Überraschung beim Fernsehunternehmen Pro Sieben Sat 1 Media: Max Conze, 48, soll neuer Vorstandsvorsitzender des Dax-Konzerns werden und sein Amt im Juni antreten. Der Aufsichtsrat hat ihn am Mittwoch zum Nachfolger von Thomas Ebeling, 59, ernannt, der an diesem Donnerstag seinen letzten Arbeitstag hat. Der gebürtige Bielefelder Conze war von 2011 bis 2017 Chef der britischen Staubsaugerfirma Dyson, davor 17 Jahre lang für den Konsumgüterkonzern Proctor & Gamble tätig. Mit der Medien- und Fernsehbranche hatte er bisher nichts zu tun, er ist also ein Neuling in dem Geschäft.

Beeindruckt habe den Aufsichtsrat unter der Führung des früheren SAP-Finanzvorstands Werner Brandt, dass Conze Dyson zu einem Technologieführer gemacht und den Umsatz in sechs Jahren verdreifacht habe. "Mit seiner Innovationsstärke und seinem Marketingverständnis wird er Pro Sieben Sat 1 zu neuen Erfolgen führen", sagte Brandt. Bei Dyson war er allerdings im Streit geschieden: Conze war Geheimnisverrat vorgeworfen worden, er wehrte sich,dann einigte man sich außergerichtlich. Bis zu Conzes Amtsantritt im Juni wird Vize Conrad Albert das Unternehmen kommissarisch führen. An diesem Donnerstag wird Ebeling seinen Abschied geben, die Bilanz 2017 präsentieren.

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Seinen Rückzug hatte er im November verkündet. Schon länger herrscht Chaos bei dem Fernsehunternehmen: Die Geschäfte laufen schlechter, gleich mehrmals mussten die Aussichten nach unten korrigiert werden, die Aktie ging auf Talfahrt, schon drohte der Abstieg aus dem Dax. Die Enttäuschung bei den Anlegern war groß, der Vertrauensverlust ebenfalls. Dann sorgte Ebeling auch noch mit sehr umstrittenen Äußerungen über seine Zuschauer für Empörung. "Es gibt Menschen, ein bisschen fettleibig und ein bisschen arm, die immer noch gerne auf dem Sofa sitzen, sich zurücklehnen und gerne unterhalten werden wollen", hatte er gesagt.

Ebeling, studierter Psychologe, war 2009 zu Pro Sieben Sat 1 gekommen - er stammte wie Conze nicht aus der Medienbranche, sondern arbeitete zuvor für den Pharmakonzern Novartis und für einen Tabakhersteller. Zunächst gab es große Vorbehalte gegen ihn, er schaffte es dann aber, Pro Sieben Sat 1 aus der Krise zu führen und auch die Aktie wieder nach oben zu bringen. Die Großaktionäre, die Finanzinvestoren KKR und Permira, stiegen aus, das Unternehmen kam als erster Fernsehanbieter in den Dax. Gleichzeitig baute Ebeling ein Internetgeschäft auf, unter anderem, um sich von den schwankenden Werbeeinnahmen unabhängiger zu machen.

Nun sollen die Internetaktivitäten in eine eigene Digital-Sparte ausgegliedert werden, dazu würden etwa Internetportale wie Verivox und Parship gehören. Offenbar steht der amerikanische Finanzinvestor General Atlantic vor einem Einstieg. Es gehe um eine Minderheitsbeteiligung, hieß es zuletzt. Basis für das Gebot von General Atlantic sei ein Unternehmenswert von 1,7 Milliarden Euro, berichtete Reuters. General Atlantic ist am Fernbusbetreiber Flixbus mit einem Drittel beteiligt. Außerdem hatte der Investor mit Axel Springer ein Internetgeschäft ausgebaut und sich dann verabschiedet.

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