Von Karl-Heinz Büschemann und Markus Balser

Der frühere Thyssen-Krupp-Chef Gerhard Cromme will nicht neuer Aufsichtsratsvorsitzender von Siemens und damit Nachfolger Heinrich von Pierers werden. Das erfuhr die Süddeutsche Zeitung aus Aktionärskreisen.

"Cromme steht nicht zur Verfügung", sagte eine mit dem Unternehmen vertraute Person. Der 64-Jährige war in den letzten Tagen als möglicher Nachfolger von Heinrich von Pierer, 66, ins Gespräch gebracht worden. Mehrere Siemens-Aufsichtsräte hatten Pierers Rücktritt gefordert, weil die Unregelmäßigkeiten in seiner Zeit als Vorstandsvorsitzender passierten.

Cromme, dpa

Gerhard Cromme (© Foto: dpa)

Anzeige

Cromme gehört seit 2003 dem Siemens-Aufsichtsrat an und leitet den Prüfungsausschuss, der die Aufklärung der Korruptionsaffäre steuert.

Den Quellen zufolge lehnt Cromme den Posten ab, weil der in der gegenwärtigen Lage von Siemens eine Vollzeitbeschäftigung darstelle. Er habe als Chef des Aufsichtsrates von Thyssen-Krupp und als Vorsitzender der Regierungskommission Corporate Governance genug zu tun. Cromme wolle aber weiter den Prüfungsausschuss leiten und zur Aufklärung der Korruptionsaffären beitragen.

Pierer dürfte damit trotz der Kritik mehrerer Aufsichtsräte weiter im Amt verbleiben. Derzeit sei nicht zu erkennen, dass Pierer sein Amt aufgeben werde, sagte ein Aufsichtsrat. "Ich gehe davon aus, dass er bis zur Neuwahl des Gremiums im Januar an seinem Posten festhalten will", sagt ein anderer Kontrolleur.

Dem Vernehmen nach sollen aber andere maßgebliche Aufsichtsräte dem 66-jährigen Chefkontrolleur ihre Unterstützung signalisiert haben.

Dem Gremium gehören unter anderem der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats, Ralf Heckmann, der stellvertretende IG-Metall-Chef Berthold Huber, Deutsche-Bank-Lenker Josef Ackermann sowie der Ex-Chef der HypoVereinsbank, Albrecht Schmidt, an.

Leser empfehlen 

(SZ vom 12.04.2007)