Porsche kommt bei Volkswagen nicht wie geplant voran - und dann gibt es da auch noch ein hässliches Gerücht über den Chef Wendelin Wiedeking.
Ausgerechnet im fernen Shanghai machte das böse Gerücht vom Ende einer Musterkarriere die Runde. Auf der Automesse in China, hieß es plötzlich, Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, 56, stehe vor der Ablösung. Der Hüne, der normalerweise dort auftritt, wo die Scheinwerfer stehen, sei in Shanghai kaum sichtbar gewesen. Sogleich stellte der Aufsichtsratsvorsitzende Wolfgang Porsche noch an Ort und Stelle klar: "Das ist absoluter Quatsch". Porsche arbeite mit Wiedeking seit 18 Jahren gut zusammen. "Das soll so bleiben".
Porsche-Chef Wendelin Wiedeking wird sich auf der VW-Hauptversammlung in Hamburg unangenehme Fragen anhören müssen. (© Fotos: dpa, ddp, getty)
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Ziel in Gefahr
Das Gerücht hätte gepasst. Der Mann an der Porsche-Spitze steht unter erheblichem Erfolgsdruck. Der Chef des Sportwagenbauers muss sein großes Ziel, bald der Herrscher bei Volkswagen zu sein, verschieben, wenn nicht sogar begraben.
Am Donnerstag muss sich Wiedeking, auch VW-Aufsichtsrat, auf der Hauptversammlung von Volkswagen in Hamburg unangenehme Fragen gefallen lassen. Der Plan des Porsche-Chefs, den viel größeren Wolfsburger Konzern zu schlucken, ist ins Stocken gekommen.
Die Sache wird für Porsche teurer als geplant. Die Banken sind zunehmend reserviert bei der Finanzierung. Gleichzeitig schwindet beim Porsche-Chef die Hoffnung, dass das VW-Gesetz fällt. Wiedeking hatte auf das schnelle Aus für die gesetzlich geregelte Sperrminorität von Niedersachsen, das an VW 20 Prozent hält, gesetzt. Doch Gerichte und Politiker, die lange dieses Überbleibsel aus der Nachkriegsgeschichte abschaffen wollten, haben derzeit andere Sorgen. "Wir gehen selbst davon aus, dass das VW-Gesetz nicht so bald fällt", heißt es bei Porsche. Der Angreifer hängt in der Luft.
Ursprünglich wollte Wiedeking zügig mehr als 75 Prozent der VW-Anteile übernehmen. Damit hätte Porsche das Sagen in Wolfsburg und könnte einen Beherrschungsvertrag abschließen. Danach hätte Porsche in die Kasse von VW greifen können, denn dort schlummern acht Milliarden Euro. Mit den Reserven hätte Porsche einen Teil der Übernahmekosten bezahlen können. Auf diesen Segen kann Wiedeking noch lange warten.
Der Deal hat spektakuläre Dimensionen. Die kleine Firma Porsche, die mit etwa 10.000 Leuten 100.000 Autos im Jahr baut und an der Börse 4,2 Milliarden Euro wert ist, schluckt den Riesen Volkswagen. Der hat 360.000 Beschäftigte, baut sechs Millionen Autos im Jahr und ist an der Börse mit über 70 Milliarden Euro bewertet. Einer der Tricks ist, dass Porsche an dem pfiffigen Geschäft mit Aktienoptionen auch noch verdient.
Mehr Gewinn als Umsatz
Im vergangenen Jahr war der Gewinn von Porsche größer als der Umsatz. Das gibt es normalerweise nicht. Der Coup der Zuffenhausener sorgte zudem dafür, dass der Aktienkurs von VW, der vor sechs Jahren noch bei 30 Euro lag, im vergangenen Jahr kurzfristig die 1000-Euro-Marke durchbrach. Jetzt liegt er bei 230 Euro. Spekulation pur.
Doch nach dreieinhalb Jahren der Annäherung behauptet mancher, die Attacke auf VW sei ebenso gescheitert wie die Übernahme des Autozulieferers Continental durch das Familienunternehmen Schaeffler. Auch Schaeffler hat sich nach Porsche-Muster geräuschlos an das hannoversche Unternehmen herangemacht. Als die Finanzkrise Geschäfte und Aktienkurse zurückgehen ließ, geriet die Finanzierung ins Wanken. "Die Fälle sind nicht vergleichbar", sagt ein Porsche-Sprecher: "Wir sind noch Herr unseres Handelns."
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Linke-Vize-Chefin Wawzyniak