Die Bahn hat ihren Kunden im vergangenen Jahr viel zugemutet - und trotzdem erhöht sie ohne Not die Preise. Auf so eine Idee kann nur ein Quasi-Monopolist kommen.
Seit Mai ist der knurrige Hartmut Mehdorn weg, und stattdessen steht der freundliche Rüdiger Grube an der Spitze der Deutschen Bahn.
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Bahnkunden am Fahrkartenautomaten: Der Personenverkehr soll offenbar die Einbrüche im Güterverkehr ausgleichen. (© Foto: ddp)
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Doch wer gehofft hat, mit dem Wechsel habe das ständige Ärgern über die Bahn ein Ende, wird spätestens jetzt eines Besseren belehrt. Wie bereits in den vergangenen Jahren will der Konzern zum Fahrplanwechsel im Dezember erneut die Preise erhöhen: diesmal um 1,8 Prozent.
Grube nennt das "eine Entscheidung mit Augenmaß". Treffender wäre wohl, von einer "völlig verfehlten Entscheidung" zu sprechen.
Es stimmt zwar: Vergleicht man die Preiserhöhung mit früheren, fällt sie gering aus. Zuletzt beispielsweise hatte der Konzern die Tickets um 3,9 Prozent verteuert.
Handfeste Argumente
Doch die Situation war eine ganz andere. Bei früheren Preisschritten hatte die Bahn handfeste Argumente. Mal waren es die gestiegenen Stromkosten, mal die Dieselkosten, mal die Inflation, mal die höhere Mehrwertsteuer. Nichts davon greift diesmal. Nur die Personalkosten sind gestiegen.
Umgekehrt aber hat die Bahn den Kunden im vergangenen Jahr sehr viel zugemutet. So kam es wegen Problemen mit den ICE-Achsen zu diversen Einschränkungen im Fernverkehr. Die Datenaffäre und das Berliner S-Bahn-Chaos schadeten dem Image zusätzlich.
Und schließlich befinden wir uns in einer schweren Wirtschaftskrise. Auch die Bahn spürt das, der Güterverkehr ist eingebrochen - und offenbar soll es der Personenverkehr nun richten.
In so einer Situation die Preise zu erhöhen, und sei es nur minimal, auf diese Idee kann nur ein Quasi-Monopolist wie die Deutsche Bahn kommen. Bei seinem Antritt hatte Grube gesagt, er wolle die Bahn sympathischer machen. So aber wird ihm das kaum gelingen.
Und wie lautet Ihre Meinung? Sind die Fahrpreiserhöhungen bei der Bahn gerechtfertigt?
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(SZ vom 07.10.2009/pak)
Berliner Zeitung
"Ich glaube nicht mehr, daß Menschen aufwachen wollen aus diesem weltweiten Irrsinn, der u.a. als Fortschritt bezeichnet und verkauft wird. Der gelebte Glaube an den Popanz Wachstum wird unvermeidliche und vorhersehbare Folgen haben. Es ist verständlich, daß viele diese nicht sehen wollen."
Das trifft's ganz gut, finde ich.
Ich fahr's seit acht Jahren kein Auto mehr, sondern bewege mich nur noch per pedes, per Rad oder mit den Öffentlichen fort.
Aber als Student kann ich mir leider die Öffentlichen bald nicht mehr leisten. Da zahle ich 225 Euro für eine BC50, und komme trotzdem teurer weg bei vielen Strecken, als würde ich mit dem Billigflieger hinjetten.
Beispiel: Ich verbringe diese Weihnachten in Osnabrück. Mit BC50 bei der Bahn 126 Euro (VOR Preiserhöhung), und das bei einer einfachen Fahrtdauer von 5:30 Stunden bis 9:30 (je nachdem, wann ich fahre).
Fliegen tu ich in knapp 2 Stunden (und selbst mit Check-In und Rotz ists bei weitem schneller als Bahn), Kostenpunkt: 110 Euro.
Nachdem ich meine BC sonst kaum mehr nutze (bis 50 Kilometer radel ich; ist auch abbestellt), rechnet sich das für mich einfach nicht mehr.
Habe ich ein gestörtes Zeitgefühl, oder ist am vorletzten Sonntag Bundestagswahl gewesen?
Seitdem wurden hier in MUC die Preiserhöhungen für den öffentlichen Nahverkehr konkretisiert -- daran, dass dieses Jahr noch eine Erhöhung kommt, hat wohl niemand gezweifelt -- und nun die Deutsche Bahn. Ich nehme nicht an, dass die Zusammenhänge völlig zufällig sind.
Interessant ist, wie sich die Begründungen gleichen: Personalkosten.
Und in der Praxis? Z.B. vorgestern nachmittag hätte man im HBF München ordentlich Personalkosten einsparen können. An drei Schaltern mit MVG/MVV-Dienstleistungen waren etwa 10 Meter lange Warteschlangen. Mit jeweils einem Mitarbeiter der Bahnsicherheit am Ende. Zwei Schalter mehr öffnen hätte das Problem wohl ebenfalls gelöst und einen Mitarbeiter eingespart. Aber so etwas ist wohl zu einfach -- und hätte vielleicht auch noch für Kundenzufriedenheit gesorgt.
Alles Gute
Kai Hamann
Aus dem Inhalt:
"Neuer Ärger beim Strompreis: Im Großhandel sinken die Preise für Elektroenergie, doch die Versorger verlangen von ihren privaten Kunden mehr. Verbraucherschützer sind empört.
Trotz halbierter Großhandelspreise (...TROTZ...HALBIERTER...GROSSHANDELSPREISE...)
an der Leipziger Strombörse European Energy Exchange (EEX) müssen private Haushalte in Deutschland für Strom 5,8 Prozent mehr zahlen als im Vorjahr.."
*Quelle*: wewewe.sueddeutsche.de/finanzen/639/490020/text/
Mit einer Einschränkung stimme ich Ihnen zu, von wegen Abnutzung. Das stimmt zwar, aber die Bahn hat gegen alle Vorgaben verstoßen und zumindest bei den S-Bahnen die Wartungsintervalle unrühmlich in die Länge gezogen, wegen der Kosten. Das daraus resultierende Desaster können wir heute bewundern. Wie das bei den ICE ausgehen wird, ist noch nicht ganz bekannt. Es gibt aber Hinweise, dass es auch dort erhebliche Widersprüche gibt. Es ist vermutlich das Ergebnis, wenn man Profit über alles - auch über die Sicherheit - stellt.
Ich glaube nicht mehr, daß Menschen aufwachen wollen aus diesem weltweiten Irrsinn, der u.a. als Fortschritt bezeichnet und verkauft wird. Der gelebte Glaube an den Popanz Wachstum wird unvermeidliche und vorhersehbare Folgen haben. Es ist verständlich, daß viele diese nicht sehen wollen.
Wirklich empörend finde ich allerdings immer noch, daß jeder, der ein paar Grundbegriffe und -fertigkeiten bei der Internetnutzung erworben hat, jederzeit lediglich einige wenige Klicks von den Fakten unseres Lebens entfernt ist. Seien es Statistiken, Studien, Bücher, Aufsätze, Filme,.... Und es findet kein spürbares Umdenken statt! Business as usual. Wahnsinn!
Das hat jetzt allerdings nur auf einem (kleinen) Umweg mit der Preiserhöhung der Bahn zu tun.
45 000 000 in D herumstehende und gelegentlich fahrende PKWs halte ich übrigens für einen volkswirtschaftlichen Skandal. Betriebswirtschaftlich ist so ein Auto, das 95% seiner Lebenszeit steht, ein Unding. Und im übrigen auch eine visuelle Umweltverschmutzung.
Paging