Pharma-Kritiker Arne Schäffler über die finanzielle Einflussnahme von Arzneimittelherstellern auf deutsche Mediziner und überflüssige Vertreter-Besuche.
Pharma-Konzerne beeinflussen mit Marketing systematisch das Verschreibungsverhalten von Ärzten, meint Arne Schäffler, Chef der Antikorruptions-Initiative Mezis. Er fordert die Abschaffung von Pharma-Referenten in den Praxen und will durchsetzen, dass Fortbildungen für Ärzte nicht mehr von der Industrie bezahlt werden. Doch das scheitere auch am Widerstand der Mediziner, die ihre Privilegien behalten wollten: "Es fehlt oft an der Einsicht."
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"Es ist seit 50 Jahren zu einer Kultur geworden, dass sich Ärzte für jede Art von beruflichem Engagement von Herstellern aushalten lassen." (© Foto: ddp)
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Süddeutsche Zeitung: Herr Schäffler, die von Medizinern gegründete Initiative "Mein Essen zahl' ich selbst" rät Ärzten, sich nicht von der Pharma-Industrie einladen zu lassen. Ist das wirklich so ein Problem?
Arne Schäffler: Es ist seit 50 Jahren zu einer Kultur geworden, dass sich Ärzte für jede Art von beruflichem Engagement von Herstellern aushalten lassen. Das betrifft Fortbildungen ebenso wie sehr üppige Vortragshonorare oder Geschenke.
SZ: Geschenkte Kugelschreiber, Kaffeetassen oder Gratismuster - reden wir nicht über Lappalien?
Schäffler: Die Pharma-Industrie tut nichts, was keinen Nutzen bringt. Umgekehrt bedeutet das, Ärzte sind beeinflussbar durch sorgsame und mit guter psychologischer Ausbildung überbrachte Geschenke, die sich von Besuch zu Besuch akkumulieren.
SZ: Sind Sie gegen jedes Geschenk?
Schäffler: Es gibt keine Notwendigkeit für Geschenke. Viele Industriebetriebe etwa haben ihren Einkaufsleitern verboten, irgendwelche Geschenke anzunehmen, und das funktioniert ohne Probleme - warum sollten sich Ärzte da Sonderrechte rausnehmen?
SZ: Meinen Sie nicht, Ärzte sind kritisch genug, um sich vor Beeinflussung zu schützen?
Schäffler: Das ist wissenschaftlich untersucht worden. Ärzte halten sich selbst- so lauten amerikanische Studien - zu 80 Prozent für unbeeinflussbar. Aber von ihren Kollegen vermuten sie, dass 64 Prozent sehr wohl beeinflussbar sind durch Marketing-Instrumente. Diese Zahl dürfte realistisch sein: Zwei Drittel der Ärzte lassen sich womöglich in ihrem Verschreibungsverhalten beeinflussen.
SZ: Die Arzneimittelhersteller schicken täglich etwa 15.000 Pharma-Referenten in deutsche Praxen. Mezis lehnt das ab und fordert sogar ein Verbot. Was soll das bringen?
Schäffler: Pharma-Vertreter sind das teuerste Marketing-Instrument, das man sich denken kann. Jeder Besuch beim Arzt kostet die Firma 200 bis 300 Euro. Das wollen die Konzerne in irgendeiner Form zurückbekommen, sonst würden sie ihre Vertreter nicht in die Praxen schicken.
SZ: Pharma-Referenten informieren auch über neue Medikamente, halten Sie das für nutzlos?
Schäffler: Ärzte sind verpflichtet, sich über neue Präparate fortzubilden. Es ist ein Trugschluss zu glauben, indem man Außendienstmitarbeitern zuhört, könnte man diese Pflicht abhaken. Ärzte sollen sich unabhängig und umfassend informieren - und das kann nicht die Aufgabe des Herstellers sein. Denn der hat nur eine einzige Verpflichtung: Verordnungen zu generieren und möglichst viel zu verkaufen. Das hat nichts mit wissenschaftlich fundierter Fortbildung zu tun.
SZ: Wie schädlich ist der Einfluss von Pharma-Referenten für Patienten?
Schäffler: Laut Untersuchungen verordnen Ärzte, die Pharma-Vertreter empfangen, wertmäßig etwa 20 Prozent mehr Medikamente. Das treibt die Kosten im Gesundheitssystem. Hinzu kommt, dass viele schwere Nebenwirkungen von Arzneimitteln ausgehen, die weniger als fünf Jahre im Gebrauch sind. Der Patient ist der Leidtragende im System.
Im zweiten Abschnitt: Geht den deutschen Ärzten jegliche berufliche Ethik ab?
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dass nach der Studie der Uni-Frankfurt Ärzte fast die höchste Studienrendite haben. Rendite heisst, dass sich das vergleichsweise teure Medizinstudium mehr als "rechnet" und dennoch jammern viele Ärzte (etliche berechtigt) dass die Einnahmen nicht reichen.
Ich denke, eine Untersuchung welche Gruppen von Ärzten wieviel Einnehmen bzw. wie sich die Kassenpunkte nebst den Honorarzahlungen der Privatkassen verteilen ist mehr als überfällig. Ich will keine armen Ärzte, ich will Ärzte, die weder Kassen noch Patienten übers Ohr hauen. Letztlich zahlen wir alle diese Fortbildungen auf Kreta samt dem Einkommen der Pharma-Drückerkolonnen^wPharmareferenten aus unseren Kassenbeiträgen.
Es darf übrigens auch spekuliert werden, wieso angestellte Ärzte ihren Rentenbeitrag in die standesrechtlichen Versorgungswerke einzahlen dürfen und nicht in die BFA müssen. Kleine Ausnahmeregel im SGBV (afaik) und ein großer Effekt für die angestellten Ärzte.
Der Ausdruck "Fortbildungaufkreta" ist nur ein Synonym für den Ausdruck "Ichschmierdichbisdirdiebrieftascheplatzt".
Wer soll denn für die Fortbildung bezahlen? Die Krankenhäuser haben den Ärzten untersagt an den Fortbildungen teilzunehmen, die durch Sponsoren finanziert werden. Bekommen die Ärzte ihre Weiterbildung aber vom Arbeitgeber bezahlt? Nein. Oft sieht es so aus, dass Ärzte die an Kongressen teilnehmen möchten gezwungen sind, sich hierfür Urlaub zu nehmen, wenn sie angestellt sind.
Wenn die Pharmaindustrie die Fortbildung nicht zahlt, wer kommt für die Kosten auf? Die Kassen? Der Arzt?
Wer die Situation der Hausärzte kennt, wer weiss wie wenig heute in diesem Bereich verdient wird, kann doch nicht allen ernstes erwarten, dass die Menschen sich auf eigene Kosten fortbilden.
Auf Fortbildung verzichten? Geht auch nicht. Denn niedergelassene Kassenärzte müssen Fortbildung nachweisen. Ansonsten gehen sie der Kassenzulassung verlustig. Die Kassen selbst wollen für die Fortbildung, die sie fordern aber nicht aufkommen.
Man sieht: Der schwarze Peter wird wieder einmal den Ärzten zugeschoben.
Seit Jahren geht das so. Patienten-Randomisierungen, die gefälscht sind, also Medikamenten-Studien, die nichts taugen, weil die Erhebung gerade bei Cancer-Patienten nicht korrekt ist, da die meisten wegsterben. Was hier im Hintergrund läuft, ist skandalös! Und das ist überall so!
Warum standen bereits Pharmakonzerne deswegen vor Gericht? Warum wartet man mit den Prozessen bzw. mit der Anklage so lange, bis die Verjährung eintritt?
Contergan ist doch hier ein typisches nachweisliches Beispiel. Ich kann noch einige in München aufzählen!
Krebs-, Apotheker, Aids-Kongresse weltweit von den Pharmakonzernen gesponsert!
Ich nehme keine Medikamente, die mittels einer Studie angeblich bewiesen haben, daß sie helfen!
Ich habe bei einem Pharma-Konzern im Cancer-Bereich gearbeitet und kenne daher diese Methoden!
Bei Flügen zu diesen Kongressen mußten die Organisatoren sogar darauf achten, daß die Maschinen zu unterschiedlichen Zeiten mit den angeblichen Honorationen (Ärzte) bestückt waren. Denn wäre ein Flugzeug abgestürzt, das nur mit Ärzten voll besetzt war, wäre in Deutschland ein Experten-Notstand entstanden!!! Es fliegen Hunderte dieser Honorationen zu diesen Kongressen. Das wird alles auf die Medikamente aufgeschlagen.
Spenden für die Kliniken, kleine Aufmerksamkeiten und Honorare für lasche Vorträge. So hält man sich Freunde und bekommt für die Medikamente eine gute Beurteilung und empfiehlt diese an die Patienten weiter, bzw. der Patient hat gar keine Chance ein anderes zu erhalten.
So viel zu diesem Sumpf!!!