Pestizide EU-Staaten verbieten bienenschädliche Neonicotinoide

Bienen können von Neonicotinoiden gelähmt oder sogar getötet werden.

(Foto: dpa)
  • Drei sogenannte Neonicotinoide dürfen künftig nicht mehr auf europäischen Äckern versprüht werden.
  • Ein EU-Ausschuss hat den Einsatz unter freiem Himmel verboten, da die Wirkstoffe Bienen lähmen oder sogar töten können.

Eigentlich sollen sie Schädlinge bekämpfen, doch auch Bienen können an ihnen verenden: Ein EU-Ausschuss hat am Freitag den Einsatz von drei sogenannten Neonicotinoiden verboten. Konkret geht es um die Wirkstoffe Clothianidin, Thiamethoxam und Imidacloprid. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) hatte zuvor die Schädlichkeit der Stoffe für Wild- und Honigbienen bestätigt.

Der Einsatz der Mittel unter freiem Himmel muss nun innerhalb von drei Monaten beendet werden, sowohl in Form von Saatgutbehandlung, als auch als Spritzmittel. In Gewächshäusern sind die Neonicotinoide aber weiterhin erlaubt. "Heute ist ein guter Tag für den Schutz der Bienen in Deutschland und in Europa", sagte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU). Umweltschützer erhoffen sich von dem Verbot Hilfe im Kampf gegen das Bienensterben. Sie fordern aber ein vollständiges Verbot der Mittel. Agrarverbände befürchten als Folge des Verbots dagegen Qualitäts- und Ertragsverluste.

Wirkstoffe verringern Fruchtbarkeit der Tiere

Experten zufolge können Neonicotinoide verschiedene Insekten bereits bei einer niedrigen Dosierung lähmen oder sogar töten. Zudem beeinträchtigen sie das Lernvermögen und die Orientierungsfähigkeit der Tiere. Die tödliche Dosis liege für die betroffenen Wirkstoffe bei etwa vier Milliardstel Gramm pro Biene.

Schweizer Forscher hatten bereits im Jahr 2016 gezeigt, dass bestimmte Sorten der synthetisch hergestellten Wirkstoffe die Fruchtbarkeit männlicher Honigbienen verringern und deren Lebensspanne senken. Eine andere Studie befand, dass Bienen die mit den Stoffen behandelten Pflanzen nicht etwa meiden, sondern sogar bevorzugt ansteuern.

Fortan sind also Clothianidin, Thiamethoxam und Imidacloprid auf Äckern zwar untersagt - über die Jahre hat die Zahl der zugelassenen Wirkstoffe aber nicht wirklich abgenommen. Sie schwankt nur leicht: Waren zur Jahrtausendwende noch 276 Wirkstoffe zugelassen, fiel die Zahl zwischenzeitlich auf bis zu 245 Stoffe, nur um sich mittlerweile wieder bei 270 einzupendeln. Die Zahl der zugelassenen Pflanzenschutzmittel hingegen hat deutlich abgenommen.

Neben den nun verbotenen Mitteln gibt es weitere Neonicotinoide, die ohne Einschränkung eingesetzt werden dürfen. Dazu zählen etwa Thiacloprid und Acetamiprid - Letzteres wird von der Efsa als "geringes Risiko für Bienen" eingeordnet. Ein Verbot oder weitere Einschränkungen seien daher wissenschaftlich nicht angebracht - Umweltverbände sehen das jedoch anders. geht es nach dem Geschäftsführer des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu), Leif Miller, müssten alle Neonicotinoide und ähnlich wirkenden Insektizide komplett vom Markt verschwinden.

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