Preis-Panne bei US-Discounter Der Wal-Mart-Zuschlag

Ausgerechnet Wal Mart hat seinen US-Kunden jahrelang zu viel Geld aus der Tasche gezogen - dabei wirbt gerade die weltgrößte Handelskette mit rigorosen Discount-Preisen.

Sam Walton hätte wahrscheinlich einen Wutausbruch bekommen. Der legendäre Gründer von Wal-Mart, dem heute weltweit größten Einzelhandelskonzern, galt als detailversessen und gründlich.

Preis-Panne bei US-Discounter

Wal-Mart-Filiale in Little Rock, Arkansas: Jahrelang haben Kunden der Supermarktkette zu viel Geld für ihre Waren bezahlt.

(Foto: Foto: AP)

Jedes Produkt musste am richtigen Platz stehen, für die Mitarbeiter galt ein Verhaltenskodex, alle Einzelheiten über die Konkurrenz wollte Walton wissen. Und natürlich sollten auch die Preise der Waren exakt stimmen. Auch deshalb hat Wal-Mart Milliardensummen in Computersystem investiert, die Verkaufszahlen analysiert sowie Bestände und Preise kontrolliert.

Sehr peinlich ist deshalb, was Ermittler des kalifornischen Justizministeriums nun herausgefunden haben. Wal-Mart-Kunden haben jahrelang an der Kasse höhere Preise gezahlt, als die Waren laut den Preisschildern am Regal kosteten.

Bei Stichproben in 164 Läden wurden vor allem Lebensmittel falsch abgerechnet, teilte die Behörde mit. Aber auch andere Produkte, etwa Kleidung, sei falsch ausgezeichnet gewesen. Der Fehler kam die Kunden teuer zu stehen: Im Durchschnitt zahlten die Verbraucher demnach pro Einkauf rund 8,40 Dollar (6,50 Euro) zuviel. Die Fehler ereigneten sich demnach beim Einlesen der Strichcodes an der Kasse.

Aggressive Preispolitik

Wal-Mart ist in den USA bekannt für seine aggressive Preispolitik. Darunter leiden besonders etliche Lieferanten, denen der Handelskonzern quasi die Konditionen diktiert. Aufgrund der Marktmacht von Wal-Mart müssen die Lieferanten klein beigeben - wenn sie den prominenten Abnehmer nicht vergrätzen wollen.

Die pikanten Neuigkeiten aus Kalifornien treffen den Konzern an einer wunden Stelle. Schnell hat Wal Mart deshalb auf die Vorwürfe reagiert. Das Unternehmen will 1,4 Millionen Dollar Entschädigung zahlen, erklärte das kalifornische Justizministerium.

Zudem soll ein Ombudsmann soll Beschwerden von Kunden in Kalifornien entgegennehmen. Dieser soll zudem wöchtentlich in allen Filialen die Preise auf ihre Richtigkeit überprüfen lassen. Bei neuen Fehlabrechnungen will Wal-Mart den Kunden jeweils die Preisdifferenz zuzüglich drei Dollar erstatten.