Hiobsbotschaft für Arbeitnehmer: 55.000 Telekom-Mitarbeiter werden in einer neuen Service-Gesellschaft angestellt. Dort sollen sie weniger verdienen und bis zu sechs Stunden pro Woche länger arbeiten.
Dies werde Telekom-Chef René Obermann an diesem Mittwoch dem Aufsichtsrat vorschlagen, hieß es im Konzern.
Keine rosigen Zeiten: Die Telekom will massiv auslagern. (© Foto: dpa)
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Obermann will die Beschäftigten in einen neuen Bereich mit der Bezeichnung T-Service ausgliedern, der sich um den Kundendienst und die Callcenter kümmert.
Die Telekom will in der Billig-Tochter vor allem Mitarbeiter der bisherigen Festnetzsparte T-Com unterbringen. Die Mitarbeiter sollen nicht nur wie derzeit 34,5 Stunden in der Woche arbeiten, sondern 40 oder 40,5 Stunden. Ihr Stundenlohn soll deutlich unter dem bisherigen Niveau liegen.
Weil die Mitarbeiter von T-Service mehr arbeiten sollen als zur Zeit, wird ihr monatliches Einkommen unter dem Strich in etwa konstant bleiben, hieß es in Unternehmenskreisen.
Neue Billigtochter
Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi lehnt diese Einschnitte ab und hat massive Proteste angekündigt. Verdi-Vertreter drohten dem neuen Telekom-Chef bereits in den vorigen Wochen damit, dass sie die Mitarbeiter notfalls zum Streik aufrufen. Die Haupteigentümer des Unternehmens, der Bund und der amerikanische Finanzinvestor Blackstone, stehen dem Vernehmen nach hingegen hinter den Plänen des Telekom-Chefs.
Insgesamt will Obermann nach Angaben aus dem Unternehmen bis zu 55.000 Beschäftigte in der neuen Gesellschaft namens T-Service unterbringen. "Es werden in jedem Fall deutlich mehr als 50.000 Mitarbeiter sein", sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person der Süddeutschen Zeitung.
Die genaue Zahl der Betroffenen werde sich in den Verhandlungen mit den Gewerkschaften ergeben. Angestrebt wird bei der Telekom, dass am Ende etwa 55.000 Service-Mitarbeiter in der neuen Tochterfirma unterkommen.
Die Beschäftigten in der neuen Billig-Tochter sollen ihren Job für fünf Jahre garantiert bekommen. T-Service soll zu hundert Prozent der Telekom gehören; ein Verkauf der Gesellschaft ist vorerst nicht geplant.
Obermann will damit deutlich mehr Mitarbeiter ausgliedern als sein Vorgänger Kai-Uwe Ricke - aber weniger, als die Gewerkschaften zuletzt befürchtet hatten. Ricke hatte im vorigen Jahr angekündigt, dass bis zu 45.000 Beschäftigte das Unternehmen verlassen müssen. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi dagegen hatte befürchtet, dass Obermann über 60.000 Mitarbeiter in die neue Billig-Tochter abschieben könnte.
Der neue Telekom-Chef wird dem Aufsichtsrat an diesem Mittwoch erstmals die neue Strategie der Telekom präsentieren. Einen Tag später will der 43-Jährige seine Pläne auf einer Pressekonferenz der Öffentlichkeit vorstellen. Obermann wird den Kontrolleuren zudem einen Umbau des Unternehmens vorschlagen: Er will die bisherigen Sparten für das Festnetz (T-Com) und den Mobilfunk (T-Mobile) auflösen und das Geschäft mit privaten Kunden in einem neuen Bereich namens T-Home bündeln. Um die Geschäftskunden soll sich wie bisher die Sparte T-Systems kümmern. Der Telekom-Chef plant zudem, das Geschäft in Mittel- und Osteuropa weiter auszubauen und Firmen hinzuzukaufen.
Obermann war erst im November vorigen Jahres an die Spitze der Telekom gerückt. Er hatte Kai-Uwe Ricke abgelöst. Dieser hatte das Unternehmen zuvor über vier Jahre geführt, ohne jedoch die Probleme des Unternehmens lösen zu können.
10.000 Mitarbeiter wollen protestieren
Allein im letzten Jahr waren der Telekom zwei Millionen Festnetz-Kunden davongelaufen, weil die Konkurrenz oft günstiger war und mit besserem Service lockte. Ricke hatte es zudem nicht geschafft, die T-Aktie wieder nach oben zu treiben. Er war daher beim Bund und bei Blackstone in Ungnade gefallen.
Während der Aufsichtsrat an diesem Mittwoch tagt, wollen vor der Bonner Unternehmenszentrale 10.000 Mitarbeiter gegen die Auslagerung der Stellen protestieren. Verdi-Bundesvorstand Lothar Schröder, der zugleich stellvertretender Vorsitzender des Telekom-Aufsichtsrats ist, befürchtet den Verkauf von Teilen der neuen Tochter T-Service.
Verdi erwartet zudem, dass auch Mitarbeiter aus dem organisatorischen Bereich und der Verwaltung von Service und Technik in die neue Gesellschaft wechseln sollen, und nicht nur, wie zunächst angekündigt, Mitarbeiter mit Kundenkontakt.
Die Gewerkschafter sind zudem verärgert darüber, dass Obermann angeblich auch den Kundenservice der Mobilfunktochter T-Mobile mit 2700 Beschäftigten ausgliedern will. Den Mitarbeitern sei vor neun Monaten versprochen worden, dass sie vor Ausgliederungen sicher seien, sagte vorige Woche der Gewerkschafter und Aufsichtsratsvize von T-Mobile, Ado Wilhelm.
Nur deshalb hätten die Beschäftigten einer Verschlechterung ihrer Arbeitsbedingungen überhaupt zugestimmt. Obermann hatte bis zum November vorigen Jahres die Mobilfunktochter T-Mobile geführt und in dieser Funktion auch dem Konzernvorstand der Telekom angehört.
(SZ vom 28.2.2007)
Drogeriekette wird abgewickelt
Auch Ich kann eine gewisse Schadenfreude nicht verbergen...
T-com, Telecom, T-mobile, T-online, T-trinker...
Egal, wenn man jemand vom Service braucht ist nie einer zu erreichen, die Mitarbeiter sind entweder zu faul (und hängen auf) , inkompetent oder "im Moment spinnt leider der Computer, rufen sie doch später nochmal an". Habe gerade ein 1 jähriges Drama mit einer Tarifumstellung hinter mir.
Ich finde Obermann hat Recht, er wird die Spreu vom Weizen trennen, die "Fastbeamten" werden aussortiert und der Rest der kompetenten Arbeiter hat nach einigen harten Jahren der Sanierung gute Aussichten. Dass es so nicht weitergeht dürfte klar sein. Ein Servicemitarbeiter bei Telekom verdient auf Stundenbasis 40% mehr als bei der Konkurrenz und leistet bis zu 20% weniger.
(Studie Wallstreet J.)
Ich hoffe das Obermann dem Druck der Politikern und Gewerkschaften standhält und seine Linie durchzieht. Wenn nicht Gute Nacht, Telekom !
Seit mehr als zwei Jahrzehnten wird die langsame aber stete Enteignung und Entmenschlichung des Volkes praktiziert. Das Volk wollte diese Strategien und Gefahren nicht wahrhaben (Wegsehmentalität). Ob Enteignung über Banken oder Börsen oder über andere Konzerne, ob über die Politik oder über den Zwang durch die Technik . . . unsere Welt wird denaturiert, entmenschlicht. Es steuern Gehirne, die therapiert gehören, aber nicht auf die Menschheit losgelassen bleiben dürfen.
Vor gerade mal drei Jahren hieß es noch "damit 10.000 Kollegen bei T-Com nicht entlassen werden müssen ,arbeiten wir alle nur noch 34 Stunden und verdienen dadurch logischerweise weniger Geld. Diese Solidarität bewahrt alle Arbeitsplätze". Alle haben zugestimmt und die Gewerkschaft und der Arbeitgeber haben euphorisch gejubelt. Das natürlich jeder Servicemitarbeiter immer noch 40 und mehr Stunden gearbeitet hat war ja egal. Wir haben ja schließlich Gleitzeitkonten.
Jetzt wird die Arbeitszeit wieder gesteigert und somit auch der Stundenlohn weiterhin verkürzt. Das ist alles eine Riesenverarsche und Mobbing von ganz oben. Wie soll da ein Mitarbeiter noch mit Freude zur Arbeit gehen wenn er dann auch noch liest das Manager Millionen-Abfindungen kassieren, nachdem sie den Karren an die Wand gefahren haben?
Der Kleine ist wieder mal der Dumme. Wie so oft im Leben.
Zu diesem und all den anderen Akten dieser Art sage ich: Computer schaffen Arbeitsplätze! und ich glaube ganz ganz fest daran. Wann geschieht gleiches endlich mal bei den Energiekonzernen? Da kann man sich doch richtig freuen, daß wir nach dem Gesundheits-Rauchverbot demnächst alle Hartz IV beziehen, gesund sind aber immer ärmer werden. Wenn dann als nächstes das Bier- und Alkoholverbot kommt, Strom und Öl weiter teurer werden gibt es einen Riesen-Lichtblick: Nach der Gesundheitsreform wird es erheblich billiger für die Entlassenen und alle anderen, weil ja jetzt weniger rauchen und wieder weniger arbeiten. Auch arbeiten ist ja gesundheitsschädlich wie man weiß!
Europa Halleluja!
A. Lenz
Die Billigfirma T-Service wird nur benötigt, wenn mal etwas nicht funktioniert. Schade das gute Mitarbeiter mit Fachkenntnissen hier für die Sanierung der gesamten Telekom mißbraucht werden. Solange die Bundesnetzagentur alle Fremdanbieter für ein geringes Endgeld ins Netz der Telekom läßt, wird sich am Kurs der T-Aktie und damit am Kundenschwund auch nichts ändern. Die nicht ausgeglichenden Kosten für Wartung und Pflege des Erdkabelnetzes trägt weiterhin die Telekom. Endscheidend ist immer der Preis. Die Komplettangebote der anderen Wettbewerbern sind jetzt schon preiswerter, als die Komplettpakete der Telekom. Kein Wunder, die haben ja keine Kosten für das Netz und wenn mal was nicht funktioniert, dann kommt sowieso einer von der Telekom, äh nein jetzt Billigtochter T-Service. Auch alle T-Com Kunden werden dann von der Billigtochter T-Service betreut. Klasse Werbung!!!
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