SZ: Sie müssen beim G-20-Gipfel Mitte der Woche in Pittsburgh aber nicht einen oder zwei, sondern alle Partner von der Idee überzeugen. Das ist utopisch.

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Steinbrück: In Pittsburgh werden wir das kaum durchsetzen können. Da will ich keine falschen Erwartungen wecken. Wir werden aber über die Frage diskutieren, wie wir verhindern können, dass am Ende die Bürgerinnen und Bürger die Zeche der Finanz- und Wirtschaftskrise zahlen. Mit der internationalen Finanzmarktsteuer könnten diejenigen, die die Krise verursacht haben, an den Kosten beteiligt werden. Bis es so weit ist, könnten wir in Deutschland eine kleine Lösung, die von der SPD vorgeschlagene Börsensteuer, umsetzen - wenn die Union ihren Widerstand dagegen aufgibt.

SZ: Dreht sich die Reformdebatte nicht zu sehr um Symbolthemen wie die Finanzmarktsteuer und die Managergehälter? Es mag ja richtig sein, Bonuszahlungen zu deckeln. Die nächste Krise verhindern Sie damit aber nicht.

Steinbrück: Das stimmt, Krisen können sie damit nicht verhindern, aber das gefährliche kurzfristige Renditedenken eindämmen. Viele Bürger haben in dieser Frage einen dicken Hals - und zwar völlig zu Recht: Wer für ein paar Monate Arbeit zehn Millionen Euro Abfindung kassiert, der muss wissen, was er damit im öffentlichen Bewusstsein anrichtet. Und wenn es dann daran geht, die daraus folgenden Risse in der Gesellschaft zu kitten, dann soll es die Politik richten. Diese Rollenverteilung mache ich nicht mit, das nehme ich diesen Menschen wirklich übel. Das ist ein eklatantes Versagen einer ganzen Elite.

SZ: Ihr niederländischer Kollege plädiert dafür, dass Boni nicht mehr höher ausfallen dürfen als das Festgehalt. Unterstützen Sie diese radikale Idee?

Steinbrück: Ganz klar: ja! Es bleibt aber dem G-20-Gipfel vorbehalten, sich auf ein Verhältnis zwischen festen und variablen Vergütungsteilen zu einigen.

SZ: Was geht in Ihnen vor, wenn Sie feststellen, dass die deutschen Banken ihre Reformbemühungen einfach ignorieren. Beispiel Bad Bank: Mit Ausnahme der WestLB hat kein einziges Institut Ihr Konzept für die Auslagerung toxischer Papiere angenommen. Wann reißt Ihnen der Geduldsfaden und Sie zwingen die Geldhäuser zur Bilanzbereinigung?

Steinbrück: Es wird keinen Zwang geben. Entweder die Banken lassen sich helfen, oder sie lassen es bleiben. Im Übrigen werden Sie sehen, dass sich die eine oder andere Landesbank noch melden wird - nach der Bundestagswahl.

SZ: Sie meinen die HSH Nordbank und die BayernLB?

Steinbrück: Manche liegen im Norden, manche im Süden ...

SZ: Sie sprachen vom Problem, wer die Zeche zahlt. Beantworten denn die hiesigen Parteien diese Frage ehrlich?

Steinbrück: Alle bestimmt nicht. Aber ich glaube, die SPD spricht noch am lautesten darüber.

SZ: Die SPD will den Spitzensteuersatz erhöhen und eine Börsenumsatzsteuer einführen, die Einnahmen sollen in die Bildung und die Senkung des Eingangssteuersatzes fließen. Damit bleibt kein einziger Cent übrig, um die gigantischen Löcher im Haushalt und in den Sozialkassen zu stopfen.

Steinbrück: Wenn wir über die Konsolidierung der Haushalte reden, reden wir über künftige Wachstumsraten und die Frage, welche Maßnahmen auf der staatlichen Einnahmen- und Ausgabenseite nötig sind - schon um die neue Schuldengrenze im Grundgesetz einzuhalten. Sicher ist, dass weitergehende Steuersenkungen wie sie CDU, CSU und FDP versprechen, an den Realitäten scheitern.

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  1. "Ich soll hier den Doofmann spielen"
  2. Sie lesen jetzt "Eklatantes Versagen einer ganzen Elite"
  3. "Die politische Konkurrenz spielt Jahrmarkt im Himmel"
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