Die Schlacht zwischen Porsche und VW zeigt skurrile Züge: Porsche hat in der Babyfon-Affäre auf eigene Faust ermittelt - und einen Verdächtigen entdeckt. Da dieser jedoch schweigt, wird er nun wohl Besuch von der Polizei bekommen.
Den Beamten des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) ist nichts Technisches fremd, aber über einen Lauschangriff mit Hilfe eines Babyfons haben sie noch nie gegrübelt: "Wir haben dazu nichts, eine zu primitive Technik", sagt eine Sprecherin. Fehlanzeige auch beim Bundeskriminalamt und bei diversen Landeskriminalämtern. Den in diesen Tagen umlaufenden Verdacht, Porsche-Chef Wendelin Wiedeking sollte ausgerechnet mit einem technisch so unterentwickelten Gerät abgehört werden, finden Spezialisten der Behörden eher skurril.
Bild vergrößern
Skeptischer Porsche-Chef: Wendelin Wiedeking soll in einem Wolfsburger Hotel mit einem Babyfon bespitzelt worden sein. (© Foto: ddp)
Anzeige
Die Braunschweiger Staatsanwaltschaft, die am Donnerstag voriger Woche eine entsprechende Anzeige des Autobauers Porsche erhielt, müht sich um Ernsthaftigkeit: "Das wirkt nicht gerade wie ein großer Lauschangriff", sagt Oberstaatsanwalt Klaus Ziehe. Gemeinsam mit dem Landeskriminalamt zu Hannover werde seine Behörde aber "den Fall ernsthaft prüfen".
Das Babyfon ist verschwunden
Der Fall steckt voller Merkwürdigkeiten: Das Babyfon, das Mitarbeiter einer von Porsche beauftragten Sicherheitsfirma am frühen Nachmittag des 15. November kurz vor dem Eintreffen Wiedekings in dessen Suite im Wolfsburger Luxushotel Ritz-Carlton entdeckt hatten, ist nicht mehr auffindbar. Das Gerät sei "am Fundort belassen worden", schreibt Porsche in der Strafanzeige.
Folglich kann das Babyfon jetzt auch nicht auf Spuren untersucht werden. Die Sicherheitsleute von Porsche haben lediglich Fotos des Babyfons gemacht und Recherchen angestellt, ob das Gerät in Wolfsburg zu kaufen war. Die Antwort ist wenig überraschend: Ja, denn es ist ein handelsübliches Produkt.
Andererseits: Dass ein primitives Babyfon eingesetzt worden sein könnte, um den Top-Manager zu belauschen, ist aus Porsche-Sicht so absurd nicht. Im Gegenteil. Gerade die Einfachheit macht Sinn.
Es gehört, wie Sicherheitsfachleute wissen, zum Ritual, dass vor dem Eintreffen Wiedekings die Räume nach Wanzen und Abhörgeräten mit der neuesten Technik gefilzt werden. So war das auch am 15. November und die Techniker hatten keine Wanze gefunden.
Eher zufällig stieß einer von ihnen allerdings auf das eingeschaltete Babyfon, das hinter einem Sofa steckte. Die technischen Prüfgeräte hatten das Babyfon nicht gemeldet. Wiedeking, der gegen 14.30 Uhr eintraf, wurde gleich über den Fund informiert. Die Sicherheitsleute setzten eine fingierte Nachricht ab, um zu schauen, ob sich jemand rühre. Nichts passierte.
Lesen Sie im zweiten Teil, warum ein potenziell Verdächtiger lieber nicht reden möchte - und wieso Porsche-Chef Wiedeking in Wolfsburg kürzlich unsanft geweckt wurde.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
- Babyphon-Affäre Tiefer Argwohn 27.04.2008
- Porsche bei VW Das vergessene Babyphon 28.04.2008
- Streit um das VW-Gesetz Wulff und Wiedeking schalten auf stur 24.04.2008
- Volkswagen-Hauptversammlung VW-Betriebsrat greift Wiedeking an 24.04.2008
- Beteiligung wird aufgestockt Porsche will Mehrheit an Volkswagen übernehmen 03.03.2008
Harte Kritik des Bayern-Präsidenten
Wenn der Wiedeking tatsächlich einen 18-Stunden-Arbeitstag hat, dürfte er kaum später als 6 aufstehen. Es sei denn, morgentliche Körperpflege und Kalorieaufnahme und das nächtliche Nickerchen werden auch vom Arbeitgeber entlohnt.
Ganz abgesehen davon, dass jeder ordentliche deutsche Arbeitnehmer um 6.45 Uhr schon klotzen sollte.