Ein Kommentar von Daniela Kuhr

Die Bahn hat ihren Kunden im vergangenen Jahr viel zugemutet - und trotzdem erhöht sie ohne Not die Preise. Auf so eine Idee kann nur ein Quasi-Monopolist kommen.

Seit Mai ist der knurrige Hartmut Mehdorn weg, und stattdessen steht der freundliche Rüdiger Grube an der Spitze der Deutschen Bahn.

Bild vergrößern

Bahnkunden am Fahrkartenautomaten: Der Personenverkehr soll offenbar die Einbrüche im Güterverkehr ausgleichen. (© Foto: ddp)

Anzeige

Doch wer gehofft hat, mit dem Wechsel habe das ständige Ärgern über die Bahn ein Ende, wird spätestens jetzt eines Besseren belehrt. Wie bereits in den vergangenen Jahren will der Konzern zum Fahrplanwechsel im Dezember erneut die Preise erhöhen: diesmal um 1,8 Prozent.

Grube nennt das "eine Entscheidung mit Augenmaß". Treffender wäre wohl, von einer "völlig verfehlten Entscheidung" zu sprechen.

Es stimmt zwar: Vergleicht man die Preiserhöhung mit früheren, fällt sie gering aus. Zuletzt beispielsweise hatte der Konzern die Tickets um 3,9 Prozent verteuert.

Handfeste Argumente

Doch die Situation war eine ganz andere. Bei früheren Preisschritten hatte die Bahn handfeste Argumente. Mal waren es die gestiegenen Stromkosten, mal die Dieselkosten, mal die Inflation, mal die höhere Mehrwertsteuer. Nichts davon greift diesmal. Nur die Personalkosten sind gestiegen.

Umgekehrt aber hat die Bahn den Kunden im vergangenen Jahr sehr viel zugemutet. So kam es wegen Problemen mit den ICE-Achsen zu diversen Einschränkungen im Fernverkehr. Die Datenaffäre und das Berliner S-Bahn-Chaos schadeten dem Image zusätzlich.

Und schließlich befinden wir uns in einer schweren Wirtschaftskrise. Auch die Bahn spürt das, der Güterverkehr ist eingebrochen - und offenbar soll es der Personenverkehr nun richten.

In so einer Situation die Preise zu erhöhen, und sei es nur minimal, auf diese Idee kann nur ein Quasi-Monopolist wie die Deutsche Bahn kommen. Bei seinem Antritt hatte Grube gesagt, er wolle die Bahn sympathischer machen. So aber wird ihm das kaum gelingen.

Und wie lautet Ihre Meinung? Sind die Fahrpreiserhöhungen bei der Bahn gerechtfertigt?

Leser empfehlen 

(SZ vom 07.10.2009/pak)