Eine elektrische Säge kreischt, Staub rieselt durch die Luft, Schüler wuseln um die Holzbalken am Boden, und Federico hat sich einen von drei Akkuschraubern gesichert. Stolz hält er ihn gen Decke, ganz so, als wäre er der Terminator persönlich und würde ein Maschinengewehr tragen. Begeistert versenkt er eine Schraube in einen Balken.

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"Du musst den Akkuschrauber ganz gerade ansetzen", mahnt Bianca Brendel. Die 29-Jährige nimmt einen Metallwinkel und macht es vor: "Schau mal, so." Brendel trägt Jeans, Turnschuhe und Schlabber-Pulli statt Hosenanzug. Seit zwei Monaten arbeitet Brendel als Vorstandsassistentin von Allianz-Finanzchef Helmut Perlet. Nach dem Studium der Wirtschaftsmathemathik war sie zunächst bei einer Wirtschaftsprüfung, dann wechselte sie ins Rechnungswesen der Allianz und von da aus ins Vorstandsbüro.

Schlägereien gehören dazu

Wie die anderen Allianzler gehört sie zu den etwa 200 Beschäftigten, die der Konzern in diesem Jahr mit mehrtägigen Trainings auf die Führung von Mitarbeitern vorbereitet. "Ich komme hier mit einer anderen Welt in Kontakt", sagt Bianca Brendel. "Ich habe zwar ab und an mit Kindern zu tun, aber nicht aus diesem sozialen Milieu." Nicht viele Top-Manager dürften regelmäßig Zeit mit Lernbehinderten verbringen. "Nicht nur wir, auch die Kinder lassen sich auf uns ein - das berührt mich schon", sagt Brendel.

Das friedliches Miteinander zwischen Schülern und Managern ist nicht selbstverständlich. "Unsere Schule ist ein sozialer Brennpunkt", erzählt Schulleiter Reinhard Reithmeier, der vorbeischaut, als die ersten Seitenwände der Rückzugsecke stehen. "Schlägereien und kleinere Diebstähle gehören zum Alltag", sagt er.

Etwa 150 lernbehinderte Kinder von der 5. bis zu 9. Klasse besuchen die Förderschule - der weiße hohe Bau liegt nur ein paar Kilometer vom Hauptsitz der Allianz entfernt. Nachmittags betreut die Jugendsozialhilfe bis zu 20 Schüler in einem schäbigen Betreungsraum. Hier blättert die Farbe von der Wand, bisher fehlte jegliche Gmütlichkeit.

Viele Kinder können schlecht deutsch, weil zuhause eine andere Sprache gesprochen wird. 80 Prozent haben einen Migrationshintergrund. "Wir haben Kinder aus mehr als 25 Ländern", sagt Reithmeier. Der 62-Jährige findet den Seitenwechsel der Manager gut: "Ich lass hier alle rein, die helfen." Es klingelt zur Pause, die Tür geht auf, und die Kinder stürmen herein: "Ich will auch, ich will auch, bitte." Federico hält den Bohrer fest. "Musst du früher kommen."

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