Die merkwürdige Korrespondenz zwischen zwischen Springer-Mann Mathias Döpfner und Pin-Vorstandschef Günter Thiel, die der Süddeutschen Zeitung vorliegt, zeigt den Seelenzustand der Akteure.
Geschäftsbriefe sind oft nüchtern und nichtssagend - aber manchmal, wenn es um was geht, können sie fast emotional ausfallen und verraten dann eine Menge über die Lage eines Unternehmens und die Befindlichkeiten der Oberen.
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PIN-Angestellte liefern in Berlin Briefe aus (© Foto: Reuters)
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Die Korrespondenz zwischen dem Chef des Briefdienstleisters Pin Group, Günter Thiel, und dem Vorstandsvorsitzenden des Springer-Konzerns, Mathias Döpfner, dessen Verlag Mehrheitsgesellschafter bei der Pin ist, zeigt den Seelenzustand der Akteure: Am Dienstag ließ Thiel dem Springer Mann "Persönlich/verschlossen" ein Übernahmeangebot zukommen.
"Wie aus den zahlreich geführten Gesprächen mit dem Vorstand der Springer AG und dem Verwaltungsrat der Pin sowie den öffentlichen Äußerungen aus dem Hause Springer deutlich wurde", sehe sich Springer "offensichtlich nicht mehr in der Lage, seine Beteiligung an der Pin- Group fortzusetzen. Eine Insolvenz, wie sie aus dem Hause Springer als mögliche Konsequenz verkündet wurde, hätte in vielerlei Hinsicht - darüber sind wir sicherlich einer Meinung - katastrophale Auswirkungen", stand da.
Mehr als zehntausend Arbeitsplätze stünden auf dem Spiel, die "Vernichtung eines werthaltigen Unternehmens" drohe. Aber auch für das Haus Springer gebe es ein "immenses rechtliches und wirtschaftliches Risiko". Zum einen würden die Minderheitsgesellschafter Ansprüche geltend machen; darüber hinaus drohe Springer ein teurer "langfristiger Imageverlust".
Um den Mehrheitsgesellschafter "von den drohenden Risiken zu befreien" erkläre er, Thiel, sich "persönlich bereit, alle von Springer an der Pin Group gehaltenen Gesellschafteranteile zu übernehmen. Auch das übrige Management der Firma trage diese Entscheidung "vollumfänglich mit. Er betrachte "einen symbolischen Kaufpreis" für angemessen und erwarte von Springer auch eine Ausgleichszahlung, schrieb Thiel.
Döpfner antwortete am Mittwoch ziemlich schroff und hielt sich nicht mit Vertraulichkeitsfloskeln auf, denn es seien ein paar "Klarstellung angebracht": Sein Haus habe "zu keiner Zeit mit der Insolvenz gedroht" und ein solches Szenario auch niemals "als erstrebenswert bezeichnet".
Im Gegenteil: Thiel sei es gewesen, der ein solches Szenario umrissen habe. Die "Entscheidung über die Stellung eines Insolvenzantrags obliegt nicht der Axel Springer AG, sondern liegt in der Kompetenz des Verwaltungsrats der Pin Group, dessen Mitglied Sie sind. In den Besprechungen des Verwaltungsrats haben Sie mehrfach mit der Stellung eines Insolvenzantrags für das Unternehmen gedroht, sollte Axel Springer AG keine weitere Finanzierung zur Verfügung stellen". Der Springer-Konzern habe seit März 2007 rund "75 Millionen Euro als Gesellschafterdarlehen zur Verfügung gestellt" und sei bereit, weitere 3,8 Millionen Euro zu zahlen.
Dass sich Thiel bereit erkläre, "persönlich in das Geschäftsmodell der Pin Group zu investieren" sei eine positive Entwicklung. "Der hierfür angemessene Weg" sei aber nicht die Übernahme, sondern "allein die Erhöhung des gezeichneten Gesellschaftskapitals".
Am Donnerstag antwortete Thiel, diesmal "Persönlich/vertraulich": Für den Fall, dass Springer sich aus dem Engagement zurückziehe oder keine weitere Finanzierung zur Verfügung stelle, wolle er ein Konzept zur Fortführung des Unternehmens vorstellen, "das die Axel Springer AG in jedem Fall besser stellen wird, als eine mögliche Nichtfortführung/Insolvenz". Bei der Ortswahl für ein Treffen sei er "flexibel".
Das Treffen begann dann am Freitag und es wird kräftig gehandelt. Wie aus dem Hause Springer zu erfahren ist, hat Thiel dem Verlagshaus, das möglicherweise nur noch einen 19-Prozent-Anteil behalten würde, einen sogenannten "Besserungsschein" angeboten. Solche Scheine werden ausgezahlt, wenn es dem Unternehmen wieder besser geht. Angeblich hat Springer bis zu 500 Millionen gefordert, was Thiel schroff abgelehnt haben soll. Über die Höhe, die Optionen und Bedingungen soll auch am Wochenende verhandelt werden.
(SZ vom 15.12.2007/aho)
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