Peinliche Telefonmitschnitte Entlarvter irischer Banker entschuldigt sich

Auf das zynische "Neuer Tag, neue Milliarde" folgt nun die Entschuldigung: David Drumm, Ex-Chef der Bank Anglo Irish, bedauert seine Aussagen zur Finanzkrise. Die veröffentlichten Mitschnitte führender irischer Banker hatten einen Aufschrei ausgelöst - Bundesfinanzminister Schäuble findet nun klare Worte.

Nach Veröffentlichung brisanter Äußerungen irischer Banker über EU-Hilfen hat sich der Ex-Chef des Instituts Anglo Irish entschuldigt. Er bedaure die mit seinen Worten verursachten Beleidigungen zutiefst, sagte David Drumm der Zeitung Sunday Business Post zufolge. Er könne sein Verhalten nicht mehr rückgängig machen. "Aber ich kann mich bei denen entschuldigen, die sich das anhören mussten und die sich verständlicherweise so angegriffen gefühlt haben."

In vom Irish Independent veröffentlichten Gesprächsaufzeichnungen hatte Drumm die EU-Bankhilfen unter anderem mit den Worten "Neuer Tag, neue Milliarde" ins Lächerliche gezogen. Drumm empfahl dem damaligen Finanzchef, mit "simplen Worten" bei der Zentralbank Notkredite zu verlangen: "Wir brauchen die Knete, ihr habt sie, also gebt sie uns." Drumm soll auch angekündigt haben, den Aufsehern der kollabierenden Bank zu drohen.

Die Äußerungen Drumms und anderer irischer Banker hatten europaweit für Empörung gesorgt - nicht zuletzt in Deutschland, das größter Geldgeber bei den Irland-Hilfen war. Im Mitschnitt singt ein Spitzenmanager des Pleiteinstituts Anglo Irish Bank am Telefon unter großem Gelächter "Deutschland, Deutschland über alles" - die erste Strophe des Deutschlandlieds, die zur Zeit des Nationalsozialismus gesungen wurde.

Schäuble kritisiert "Übermenschen"-Mentalität

Der Sunday Business Post zufolge erklärte Drumm nun, die Aufnahmen seien während einer sehr anstrengenden und turbulenten Zeit gemacht worden. Dies entschuldige aber nicht "den furchtbaren Sprachgebrauch und frivolen Ton". Es war das erste Mal seit Veröffentlichung der Mitschnitte, dass sich Drumm öffentlich äußerte. Er lebt inzwischen in den USA.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble hatten die irischen Banker scharf kritisiert. Schäuble sagte der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung: "Diese Banker gefielen sich offensichtlich in der Rolle von abgehobenen Übermenschen, die nur Verachtung für ihre Mitmenschen haben". Dabei seien sie es gewesen, "denen unsere Verachtung zuteil kommen sollte und denen wir das Handwerk legen müssen."

Merkel hatte bereits vor einigen Tage erklärt, sie habe für die Äußerungen der Banker "wirklich nur Verachtung" übrig. Auch der irische Premierminister Enda Kenny hatte scharfe Kritik an dem Verhalten der Finanzmanager geäußert.