Ein Kommentar von Marc Beise

Der schwäbische Autohersteller Porsche hat sich in der Finanzwelt fürchterlich verfahren. Die Folgen sind ernst.

Wie gebannt starrten am Freitag viele Aktionäre und Beobachter auf die Börsenkurse von Porsche und VW. Es war "Hexensabbat", also einer jener vier Freitage im Jahr, an denen an Terminbörsen die Optionsgeschäfte verfallen, bei denen ein Wertpapier oder ein anderes Produkt zu einem bestimmten Zeitpunkt zu einem vorher vereinbarten Preis gekauft oder verkauft wird.

Porsche, AP

Porsche ist kein normales Unternehmen (mehr). (© Foto: AP)

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Und Porsche hat Milliarden Euro in Optionsgeschäften stecken. Lange war unklar, inwieweit das Verfallsdatum für diese riskanten Geschäfte für die glorreichen Wertpapierakrobaten aus Zuffenhausen relevant sein würde, manche Experten unkten von einer bevorstehenden Zahlungsunfähigkeit.

Verstrickt sich in Scharmützel

Am Ende ging der Tag ohne größere Blessuren zu Ende, dafür kam die Nachricht auf den Markt, dass die Förderbank KfW staatliche Garantien verweigert. Übrigens zu Recht - schließlich sind die Probleme des Unternehmens hausgemacht.

Angesichts der diversen Finanzierungsprobleme wird kaum beachtet, dass Porsche, wenn es gerade nicht an der Börse spekuliert, auch noch hochwertige Autos baut, von denen sich aber in der aktuellen Wirtschaftskrise immer weniger verkaufen lassen.

In einer normalen Firma würde man sich jetzt Gedanken machen, wie man Kunden (zurück-)gewinnt und die Wirtschafts- und Autokrise meistert - aber Porsche ist kein normales Unternehmen (mehr). An diesem Fall kann man beinahe lehrbuchhaft zeigen, wie eine gute Unternehmensführung (Corporate Governance) gerade nicht funktioniert.

Der Vorstandsvorsitzende Wendelin Wiedeking muss seinen trickreichen Finanzchef stützen, kämpft mit dem Zocker-Image in der Öffentlichkeit, buhlt um staatliche Bürgschaften - und verstrickt sich in Scharmützel mit den Eigentümern des Unternehmens. Eigentlich sollten Vorstandschefs ihre Zeit anders nutzen. Aber auch Halbeigentümer und Volkswagen-Gründer-Enkel Ferdinand Piëch spielt eine dubiose Rolle.

Zurecht kritisiert er das Management für waghalsige Geschäfte, die nicht einmal er als Eigentümer und Aufsichtsrat noch durchschaut. Dennoch ist Piëch unglaubwürdig - weil er sein spezielles Spiel betreibt.

Er will Porsche unter das Dach von VW zwingen - ein Konzern, bei dem er wiederum Aufsichtsratschef ist. Das ist eine unerträgliche Interessenkollision. Beide zusammen, der Zocker Wiedeking und der Egomane Piëch sind gerade dabei, den stolzen Ruf des Sportwagenbauers zu ruinieren.

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(SZ vom 20.06.2009/hgn)