1998 hatte die Fondsbranche einen Traum: Die damals neuen AS-Fonds sollten zu einem Trumpfass bei der Altersvorsorge werden.
(SZ vom 3.07.2002) — Der erhoffte Absatzboom blieb jedoch aus. Jetzt könnten die AS-Fonds sogar endgültig ins Abseits geraten - wegen der Riester-Rente.
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"Lieber auf Nummer sicher gehen" - nach dieser Devise handeln derzeit viele Fondsanleger in Deutschland. Geldmarktfonds und offene Immobilienfonds gehören deshalb zu den Absatzrennern. AS-Fonds konnten von dem Trend zur sicheren Anlage dagegen nicht profitieren.
Anleger holen sich das Geld zurück
Seit Monaten fließt aus den so genannten Altersvorsorge-Sondervermögen (AS) mehr Geld heraus als herein kommt. In den ersten fünf Monaten des Jahres zogen Fondssparer 107 Millionen Euro aus AS-Töpfen ab - gemessen an dem ohnehin geringen AS-Fondsvermögen von etwa 2,3 Milliarden Euro eine beträchtliche Summe.
Die Fondsgesellschaft Union Investment ließ bereits einen AS-Fonds wegen des geringen Fondsvolumens schließen. Weitere Anbieter könnten folgen.
AS-Fonds sind verpflichtet, das Fondsvermögen zu mischen und in Aktien, festverzinsliche Wertpapiere sowie offene Immobilienfonds zu investieren.
Der Aktienanteil darf dabei 75 Prozent, der Immobilienanteil 30 Prozent nicht überschreiten. Festverzinsliche Wertpapiere können maximal 49 Prozent des Depots ausmachen.
Bewährtes Konzept
Diese Auflagen haben sich in Zeiten fallender Aktienkurse bewährt: Zwar haben die AS-Fonds, die in starkem Ausmaß Aktien und speziell Technologiewerte kauften, zuletzt hohe Verluste verzeichnet. Aber die meisten AS-Fonds liegen nach drei Jahren in der Gewinnzone.
Trotzdem ist es um die Zukunft der 1998 erstmals aufgelegten Vorsorgeprodukte nicht gut bestellt, nicht nur weil die Nachfrage stets eher bescheiden blieb. Inzwischen steht auch fest: Wer mit AS-Fonds ein finanzielles Polster fürs Alter aufbauen will, wird im Rahmen der Riester-Rente nicht gefördert.
Für AS-Fonds-Sparer stellt sich deshalb die Frage, ob sie ihre Verträge weiterführen oder zum Beispiel auf staatlich geförderte Fonds-Produkte umsatteln sollen. Einfach umwandeln lassen sich die Verträge jedenfalls nicht.
Auf Förderquote achten
Zulagen und Steuerersparnisse gewährt der Staat bei der privaten Altersvorsorge nur, falls die gewählten Anlage-Produkte bestimmten Sicherheits-Kriterien entsprechen.
So müssen die Anbieter zum Beispiel garantieren, dass mindestens die eingezahlten Gelder erhalten sind, wenn der Kunde in Rente geht. Diese und andere Auflagen könnten die AS-Fonds theoretisch erfüllen.
Die Fondsanbieter haben jedoch kein Interesse, die Konstruktion der Altersvorsorge-Sondervermögen entsprechend zu ändern. Das ergab eine Umfrage der SZ bei den sechs großen deutschen Fondsgesellschaften.
Für dieses Nein gibt es vor allem zwei Gründe: Den Anbietern ist es zu aufwändig, die AS-Fonds den Riester-Kriterien anzupassen. Müssten die AS-Fonds zusätzlich zu ihren eigenen Sicherheitsauflagen die Riester-Kriterien erfüllen, würde dies die Kosten unnötig erhöhen und damit tendenziell auf die Wertentwicklung der Fonds drücken.
Außerdem weisen die Fondsgesellschaften darauf hin, dass die Riester-Verträge die durch die Rentenreform entstandene Lücke bei der Alterssicherung stopfen sollen.
Nur Wenige dürften zweigleisig fahren
Es sei deshalb notwendig, sowohl in Riester-Produkte zu investieren, als auch mit weiteren Fondssparplänen ein privates Standbein für die Altersvorsorge zu schaffen.
Das ist allerdings leichter gesagt als getan: Schließlich dürften viele Anleger einfach nicht genug Geld übrig haben, um zweigleisig und falls möglich zusätzlich noch betrieblich vorzusorgen.
Viele Sparer ziehen deshalb offenbar Mittel aus AS-Fonds ab. Schließlich liegt der Gedanke nahe, lieber in ein ähnliches Produkt zu investieren und zusätzlich Geld vom Staat mitzunehmen. Dabei sind aber Vor- und Nachteile abzuwägen: Förderung: Von der Riester-Förderung profitieren vor allem Geringverdiener und Familien mit Kindern, aber auch zum Beispiel Singles mit hoher Steuerquote.
Wie hoch die staatlichen Leistungen im Einzelfall ausfallen, lässt sich an der Förderquote messen. Dabei wird errechnet, wie hoch der prozentuale Anteil der Summe von Grund- und Kinderzulage plus mögliche Steuerersparnis im Verhältnis zur Sparleistung des Geförderten ist. Grundsätzlich gilt deshalb: Je höher die Förderquote ist, desto eher kann sich ein Riester-Produkt im Vergleich zu den nicht geförderten AS-Fonds rechnen.
Kosten: Die Ausgabeaufschläge von AS-Fonds bewegen sich im Durchschnitt leicht unterhalb der Kosten für die neuen staatlich geförderten Fondssparpläne, die bei sechs bis sieben Prozent des vom Sparer eingezahlten Kapitals liegen. Die Gebühren und Provisionen für die Riester-Produkte der Versicherer liegen laut Stiftung Warentest dagegen bei meist über zehn Prozent.
Freiheit bei der Auszahlung
Rendite: Die Versicherer prognostizieren Renditen für geförderte Privatrenten-Policen von um die sieben Prozent jährlich. Ob AS-Fonds mithalten können, lässt sich derzeit nicht sagen. Da die AS-Fonds noch nicht lange auf dem Markt sind und bislang sehr unterschiedlich abgeschnitten haben, ist ihre Wertentwicklung wenig aussagekräftig.
Flexibilität: Hier liegt der wohl größte Vorteil der AS-Fonds im Vergleich zu den Riester-Produkten. Der Anleger kann selbst bestimmen, wie viel er monatlich einzahlt. Er kann die Summe reduzieren oder eine Zahlungspause einlegen, ohne dass er um staatliche Zuschüsse fürchten muss.
Flexibel bleibt der Sparer auch in der Auszahlungsphase: Er kann sich die Erträge jährlich, monatlich oder als gesamte Summe auszahlen lassen - und es sich damit auf Mallorca gut gehen lassen.
Anders bei der Riester-Rente: Wer mit dem Geld ins Ausland verschwindet, muss die staatliche Förderung komplett zurückzahlen. Schließlich ist die Riester-Rente voll zu versteuern - und keiner soll sich durch den Wegzug ins Ausland dieser Steuerpflicht entziehen können.
Das SZ-Buch zum Thema: Die Riester-Rente, dtv, Mai 2002, 5 Euro.
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