Ein Interview des designierten Bahn-Personalvorstands Norbert Hansen schlägt hohe Wellen. Bahn-Chef Mehdorn will von einem Stellenabbau nichts wissen. Der ehemalige Transnet-Vorsitzende steht schon vor seinem Amtsantritt in der Kritik.

Bahn-Chef Hartmut Mehdorn hat Äußerungen seines neuen Arbeitsdirektors Norbert Hansen über einen bevorstehenden Personalabbau im Unternehmen widersprochen. "Spekulationen über einen Personalabbau bei der Bahn sind an den Haaren herbeigezogen", sagte Mehdorn am Freitag in Berlin. "Es gibt weder entsprechende Pläne und schon gar nicht gibt es derartige Beschlüsse", fügte er hinzu. Richtig sei vielmehr, dass es im Zuge der Teilprivatisierung des Konzerns bis 2023 keine betriebsbedingten Kündigungen geben werde.

Norbert Hansen: Lokführer können "auch einmal aufräumen". (© Foto: dpa)

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Hansen, der bisher Chef der Bahn-Gewerkschaft Transnet war, hatte in seinem ersten Interview in neuer Funktion der Bild-Zeitung gesagt: "Wir werden bei der Bahn weiter rationalisieren müssen. Und das wird in einigen Bereichen nicht ohne Personalabbau gehen." Auch auf seinem vorherigen Posten habe er Arbeitsplätze in der Verwaltung von Transnet abbauen müssen. Das sei kein angenehmer Job, aber es sei ihm gelungen, ohne Kündigungen auszukommen. "Das wird auch mein Ziel bei der Bahn sein", fügte Hansen hinzu.

"Auf einem kleinen Bahnhof mit anpacken"

Von den Mitarbeitern der Bahn forderte der neue Arbeitsdirektor, effizienter zu werden: "Es gibt mittlerweise viele regionale Bahngesellschaften, die zeigen, wie es gehen kann. Da ist dann zum Beispiel ein Zugführer nicht nur dafür verantwortlich, den Zug zu steuern, sondern kann in den Zugabteilungen auch einmal aufräumen oder auf einem kleinen Bahnhof mit anpacken", sagte Hansen. So etwas sei bei einem großen Konzern wie der Bahn zwar schwieriger, aber in diese Richtung müsse das Unternehmen langfristig denken.

Hansen setzte sich zudem für eine weitere Privatisierung der Bahn ein. "Für mich ist wichtig, dass der Bund bei der Bahn weiter das Sagen hat - also die Mehrheit der Anteile besitzt", sagte er dem Blatt. Die Obergrenze der Privatisierung liege für ihn daher bei 49,9 Prozent.

Rücktritt gefordert

Die Initiative "Bahn von unten" forderte den Rücktritt des gesamten Transnet-Vorstandes und die Einberufung eines außerordentlichen Gewerkschaftstages. "Die Transnet-Mitglieder müssen die Gewerkschaft wieder unter ihre Kontrolle bekommen", sagte der Vertreter der Organisation, Hans-Gerd Oefinger, der Berliner Zeitung.

Hansen war in der vergangenen Woche von der Spitze der Gewerkschaft Transnet zurückgetreten, um den Posten als Bahn-Arbeitsdirektor anzunehmen. Daraufhin waren Vorwürfe laut geworden, er habe aus Eigennutz gehandelt und sei wegen dieser Karriere mit seiner ganzen Organisation für eine Teilprivatisierung der Bahn eingetreten. Hansen hatte dies als "aberwitzig" zurückgewiesen.

Am Donnerstag hatte der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn den Teil-Börsengang des Konzerns beschlossen: Damit können sich Investoren an 24,9 Prozent des Unternehmens beteiligen.

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(sueddeutsche.de/Reuters/AFP/AP/mel/tob/mel)