Playboy im Steuerparadies Eine Schweizer Großkanzlei half Gunter Sachs beim Gründen der Firmen

Noch bevor Privatsekretär Hanswerner Schwenk 1993 seine Reise in die Südsee antrat, waren die meisten Formalitäten bereits geregelt. Schon am 15. September 1993 hatte ein Anwalt der Zürcher Großkanzlei Lenz & Staehelin jene "Triton Limited" per Fax angemeldet. Wenig später war das "Company Kit", eine Art Gründungs-Set für Briefkastenfirmen, auf dem Weg nach Zürich. Der Preis: 2700 Dollar.

Lenz & Staehelin betreute die Sachsschen Offshore-Firmen auch in den nächsten zwei Jahrzehnten. Das bezeugen zahlreiche Faxe, Briefe und Mails, die zwischen den Anwälten und der International Trust Corporation Limited, die später Portcullis Trustnet hieß, hin und her gingen.

Das Südsee-Konstrukt sah so aus: Zwei Briefkastenfirmen, neben der Triton Limited noch eine weitere Firma namens Tantris Limited, verwalteten als Trustees fünf Trusts, die von 1994 bis 2007 gegründet wurden: den Moon Crystal Trust, den Espan Water Trust, den Sequoia Trust, den Triton Trust und den Parkland Oak Trust.

Diese fünf Trusts waren die undurchsichtigen Gefäße, in die Sachs Teile seines Vermögens gepackt hat. Laut der Gründungsurkunde des Parkland Oak Trusts vom 18. Mai 1994 waren seine drei Söhne Rolf, Christian Gunnar und Claus Alexander Sachs die Begünstigten, wie auch in drei weiteren Trusts.

Aber auch Gunter Sachs selbst hatte zumindest auf das Vermögen von zwei Trusts nachweislich noch Zugriff. Und damit auch die Pflicht, es zu deklarieren. "Vermögenswerte in solchen Trusts sind dem Gründer zuzurechnen. Sie müssen deswegen nach Schweizer Recht gemeldet werden, wie überhaupt das weltweite Einkommen, Vermögen und auch Firmenbeteiligungen,", sagt Andreas Kolb, ein Steuerrechts-Anwalt, der selbst auf vermögende Privatkunden spezialisiert ist.

Aber weder in Gunter Sachs' letzten Steuererklärungen, noch im offiziellen Erbschaftsinventar - in diese Dokumente hatte die Süddeutsche Zeitung Einsicht - wurden die fünf auf Rarotonga angemeldeten Trusts angegeben. Das Erbschaftsinventar wurde von zwei Nachlassverwaltern angefertigt und am 6. Juli 2012 unterschrieben. Einer von ihnen ist ausgerechnet jener Lenz & Staehelin-Mann, der 1993 per Fax die erste Firma in der Südsee gegründet hatte und anschließend Direktor und Trustee der Sachs-Firmen wurde. Zudem kümmerte sich die Kanzlei über die Jahre auch um die Bezahlung der jährlichen Gebühren an Portcullis Trustnet, rund 2000 Dollar pro Trust.

Die beiden Nachlassverwalter des Verstorbenen - der Lenz & Staehelin-Anwalt sowie ein Münchner Jurist - erklären auf Anfrage, sie hätten die Trusts rechtmäßig "transparent behandelt": Also zwar nicht die Trusts selbst, wohl aber das darin enthaltene Vermögen deklariert.

Bei der Steuerverwaltung des Kantons Bern, wo Sachs zuletzt seinen Wohnsitz hatte, schätzt man die Rechtslage anders ein. Eine Sprecherin meint, es genüge eben gerade nicht, wenn bei solchen Trusts "lediglich die vom Trust gehaltenen Vermögenswerte deklariert werden", es müssten vielmehr "Belege, Urkunden oder Bescheinigungen Dritter" eingereicht werden, um die Existenz des Trusts nachzuweisen.

Andernfalls wäre auch in keiner Weise nachprüfbar, was in einem Trust liegt.

Gunter Sachs legte bei der Verwaltung seiner Südsee-Firmen extremen Wert auf Geheimhaltung. Über Jahre hinweg stand sein Name nicht in den Kundendateien von Portcullis - eine höchst seltene Ausnahmeregelung. In den elektronischen Akten dreier seiner Trusts wird im April 1999 von einem Mitarbeiter festgehalten: "Keine Informationen zum Gründer, offensichtlich sehr geheim. Keine Info zu Bank-Daten. Keine Willenserklärung des Stifters."

Gunter Sachs sicherte sich in einer absolut vertraulichen Umgebung doppelt ab, gegen die sonstigen Gepflogenheiten. Er war also geheim im Geheimen, anonym in der Anonymität.

Nun existieren Dokumente, die genau belegen, welches Vermögen in die Trusts eingelegt wurde. Die Nachlassverwalter kamen der Bitte der SZ, diese Dokumente einsehen zu können, jedoch nicht nach. So bleibt die Frage, ob und welche Werte aus den Trusts den Steuerbehörden gemeldet wurden, im Ungewissen.