Die Postbank wird laut Post-Chef Zumwinkel voraussichtlich im Herbst 2004 an die Börse gehen. Der Erlös von mindestens 2,5 Milliarden Euro werde voll dem Mutterkonzern zu Gute kommen.
(SZ vom 30.9.2003) Zumwinkel bestätigte, dass sich der Aufsichtsrat der Deutschen Post AG am vergangenen Freitag und der der Postbank am gestrigen Montag dafür ausgesprochen hätten, die Post-Tochter innerhalb der nächsten 18 Monate an die Börse zu führen. Trotz aller Unsicherheit am Kapitalmarkt, halte er innerhalb dieses Zeitfensters einen Termin im Herbst 2004 für wahrscheinlich. Der Mutterkonzern Post stelle sich aber unter keinerlei Zeitdruck und werde deshalb flexibel entscheiden, betonte Zumwinkel vor Journalisten in Bonn.
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Mit Blick auf das Marktumfeld, das Börsenklima und die Konjunktur biete der Zeitraum von 18 Monaten genügend Handlungsfreiheit. Diese nehme der Konzern auch für die konkrete Ausgestaltung der Transaktion in Anspruch. Zumwinkel: "Es gibt da eine ganze Reihe von Möglichkeiten, die wir sorgfältig prüfen - sei es der klassische IPO, sei es eine Kapitalerhöhung oder vielleicht auch ein strategischer Investor".
Mehrheit bleibt bei der Post
Entscheidend sei, dass eine börsennotierte Postbank mit Blick auf deren Kernkompetenz geschärft wahrgenommen und deutlich höher als derzeit mit 3,5 Milliarden Euro bewertet werde. Die Postbank werde dann zwar "in einer anderen Liga spielen", sei aber nach wie vor ein unverzichtbarer Bestandteil der Deutschen Post AG. Mit 50 Prozent und einer Aktie werde die Post deshalb auch weiterhin Mehrheitseigner der Bank bleiben.
Dies einerseits, um die Synergien im Vertrieb beider Unternehmensteile voll auszuschöpfen und andererseits, um die finanziellen Ressourcen der Bank für den Ausbau des Konzerns zum Weltmarktführer im Bereich Logistik zu nutzen. Schließlich habe sich die Postbank binnen weniger Jahre von einem "schlafenden Riesen" zu einem höchst profitablen Finanzdienstleister entwickelt, der nun auch für die Kapitalmärkte attraktiv sei und damit auch den Aktionären der Post im Sinne des Shareholder Value einiges zu bieten habe.
Zumwinkel geht davon aus, dass die Postbank mit ihrem derzeitigen Eigenkapital von 4,8 Milliarden Euro deutlich mehr als 5 Milliarden Euro wert ist . Ein geschätzter Börsenerlös von rund 2,5 Milliarden Euro liege daher eher an der unteren Grenze des Erwartungsspektrums. Dieses Geld werde ausschließlich dem Postkonzern sowohl zur Reduzierung seiner Verschuldung und damit zur Verbesserung seines Kreditratings als auch zur Finanzierung seiner vornehmlich auf Europa konzentrierten Expansionspläne dienen. Das sei bereits fest mit dem Hauptaktionär Bund vereinbart worden, betonte Zumwinkel. Schließlich werde auch der Bund durch eine Höherbewertung der Aktie Gelb vom Börsengang der Postbank profitieren. Dieser solle ausschließlich am Platz Frankfurt stattfinden.
Fokussierung auf Privatkundengeschäft
Wulf von Schimmelmann, Vorstandsvorsitzender der Postbank, kündigte an, dass das Institut in den kommenden Monaten seine Geschäftsstrategie noch stärker auf das Privatkundengeschäft fokussieren werde. Die Postbank sei heute mit ihren rund zehn Millionen Kunden die größte Bank für Privatkunden in Deutschland.
Dank ihrer besonderen Strategie als reine Retailbank habe sie sich gerade in den schwierigen Jahren 2001 und 2002 gegen den allgemeinen Branchentrend verbessern können, weil sie keine hohen Firmenkundenkredite habe abschreiben und keine Ausfälle aus dem Investment-Banking habe kompensieren müssen.
Im laufenden Jahr sei beim Ergebnis vor Steuern wiederum mit einer zweistelligen Zuwachsrate zu rechnen (Vorjahr: 400 Millionen Euro), betonte von Schimmelmann, der im übrigen unterstrich, dass der Sitz der Postbank weiterhin Bonn sein werde und dass sich der Personabbau unverändert in dem bisher bekannten Rahmen von derzeit 10000 auf 7500 Mitarbeiter bewegen werde.
(sueddeutsche.de)