Porsche und VW Ruhe nach dem Sturm

Gezofft, geschmollt - und wieder versöhnt: Die Fusionspartner Porsche und Volkswagen beenden ihren verbalen Schlagabtausch und demonstrieren neue Glückseligkeit.

Nach dem auch öffentlich mit harten Bandagen ausgetragenen Streit zwischen Topmanagern von Porsche und Volkswagen demonstrieren die Firmen nun Einigkeit. Das Ziel der Schaffung eines integrierten Automobilkonzerns werde weiter verfolgt, bestätigten VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch und sein Porsche-Amtskollege Wolfgang Porsche. Die nötigen Arbeiten dazu würden "konstruktiv und einvernehmlich mit allen Beteiligten" voran getrieben.

Der Konzern bin ich

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Ein Porsche-Sprecher ergänzte, die Vorstände beider Unternehmen würden nun in Kürze die Modalitäten weiterer Verhandlungen festlegen.

Die VW-Arbeitnehmervertretung lehnt Verhandlungen allerdings vorerst ab. "Den Weg eines integrierten Automobilkonzerns kann man ja verfolgen. Aber nur wenn es in den Gesprächen Transparenz gibt und die Familie deutlich sagt, was sie will und was sie nicht will", sagte VW-Konzernbetriebsratsvorsitzender Bernd Osterloh. "Vorher wird es mit den Arbeitnehmervertretern von Volkswagen keine Gespräche geben", machte er deutlich.

Fusion verabredet

Die Porsche-Eigner, die Familien Porsche und Piëch, hatten am 6. Mai Gespräche mit Volkswagen, den Arbeitnehmern und dem Land Niedersachsen verabredet, um durch einen Zusammenschluss mit VW die Finanzlücken bei dem Sportwagenhersteller zu schließen. Die Gespräche waren am vergangenen Wochenende von Volkswagen abgesagt worden. Piëch wirft der Porsche-Führung vor, nicht ausreichend über die Finanzlage zu informieren.

Piëch hatte vergangene Woche auf Sardinien den Druck auf das Porsche-Management erhöht, um seine Vorstellungen von der künftigen Struktur des neuen Autogiganten durchzusetzen. Der Enkel des Käfer-Konstrukteurs Ferdinand Porsche und frühere VW-Chef Piëch will Porsche als zehnte Marke in den Volkswagen-Konzern eingliedern.

Unterdessen treibt der nach der Übernahme von 51 Prozent an Volkswagen mit neun Milliarden Euro in der Kreide stehende Sportwagenbauer die Suche nach einem externen Geldgeber voran. "Wir führen vielversprechende Gespräche mit einem möglichen Investor", sagte ein Sprecher in Stuttgart. Den Namen des potentiellen Geldgebers wollte Porsche aber nicht verraten.

Die Nachrichtenagentur Reuters erfuhr aus Kreisen, die Gespräche erstreckten sich auf Interessenten im Nahen Osten. In den vergangenen Wochen war wiederholt über die finanzstarken Emirate Abu Dhabi und Katar spekuliert worden. An der Börse wurde am Dienstag auch Kuwait genannt; das Emirat ist bereits bei Daimler beteiligt.

Einfach den Spieß umdrehen

Mit einem Investor würde Porsche den Spieß umdrehen. Ein Geldgeber könnte sich im Zuge einer Kapitalerhöhung direkt an Porsche beteiligen. Dadurch würde sich der Einfluss der Familien Porsche und Piëch, die derzeit alle stimmberechtigten Stammaktien halten, verringern. Piëch müsste Macht abgeben.

Denkbar ist auch, dass Porsche VW-Aktien oder -Optionen verkauft. Auch eine Kapitalerhöhung um bis zu fünf Milliarden Euro wird für möglich gehalten. Experten gehen davon aus, dass Geldgeber abwarten werden, bis der Machtkampf mit Volkswagen beendet ist.

Das Land Niedersachsen als zweitgrößter VW-Aktionär zeigte sich erneut offen für die Beteiligung eines Investors an dem geplanten Autoriesen. "Am Ende des Tages könnte es so aussehen: Porsche hält 50 Prozent, Niedersachsen 20 Prozent und im Streubesitz liegen 30 Prozent", sagte der Sprecher der Staatskanzlei in Hannover, Olaf Glaeseker.

Niedersachsen hat dank des VW-Gesetzes ein Vetorecht bei dem Wolfsburger Autokonzern und will seinen Einfluss auch in dem neuen Konzern behalten. Regierungschef Christian Wulff (CDU) sieht die Dominanz von Porsche bei VW gescheitert. "Es ist traurig, dass es einigen an Mumm fehlt, es allen Beteiligten - auch dem Betriebsrat und der Belegschaft - zu sagen", sagte Wulff auf einer CDU-Wahlkampfveranstaltung in Wolfsburg.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger will alles rechtlich und wirtschaftlich mögliche tun, um Porsche zu unterstützen. "Wir prüfen derzeit mit Porsche, wie die stabile Entwicklung der nächsten Monate, der nächsten ein, zwei Jahre erreicht werden kann", sagte der CDU-Politiker im Anschluss an eine gemeinsame Sitzung seines Kabinetts mit der nordrhein-westfälischen Landesregierung in Düsseldorf.

Medienberichten zufolge will Baden-Württemberg Porsche mit Bürgschaften helfen, Kreditlinien bei den Banken abzusichern.

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