Preiskampf der Discounter Verramschte Eier

Bei Bio-Eiern gibt es zwar kein Überangebot. Trotzdem senken Discounter den Preis. Denn der Abstand zu konventionellen Eiern darf nicht zu groß sein.

Aldi, Lidl und Co. haben die Preise für Eier stark gesenkt - und die Bauern dadurch in Schwierigkeiten gebracht. Auch den Käufern bringt die Aktion nicht unbedingt nur Vorteile.

Von Daniela Kuhr

"Protest!" steht in großen roten Buchstaben auf dem Plakat. Und etwas kleiner in schwarzen: "Gegen massive Preissenkung bei Aldi!!! - Statt 2,59 Euro jetzt 2,29 Euro für zehn Bio-Eier". Daneben ist das Foto eines riesigen Huhns zu sehen, aus dessen Schnabel eine Sprechblase kommt: "Dafür lege ich kein Bio-Ei!!!" Dieses Huhn ist derart groß abgebildet, dass Vorbeigehende gar nicht anders können, als einen Blick auf das Plakat zu werfen. Und erfreulicherweise gehen ziemlich viele Menschen vorbei. Das Plakat hängt nämlich am Stand des Bundes der ökologischen Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) auf der Grünen Woche in Berlin, der größten Ernährungsmesse der Welt.

Anlass für die Protestaktion ist die Tatsache, dass mehrere Discounter am Samstag vergangener Woche ihre Eier-Preise drastisch gesenkt haben. Den Anfang hatte Aldi Süd gemacht. Anstatt 1,29 Euro kostete der Zehnerpack Eier aus Bodenhaltung auf einmal nur noch 99 Cent. Auch der Preis für Bio-Eier fiel um 30 Cent. Die anderen Discounter legten umgehend nach. "Das ist marktkonformes Verhalten", erklärt ein Sprecher von Lidl. Über die Folgen, die solche Preise für die Landwirte haben, scheint er sich jedoch keine Gedanken zu machen. Jedenfalls will er dazu nichts sagen. Nur so viel: "Wir setzen auf eine faire und partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Bauern."

In den Ohren des BÖLW-Vorsitzenden Felix Prinz zu Löwenstein klingt das wie Hohn. Das, was Aldi, Lidl und Co. da gerade machten, sei "eine gewaltige Schweinerei", meint er. Auch Walter Heidl, Präsident des Bayerischen Bauernverbands, ist empört. Diese Preissenkung sei in keiner Weise nachvollziehbar, schimpft er. "Das ist Marketing auf dem Rücken der Bauern." Vor allem diejenigen Betriebe, die in den vergangenen Jahren viel Geld in neue moderne Ställe gesteckt und jetzt Kredite zurückzuzahlen hätten, gerieten in so einer Situation unter Druck.

"Die Discounter haben eine enorme Marktmacht"

Doch wie kommen solche Preise überhaupt zustande? Margit Beck, Expertin beim Branchendienst MEG (Marktinfo Eier und Geflügel), erklärt das so: "Im Prinzip ist der Preisschritt nur die logische Folge der Vertragsabschlüsse vom vergangenen Jahr", sagt sie. Im Sommer und Herbst 2013 hätten die Discounter mit den Eier-Produzenten die Lieferverträge für 2014 geschlossen. "Weil das Angebot an Eiern damals sehr groß war, konnten die Discounter extrem niedrige Preise durchsetzen, die sie den Erzeugern zu zahlen haben." Experten hätten sich schon damals gefragt, wie die Betriebe zu diesen Preisen eigentlich noch gewinnbringend Eier produzieren wollten. "Vermutlich haben sie gehofft, ihre Produktionskosten weiter zu senken und beispielsweise Futtermittel billiger einkaufen zu können."

Bauernverbandspräsident Heidl stellt klar, dass den Bauern gar nichts anderes übriggeblieben sei, als sich auf diese Lieferverträge einzulassen. "Die Discounter haben eine enorme Marktmacht und können die Preise oftmals diktieren." Was ihn besonders empört, ist die Tatsache, "dass hier hochwertige Lebensmittel als Lockangebote eingesetzt - und damit geradezu verramscht werden." Anders als bei konventionellen Eiern gab es bei Bio-Eiern kein Überangebot. Dass die Discounter dennoch auch die Preise für Bio-Eier gesenkt haben, erklärt BÖLW-Chef Löwenstein damit, "dass es immer nur einen gewissen Abstand zwischen Konventionell und Bio geben darf". Wird der zu groß, hat Bio keine Chance mehr.

Selbst Verbraucherschützer können sich nicht uneingeschränkt über die billigen Eier-Preise freuen. "Auf der einen Seite ist es natürlich richtig, wenn der Einzelhandel seine niedrigen Einkaufspreise umgehend an die Verbraucher weiterreicht", sagt Sophie Herr, Lebensmittelexpertin beim Bundesverband der Verbraucherzentralen. "Auf der anderen Seite aber ist die Verhandlungsposition der Discounter aufgrund der Konzentration im Einzelhandel mittlerweile so stark, dass sie manchmal sogar ruinöse Preise durchsetzen können." Das könne dazu führen, dass die Lieferanten an der Qualität sparten oder ihre Produktionsstandards aufweichen müssten, um überhaupt noch Gewinn zu machen. "Wenn sie dann aber beispielsweise ihre Tiere nicht mehr so halten, wie die Menschen das wünschen, ist für die Verbraucher nichts gewonnen", sagt Herr.

Eben aus diesem Grund ist auch Heidl überzeugt, dass die Discounter sich mit der Aktion keinen Gefallen tun. "Wir reden gerade in einer breiten gesellschaftlichen Debatte darüber, dass Lebensmittel einen Wert haben und deshalb wieder mehr wertgeschätzt werden müssen. Wie passt es da zusammen, wenn Eier zu Schleuderpreisen auf den Markt geworfen werden?"