Viele AOK-Patienten müssen sich auf neue Medikamente einstellen: Die Krankenkasse will Ärzten künftig satte Prämien zahlen - wenn sie dafür Billig-Arzneien verschreiben. Patientenvertreter warnen vor Korruption.
Millionen von AOK-Versicherten müssen sich darauf einstellen, aus Kostengründen bald nur noch preisgünstige Arzneien ganz bestimmter Hersteller verschrieben zu bekommen.
Medikamente in der Apotheker: 30 Prozent der Ersparnis will die AOK den Ärzten überlassen. (© Foto: AP)
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Hintergrund sind der neue AOK-Rabattvertrag und Neuregelungen der Gesundheitsreform ab 1. April.
Ab diesem Tag wollen die AOKen zugleich neue Tarife anbieten, mit denen Mitglieder bis zu 600 Euro im Jahr sparen können. Auch die DAK startet dann mit einem Rückerstattungs-Tarif.
Die Allgemeinen Ortskrankenkassen hatten Anfang Februar bekannt gegeben, dass sie für 43 Wirkstoffe Rabattverträge mit Pharmaherstellern abgeschlossen haben. Davon erhoffen sie sich einen zweistelligen Millionenbetrag an Einsparungen.
Chronisch Kranke müssen sich womöglich umstellen
Ziel ist es, dass Ärzte AOK-Versicherten möglichst nur noch die rabattierten Mittel verschreiben. Für chronisch Kranke könnte dies eine Umstellung von einem vertrauten auf ein neues Mittel bedeuten.
Betroffen sind Wirkstoffe, die von mehreren Herstellern auf dem Markt sind. Wie der Spiegel am Samstag berichtete, sollen von dem unter Führung der AOK Baden-Württemberg ausgehandelten Rabattvertrag auch die Ärzte profitieren.
30 Prozent der Ersparnisse wolle die AOK an die Ärzte überweisen, den Rest behalte sie selbst. Patienten sparen die gesetzliche Zuzahlung von fünf bis zehn Euro.
"Verleitung zur Korruption"
Der Allgemeine Patientenverband kritisiere die Ärzte-Vergütungen. "Solche Kick-back-Geschäfte sind eine Verleitung zur Korruption", sagte Verbandschef Christian Zimmermann dem Magazin. "Das Geld sollte an die Patienten gehen."
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Die Realität ist schon heute so: gibt man dem Patienten ein Kassenrezept mit generischen Wirkstoffen, erlaubt aut idem oder schließt es auch aus. Der Effekt ist der gleiche: fast immer erhält der Patient in der Apotheke ein substanzgleiches Präparat von einem anderen Hersteller als auf dem Rezept steht. Also schreibe ich immer nur noch den Wirkstoff auf und lasse dem Patienten und dem Apotheker die Auswahl. Seit Anfang der Jahres 2006 mache ich das so mit absoluter Konsequenz, bislang gab es keinerlei Probleme mit den Patienten was Compliance, Wirksamkeit oder Verträglichkeit angeht. Mit Rabattverträgen und den Auswirkungen auf die Abgabe in den Apotheken habe ich keine Erfahrung, diese Verträge kommen ja auch erst in anderen Bundesländern außer BW. Auf jeden Fall werde ich mein Verordnungsverhalten nicht mehr ändern und bin so auch nicht dem Verdacht der Vorteilsnahme und Bestechlichkeit ausgesetzt.
Wenn wir ärzte von der Herstellerfirma eine Rückzahlung oder einen geldwerten Vorteil erhalten ist das Korruption.
Wenn wir von der Kassenärztlichen Vereinigung entsprechend der schon in Kraft getretenen Bonus-Malus-Regelung für unsere Medikamentenverschreibung belohnt oder bestraft werden ist das legal.
Wenn uns die Krankenkasse für "Billigmedizin" belohnt ist das jetzt auch legal.
Im Endeffekt trägt der Patient die Folgen. Ich glaube die einzige Lösung ist die Direktabrechnung bzw. Kostenerstattung: Der Arzt rezeptiert den Wirkstoff, empfiehlt eventuell ein bestimmtes Präparat und der Patient kann sich aussuchen, ob er dem Wunsch der Kasse entspricht und zuzahlungsfrei das billigste Mittel nimmt oder (aus Gründen die nicht unbedingt die "solidarische" Zwangsgemeinschaft der Kassenmitglieder mittragen muß) das Teurere und zuzahlt oder sich anders versichert.
gleiche, so entnehme ich es dem Rest des Artikels.
Auch wenn der Wirkstoff der gleiche ist wie beim Original-Präparat - ein Medikament besteht aus Wirkstoff und Hilfsstoffen. Die Hilfsstoffe haben zum Beispiel Einfluss auf die Bioverfügbarkeit, wobei ein Generikum mindestens 80 % und nicht mehr als 125% der Bioverfügbarkeit des Originalpräparats haben muss. Das kann aber im Einzelfall schon Auswirkungen haben, die insbesondere bei lebensbedrohlichen chronischen Erkrankungen gefährlich sein können.
Ich lese: "Für chronisch Kranke könnte dies eine Umstellung von einem vertrauten auf ein neues Mittel bedeuten."
Hier ist jemand scheinbar auf die schlechten Argumente von grossen Pharmaherstellern reingefallen. Von einer blauen Pille X auf eine rosa Generika-Pille Y umsteigen wird wohl nicht so schwer sein. Der Wirkstoff bleibt doch der gleiche, so entnehme ich es dem Rest des Artikels.