Paradise Papers Die deutschen Fälle in den Paradise Papers

In den Paradise Papers tauchen auch mehrere Deutsche auf.

(Foto: Illustration: Bene Rohlmann)

Ein "Hosen-Milliardär" hat ein Problem mit dem Firmenjet, und eine Hostelkette zieht es ins Steuerparadies.

Nicht nur amerikanische Internetkonzerne oder russische Oligarchen, auch deutsche Unternehmen nutzen Steuertricks. Ein Beispiel aus den Paradise Papers ist die Berliner Hostelkette Meiniger. Die Zimmer sind einfach und billig, die Firma expandiert in europäische Großstädte. "Frühstücksbar völlig ok", lässt Meiniger Kunden auf ihrer Homepage werben. Wegen eines Steuertricks weist die Firma weniger Gewinn in Deutschland aus, zahlt also hierzulande weniger Steuern. Dafür braucht Meiniger eine Investmentgesellschaft auf der Isle of Man, der Steueroase zwischen Großbritannien und Irland. Die wurde 2014 gegründet. Sie gibt Meininger in Deutschland einen Kredit über knapp 135 Millionen Euro. Meininger tilgt nicht, zahlt aber Zinsen, jedes Jahr rund fünf Millionen Euro. Die Zinszahlungen drücken den deutschen Gewinn.

Ein Teil des Gewinns wandert so auf die Isle of Man. Dort fallen kaum Steuern an. Erst wenn der mittlerweile britische Eigentümer der Hostelkette die Meininger-Profite ins Vereinigte Königreich holen möchte, werden Abgaben fällig. Wegen eines Steuerschlupflochs im britischen Recht sind das aber auch nur fünf Prozent. Wenn das Schema wie skizziert funktioniert, würden die Gewinne des Firmengeflechts statt mit 30 Prozent nur mit rund 22 Prozent versteuert. Meininger und der britische Eigentümer Holidaybreak teilten fast wortgleich mit: Man halte sich an alle Steuergesetze. Lesen Sie die Geschichte mit SZ Plus.

Der "Hosen-Milliardär" und der Firmenjet

In den Paradise Papers findet sich außerdem eine Posse um Friedrich Knapp, den Besitzer der Modekette New Yorker. Seine Braunschweiger Heimatzeitung nennt ihn gerne den "Hosen-Milliardär". In den Unterlagen findet sich eine Anfrage an Appleby, die Kanzlei im Zentrum der Paradise Papers. Es geht um ein Firmenflugzeug des Klamotten-Konzerns. Über eine Flugzeug-Betreiberfirma in Deutschland und eine Firma auf den Kaimaninseln soll der Jet an den Konzern des Milliardärs vermietet werden.

In einer späteren E-Mail heißt es: Die Firma, die den Jet in der Karibik verwalten solle, gehöre "aus deutschen Steuer-Gründen" einer Person, die mit der New-Yorker-Gruppe "nichts zu tun" habe. Doch die Paradise Papers zeigen: In den Vertragsentwürfen steht der Name eines langjährigen Mitarbeiters von New Yorker, einem engen Vertrauten des Firmen-Chefs. Er ist ehemaliger Leiter des Kommissariats für Linksextremismus und Terrorismus in Braunschweig. Seit 1994 arbeitet er bei New Yorker, erst als Sicherheitschef, inzwischen als persönlicher Assistent des Chefs Friedrich Knapp.

Warum soll es nach außen so scheinen, als habe der Assistent des Chefs nichts mit New Yorker zu tun? Warum das Kaiman-Konstrukt, obwohl das Flugzeug doch in Braunschweig stationiert ist, mehr als 8000 Kilometer Luftlinie entfernt? New Yorker und Knapp regieren nicht auf E-Mails und etliche Anrufe.

Der Assistent erzählt der SZ, er sei unter anderem auch für die Flugzeugflotte zuständig. Die Firma auf den Kaimaninseln sei tatsächlich "privat eingetragen" auf ihn, auch wenn er das "natürlich für New Yorker" mache - allein schon "aus Loyalität". Er kenne nicht die Details der Verträge oder aber, sagt er, er wolle nicht darüber reden - aber es sei alles in Ordnung. Die Firma gebe es nur, weil es praktischer sei. Das habe keine steuerlichen Vorteile für New Yorker. Auch ihn selbst habe das Finanzamt geprüft, sagt der Ex-Sicherheitschef, alles sei in Ordnung. Lesen Sie die Geschichte mit SZ Plus.

In den Paradise Papers führen außerdem Unterlagen zur Milliardärsfamilie Engelhorn und damit zu einem der größten Steuerstrafverfahren der deutschen Geschichte. Lesen Sie Geschichte mit SZ Plus. Außerdem zeigen sie, wie der Glücksspiel-Unternehmer Paul Gauselmann die laxen Gesetze auf der Isle of Man nutzt, um an dem hierzulande überwiegend verbotenen Online-Glücksspiel zu verdienen. Lesen Sie die Geschichte mit SZ Plus.