Von Guido Bohsem

Die SPD will den Eingangssteuersatz weiter senken. Wie die Süddeutsche Zeitung erfuhr, liegt die "Zielmarke bei zwölf Prozent".

Der Streit über eine Reform der Einkommensteuer wird voraussichtlich zum zentralen Thema der diesjährigen Bundestagswahl werden. Nach Worten des stellvertretenden SPD-Vorsitzenden Peer Steinbrück wollen auch die Sozialdemokraten mit einem eigenen Reformmodell in die Auseinandersetzung ziehen. Es sei geplant, die Bezieher unterer Einkommen zu entlasten und das System einfacher zu gestalten.

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Peer Steinbrück und die SPD wollen mit einem eigenen Steuerreformmodell in die Bundestagswahl ziehen. (© Foto: dpa)

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Der Kern des sozialdemokratischen Konzepts soll eine weitere Senkung des Eingangssteuersatzes sein, erfuhr die Süddeutsche Zeitung aus Kreisen der SPD. "Die Zielmarke liegt bei zwölf Prozent", heißt es. Das wären drei Punkte unter dem derzeitigen Satz von 15 Prozent. Bei einem auf 8004 Euro gestiegenen Grundfreibetrag würden Arbeitnehmer mit einem Durchschnittseinkommen von 35.000 Euro im Jahr etwa 137 Euro weniger an den Fiskus zahlen als bislang.

Bund, Länder und Gemeinden müssten im Vergleich zur aktuellen Gesetzeslage mit etwa 4,69 Milliarden Euro pro Jahr weniger auskommen. Das ergeben Berechnungen aus dem Finanzministerium. Der Bund hätte mit 2,126 Milliarden Euro das Gros der Entlastung zu tragen.

Die Höhe der Entlastung wird allerdings begrenzt durch die vom Kabinett bereits beschlossenen Steuerschritte im Rahmen des zweiten Konjunkturpaketes. Im Sommer soll der Eingangssteuersatz um einen Punkt auf 14 Prozent sinken. Der Grundfreibetrag steigt nach dem Plan gleichzeitig um 170 auf 7834 Euro und 2010 weiter auf 8004 Euro.

In der Bild am Sonntag betonte Steinbrück, die SPD-Pläne sollten bezahlbar sein und "somit beinhalten, dass die starken Schultern mehr tragen müssen". Nach Angaben aus Parteikreisen geht es dabei vor allen um eine Verschärfung der sogenannten Reichensteuer. In der Debatte sei, diese von 45 auf dann 47,5 Prozent anzuheben. Die Grenze, von der an die Steuer greift, solle für Ledige von 250000 auf 125000 Euro sinken. Für Verheiratete wäre sie doppelt so hoch.

Verzicht auf Dividenden

Dieser Ansatz würde dem Vorschlag entsprechen, den SPD-Kanzlerkandidat Franz-Walter Steinmeier in der Debatte um das Konjunkturpaket gemacht hatte. Die Ankündigung stieß prompt auf Kritik von Union und Liberalen. CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla sprach von einem Steuererhöhungskonzept.

Der FDP-Finanzpolitiker Hermann Otto Solms warf Steinbrück vor, unter dem Deckmantel der Entlastung tatsächlich umfangreiche Steuererhöhungen durchsetzen zu wollen. So stehen nach Angaben aus der SPD lediglich Eckpunkte des Steuerkonzeptes. Steinbrück und andere Finanzpolitiker der Partei sollen diese bis Mitte April ausgearbeitet haben. Die Vorschläge gehen dann in das Regierungsprogramm der Sozialdemokraten ein, das auf dem Parteitag am 14. Juni beschlossen werden soll.

Steinbrück forderte zudem von den Chefs der 30 größten börsennotierten Konzerne in Deutschland einen Beitrag zur Sicherung der Arbeitsplätze. "Sie sollten - wenn sie 2009 überhaupt Gewinne machen - diese nicht als Dividenden ausschütten, sondern in erster Linie nutzen, ihre Unternehmen zu stabilisieren." Es gehe nicht in erster Linie darum, Aktionäre zu befriedigen.

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(SZ vom 09.02.2009)