Ein Gastbeitrag von Michael Hüther

Nicht nur die Wirtschaft hat versagt, auch die Politik muss Verantwortung für die Finanzkrise übernehmen. Jetzt ist von jedem Glaubwürdigkeit gefordert.

Professor Michael Hüther ist Wirtschaftsforscher und Direktor des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW).

Hand, Bundestag, dpa

Politik und Wirtschaft müssen die Verantwortung für die Finanzkrise übernehmen, sagt IW-Direktor Michael Hüther. (© Foto: dpa)

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Die Krise hat viele Facetten. Während die Vertreter der Finanzwirtschaft ihre Wort- und Erklärungsgewalt verloren haben und weitgehend verstummt sind, reden Politiker wie nach einem Erweckungserlebnis. Banker, Unternehmer und erst recht Ökonomen werden bei jeder sich bietenden Gelegenheit als Brandstifter beschimpft. Schärfer hat es nur die Schweizer getroffen, die sich als marodierender Indianerstamm wiederfanden. Vor kurzem war von Finanzminister Steinbrück gar die kryptische Formulierung zu hören: "Ich kann die Eliten nur warnen".

Damit offenbart sich eine Gemütslage, die bei vielen Politikern zu finden ist. Auch wenn man manches daran verstehen kann, akzeptieren kann man es nicht. Es löst keine Probleme, es vertieft Gräben und es verbaut den Weg zu unverkrampften Diskussionen.

Es hilft nichts, wir müssen uns der Mühe unterziehen, die ordnungspolitisch zu begründenden Aufgaben des Staates zu ermitteln. Nur dann lässt sich das öffentliche wie das private Versagen identifizieren und der jeweilige Handlungsauftrag in sowie nach der Krise ermitteln. Dass auf Seiten der Politik darüber kaum systematisch Gedanken angestellt werden, demontiert schon im Grundsatz die These, dass der Staat nun zu allem und jedem berufen sei.

Prinzip der freiheitlichen Ordnung

Freilich wird es nicht helfen, eine verbale Abrüstungskampagne seitens der Politik einzuläuten. Das Problem liegt in der dahinterstehenden Einstellung: Allein die Wirtschaft habe versagt und die Krise verursacht, die Politik sei daran ohne jede Verantwortung und müsse dennoch die Probleme lösen. So einfach kann die Welt sein! Ist die Welt so einfach?

Was also ist des Staates? Wenn wir die Perspektive der freiheitlichen Ordnung zugrunde legen, in der die Bürger freiheitsberechtigt, der Staat aber zur Freiheitsgewährung verpflichtet ist, dann sind es drei Handlungsfelder. Erstens und vor allem hat der Staat zu regeln und zu sanktionieren. Die Sicherung des Privateigentums und der Vertragsfreiheit, die Durchsetzung der Haftung sind dafür besonders bedeutsam.

Es macht in der Freiheitsgesellschaft - anders als Minister Steinbrück meint - einen fundamentalen Unterschied, ob der Staat enteignet oder der Markt einen totalen Vermögensverlust herbeiführt. Im ersten Fall greift der Staat in ein Grundrecht ein, im zweiten Fall kommt ein verstecktes Marktrisiko zum Tragen, das keinesfalls die staatliche Enteignung legitimiert.

Im zweiten Teil: Die Versäumnisse des Staates - und was jetzt zu tun ist.

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