Der neue Premiere-Chef Mark Williams steht vor einer fast unlösbaren Aufgabe: Er soll den Bezahlsender profitabel machen
Überrascht ist Mark Williams immer wieder, wie pünktlich die Menschen in Deutschland zu Verabredungen erscheinen. Der gebürtige Australier aus Melbourne, seit Mitte September Chef des Münchner Bezahlsenders Premiere, hatte seit 2003 in Italien gearbeitet. Da war er offenbar ganz anderes gewöhnt.
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Der Sender Premiere hat nur einmal Gewinne gemacht - im Jahr 2005. (© Foto: dpa)
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Sonst kommt ihm die Situation bei Premiere aber ziemlich bekannt vor. Denn Williams, 47, der schon seit mehr als zwölf Jahren für den News-Corp-Konzern von Rupert Murdoch tätig ist, hatte zuvor im Auftrag des weltweit agierenden Medienunternehmers Sky Italia saniert - die Lage dort war vor fünf Jahren ähnlich desolat wie bei Premiere heute. Inzwischen erwirtschaften die Italiener eine Rendite von etwa zehn Prozent.
Davon kann Premiere nur träumen. Wenn an diesem Donnerstag die neuen Quartalszahlen bekannt gegeben werden, schlagen wohl wieder Verluste zu Buche. Für 2008 wird mit einem Minus im operativen Geschäft von bis zu 70 Millionen Euro gerechnet. Premiere verbrennt also Tag für Tag Geld - und das schon seit vielen Jahren.
Schöngerechnete Prognosen
In der Geschichte des Bezahlsenders gab es nur 2005 Gewinne zu vermelden - das war das Jahr des Börsengangs. Zuletzt hatte sich der Konzern unter dem früheren Chef Michael Börnicke, der auch lange Finanzvorstand war und mit übertriebenen Prognosen auffiel, schöngerechnet.
Nicht nur die Zahl der Abonnenten wurde wohl deutlich höher angegeben als realistisch - was von Williams bereits korrigiert wurde. Die Ertragszahlen standen immer wieder unter dem Einfluss von Sondereffekten. So flossen zuletzt Sondergewinne durch den Verkauf von Anteilen an der Satellitentochter Premiere Star. Großaktionär News Corp (der Konzern hält inzwischen gut 25 Prozent der Premiere-Aktien) scheint das Zahlenwerk der Vergangenheit prüfen zu lassen. Aus dem Umfeld Murdochs heißt es, eine Aufstockung der Beteiligung sei derzeit aber kein Thema.
Williams soll jetzt das Unmögliche schaffen: nämlich Premiere profitabel zu machen, fast eine mission impossible. Im Sommer war er in den Aufsichtsrat eingezogen. Als Börnicke dann am 10. September wohl nicht ganz freiwillig seinen Rücktritt bekannt gab, rückte Williams nach. Seitdem lässt der erfahrene Finanzexperte alle Aufgaben im News-Konzern ruhen und räumt in München auf. Zu seiner Frau und den drei schulpflichtigen Kindern in London schafft er es nur am Wochenende.
Derzeit wird fieberhaft mit den Banken über die künftige Finanzierung verhandelt. Die Gespräche, die in Zeiten der Finanzkrise schwierig sind, sollen aber gut laufen, zum Bankenkonsortium soll auch die britische Großbank Royal Bank of Scotland (RBS) gehören.
Über eine Kapitalerhöhung wird immer wieder spekuliert. Finanzbedarf hat Premiere in erster Linie für die anstehende Versteigerung der Bundesligafernsehrechte. Noch im Dezember will die Deutsche Fußball Liga (DFL) eine Entscheidung treffen, Premiere gilt als Favorit für die Bezahlrechte, die etwa 200 Millionen Euro pro Saison kosten. Für einen Drei- oder Vier-Jahresabschluss ist eine Bankbürgschaft nötig.
Bis Ende des Jahres will Williams die Überprüfung bei Premiere abgeschlossen haben. Was dann kommt, ist offen. Sicher müssen die Kosten gesenkt, das Programm verbessert, mehr monatlich zahlende Kunden gewonnen und die durchschnittlichen Einnahmen pro Kunde gesteigert werden. Zögerlich ist der Murdoch-Manager nicht.
So hat er im Vorstand bereits reinen Tisch gemacht. Nach Börnicke verließen die Vorstände Alexander Teschner (Finanzen), Oliver Kaltner (Marketing) und demnächst Hans Seger (Programm) das Unternehmen. Ersetzt wurden sie von Führungskräften der Murdoch-Firmen BSkyB und Sky Italia. Nur einer bleibt: Sport-Vorstand Carsten Schmidt hat angeblich das Vertrauen.
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(SZ vom 13.11.2008/ssc/mel)
Platz wäre schon, aber damit mehr Kunden - deutlich mehr Kunden - kommen, muss das Angebot drastisch günstiger werden und nicht für jeden Mist ein Zusatzpaket fällig werden.
Wenn man mal umzieht sollte zudem keine hohe zweistellige Gebühr fällig werden, nur weil man seinen Kabel-SmartCard gegen eine Satelliten-Karte getauscht haben will (oder umgekehrt).
Kosten senken und Programm verbessern? Einnahme pro Kunde erhöhen (= Abbo wird teurer) und mehr Kunden bekommen?
Also da sehe ich ja Schwarz (oops doppeldeutig!). Vielleicht sollten sich die Leute mal klar machen, dass für payTV in Deutschland kein Platz ist.