SZ: Was kann die Post noch tun, um die sinkenden Gewinne aus dem Briefgeschäft zu kompensieren?

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Gerdes: Eine weitere Möglichkeit ist, bestehende Geschäfte auszubauen, und das tun wir schon lange. Die dritte Möglichkeit sind neue Produkte wie der Brief im Internet. Die Menschen kommunizieren ja nicht weniger, sondern anders. Wir wollen die Eigenschaften des klassischen Briefs, also Vertraulichkeit, Verbindlichkeit und Verlässlichkeit, in die elektronische Welt überführen. Früher musste man ins Reisebüro gehen, um eine Reise zu buchen - heute geht das per PC. Genauso wird man morgen einen Brief elektronisch vom PC verschicken können.

SZ: Wie hoch wird das Porto für den elektronischen Brief sein?

Gerdes: Über Preise rede ich noch nicht. Es wird aber zwei Varianten des Briefs im Internet geben: Entweder Sie schicken einen Brief elektronisch, und der Empfänger bekommt ihn in sein elektronisches Postfach. Oder sie schicken den Brief elektronisch, und wir stellen ihn als Ausdruck mit unserem Briefträger zu - das ist dann der hybride Brief.

SZ: Eine SMS kostet heute 19 Cent. Ist das ein guter Preis?

Gerdes: Das müssen Sie die Telekom fragen, SMS haben wir nicht im Angebot.

SZ: Wie viel investieren Sie?

Gerdes: Der Brief im Internet ist eines unserer größten Projekte der vergangenen Jahre. Zusätzlich zu den Entwicklungskosten für diese technisch hoch anspruchsvolle Plattform werden wir sehr stark ins Marketing investieren, um unsere Kunden mit dem neuen Produkt vertraut zu machen. Wir sind uns sehr sicher, dass wir die Kunden für den Brief im Internet begeistern werden. Gerade haben wir für den Brief im Internet eine umfangreiche Kooperation mit dem ADAC beschlossen. Der allein hat 17 Millionen Mitglieder. Das ist eine sehr gute Basis.

SZ: Irgendwann werden Sie möglicherweise Ihre Briefträger nicht mehr brauchen?

Gerdes: Das stimmt nicht. Die Taschen der Briefträger werden nicht an einem Freitag voll und am nächsten Montag dann leer sein, weil plötzlich alles elektronisch abläuft. Ich habe das Ziel, dass jeder unserer 80.000 Zusteller seinen geplanten Renteneintritt bei uns erreicht.

SZ: Von den eigenen Filialen trennen Sie sich und wandeln diese um. Ist das guter Service?

Gerdes: Aus Sicht unserer Kunden schon. Der unabhängige Kundenmonitor hat dies gerade bestätigt. Über 90 Prozent unserer Kunden sind mit uns zufrieden, das ist das beste Ergebnis, das wir je hatten. Ein wesentlicher Grund hierfür ist, dass wir in den Filialen deutlich länger für unsere Kunden erreichbar sind. So haben wir durch die Umwandlungen die durchschnittliche Wochenöffnungszeit seit 1990 von 18 auf 43 Stunden gesteigert. Unser Plan ist, die Zahl der Verkaufsstellen in den nächsten drei Jahren von 17.000 auf 24.000 weiter auszubauen. Wir arbeiten daran, diesen Prozess zu beschleunigen. Die Filialen in den Edeka-Märkten sind beispielsweise ein Erfolg: Ich schaue mir das jeden Samstag an, wenn ich dort morgens Brötchen kaufe.

SZ: Werden Sie weitere der 109.000 Briefkästen abhängen?

Gerdes: Die Zahl wird sicher nicht sinken, eher steigen. Wir prüfen ständig Standorte und Anzahl der Briefkästen mit dem Ziel, den Service zu erhöhen. Wichtig ist die Nähe zum Kunden.

SZ: Gleichzeitig bauen Sie parallel zu Ihrem eigenen Netz die Billigtochter First Mail auf. Warum?

Gerdes: Viele Unternehmen haben unter einem Dach auch eine preisaggressive Marke, um Geschäft zu machen. Dazu kommt: Bei öffentlichen Ausschreibungen von Aufträgen sind die Preise der Post transparent. Konkurrenten bleiben mit ihren Offerten lediglich ein paar Cent unter unseren und gewinnen den Auftrag. Kein Unternehmen würde hier tatenlos zusehen. Deshalb gilt für die First Mail: Wir testen nun, ob wir über unsere Tochter Aufträge im öffentlichen Bereich gewinnen, die wir sonst nicht gewinnen können.

SZ: Sie hätten dann eine Zweiklassengesellschaft bei den Beschäftigten: gut bezahlte bei der Post, weniger gut bezahlte Kollegen bei First Mail?

Gerdes: Grundsätzlich sind alle unsere Mitarbeiter gut bezahlt. Natürlich gibt es Lohnunterschiede, das ist nicht neu oder ungewöhnlich. Entscheidend ist doch ein sicherer Arbeitsplatz. Wir bieten den Auszubildenden bei First Mail eine Übernahmegarantie. Anders als beispielsweise Wettbewerber zahlt First Mail den gesetzlichen Mindestlohn, also 9,80 Euro pro Stunde. In unserem Land sollte jeder von seiner Arbeit leben können.

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  1. "Nicht noch mal 13 Jahre ohne Preiserhöhung"
  2. Sie lesen jetzt "Die Filialen in den Edeka-Märkten sind ein Erfolg"
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(SZ vom 21.01.2010/pak)