Interview: D. Deckstein u. M. Kuntz

Porsche-Chef Wendelin Wiedeking über Befindlichkeiten bei der Volkswagen-Übernahme, die Finanzkrise - und sein Privatvermögen.

Wendelin Wiedeking, 56, sitzt in einem Konferenzraum in Stuttgart. Der Vorstandsvorsitzende von Porsche hat gerade eingestanden, dass sich die Übernahme der Mehrheit an Volkswagen nicht mehr 2008 verwirklichen lassen wird - anders als geplant. Das gibt dem forschen Manager Zeit, etwas von dem Porzellan zu kitten, das er in Wolfsburg zerschlagen hat. Wie wäre es damit, zwischendurch bei Daimler einzusteigen? Die Aufgabe in Wolfsburg reicht uns, stöhnt Wiedeking.

Porsche-Chef Wendelin Wiedeking: "Die Aufgabe in Wolfsburg reicht uns." (© Foto: Reuters)

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SZ: Herr Wiedeking, Porsche hat einen Gewinn von 6,3 Milliarden Euro nach Steuern eingefahren. Was fangen Sie damit an?

Wendelin Wiedeking: Zunächst einmal schütten wir die höchste Dividende in der Unternehmensgeschichte an unsere Aktionäre aus - insgesamt 472 Millionen Euro nach 384 Millionen im Vorjahr. Auch die Mitarbeiter profitieren: Jeder bekommt 6000 Euro obendrauf zum Gehalt, der Werker ebenso wie die Küchenfrau. Außerdem werden wir natürlich weiter VW-Anteile erwerben. Der Großteil des hohen Gewinns, der vor allem durch Kurssicherungsgeschäfte angefallen ist, dient genau dazu.

SZ: Für sechs Milliarden Euro könnten Sie heute schon die Sperrminorität bei Ihrem Untertürkheimer Nachbarn Daimler erwerben, der mit seinen mehr als 90 Prozent der Aktien im freien Handel dringend Großinvestoren sucht.

Wiedeking: Also die eine Aufgabe in Wolfsburg reicht uns. Natürlich sehen die Kollegen in Untertürkheim, dass ihre Situation ohne Großaktionär nicht ganz einfach ist. In Wolfsburg wird jedenfalls das Bewusstsein weiter wachsen, dass Porsche ein verlässlicher Investor ist und eine sichere Police für die Kolleginnen und Kollegen des Volkswagen-Konzerns. Wir haben ja immer gesagt, dass wir VW nicht in den Händen hungriger Heuschrecken sehen möchten.

SZ: Das mag ja sein, aber mit dem Vertrauen der VW-Mitarbeiter in den neuen Großinvestor ist es nicht weit her. Wollen Sie als vertrauensbildende Maßnahme nicht alsbald vorschlagen, VW-Chef Martin Winterkorn in den Vorstand der Porsche Holding SE zu befördern?

Wiedeking: Über die Art der Zusammenarbeit werden wir erst sprechen können, wenn wir die Aktienmehrheit von 50 Prozent erreicht haben. Ich bin überzeugt, dass wir dann gemeinsam mit dem Volkswagen-Management die weiteren Strategien entwickeln.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum Wiedekings Verhältnis zu den VW-Arbeitnehmervertretern nicht zerrüttet ist.

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