Panama Papers Hausarrest für einen Milliardär

Der Geschäftsmann Beny Steinmetz ist in seiner Heimat Israel festgesetzt worden. Es geht um den Verdacht der Bestechung und Geldwäsche bei einem Geschäft im westafrikanischen Guinea.

Von Peter Münch und Frederik Obermaier, Tel Aviv/München

Israels Polizei hat zu einem spektakulären Schlag ausgeholt: Der weltweit aktive Geschäftsmann Beny Steinmetz, der zu den reichsten Männern des Landes zählt und dem in Deutschland auch ein Dutzend Karstadt-Häuser gehört, ist zu Wochenbeginn vorübergehend festgenommen worden. Es geht um den Verdacht der Bestechung und Geldwäsche bei einem Geschäft im westafrikanischen Guinea, wo das von Steinmetz gegründete Unternehmen BSGR (Beny Steinmetz Group Resources) 2008 die Schürfrechte für ein riesiges Eisenerzvorkommen erworben hatte. Durchsucht wurden auch der Wohnsitz und Büros von Steinmetz in Israel. Bevor der Milliardär in einen zunächst auf zwei Wochen festgesetzten Hausarrest entlassen wurde, wurde die Kaution Berichten zufolge auf 100 Millionen Schekel (rund 25 Millionen Euro) festgesetzt. Steinmetz, der seinen Hauptwohnsitz 2010 in die Schweiz verlegt hat, darf Israel laut dem britischen Guardian in den nächsten sechs Monaten nicht verlassen. Sein israelischer sowie sein französischer Pass wurden demnach eingezogen. Steinmetz' Anwalt Juval Sasson wies israelischen Medien gegenüber alle Vorwürfe zurück.

Das obskure Geschäft in Guinea wird schon seit Jahren auf verschiedenen Ebenen untersucht. Seinen Anfang nahm es im Jahr 2008, als die guinesischen Behörden der multinationalen Bergbaugesellschaft Rio Tinto plötzlich das Recht entzog, in den Simandou-Bergen von Guinea das wohl größte unerschlossene Eisenerzvorkommen der Welt abzubauen, und die Lizenzen stattdessen BSGR zuschlug. Das Steinmetz-Unternehmen bekam die lukrativen Schürfrechte so gut wie geschenkt. Es soll sich zu Investitionen in Millionenhöhe in das Eisenerzfeld und den Bau einer Eisenbahnlinie bereit erklärt haben.

Ein guinesisches Untersuchungskomitttee kam 2012 zu dem Schluss, dass es bei dem Deal nicht mit rechten Dingen zugegangen ist. Es steht der Verdacht im Raum, dass guinesische Beamte und eine Ehefrau des damals regierenden Präsidenten Lansana Conté über zwischengeschaltete Briefkastenfirmen und mindestens einen Mittelsmann bestochen wurden. Die im April 2016 von der Süddeutschen Zeitung veröffentlichten Panama Papers scheinen diesen Verdacht zu stützen. BSGR und Steinmetz selbst haben jegliche Bestechungsvorwürfe stets zurückgewiesen.

Die nun in Israel geäußerten Anschuldigungen seien "unbegründet", erklärte ein BSGR-Sprecher auf SZ-Anfrage. Es handle sich um einen systematischen Versuch der jetzigen Regierung Guineas, die endemische Korruption im eigenen Land zu vertuschen. Auch Steinmetz' israelischer Anwalt verwies am Dienstag auf dieses BSGR-Statement.

Für ihn steht viel auf dem Spiel. Auch in Rumänien soll ihm der Prozess gemacht werden

In den Simandou-Fall war schon 2013 Bewegung gekommen: Damals hatten die US-Behörden einen Franzosen festgenommen, den das guinesische Untersuchungskomittee zuvor als den "geheimen Strohmann" von Steinmetz bezeichnet hatte. Der Franzose hatte offenkundig versucht, eine Ehefrau des mittlerweile verstorbenen Präsidenten Lansana Conté zu überreden, mutmaßlich belastende Dokumente zu vernichten. Er bekannte sich später der versuchten Vernichtung von Beweismitteln für schuldig und wurde zu zwei Jahren Haft verurteilt. Über mögliche Hintermänner schwieg er. In den öffentlichen Unterlagen des Prozesses ist jedoch immer wieder die Rede von einem "Co-Conspirator 1", einem Mitverschwörer Nummer eins. Rechercheure des New Yorker und der Yedioth Aharnonot gehen davon aus, dass dieser Mitverschwörer wohl Beny Steinmetz ist.

Für den Unternehmer Steinmetz steht derzeit viel auf dem Spiel. Erst vergangene Woche war bekannt geworden, dass ihm in Rumänien wegen angeblich illegaler Grundstücksgeschäfte, Geldwäsche und des Verdachts auf Bildung einer kriminellen Organisation der Prozess gemacht wird. Auf Anfrage ließ Steinmetz die Vorwürfe zurückweisen.

Nach der vorübergehenden Festnahme in Israel erklärte Steinmetz' Anwalt der israelischen Zeitung Haaretz, die jetzigen Guinea-Ermittlungen seien lediglich "das Recycling eines alten Verfahrens, das von der Regierung Guineas seit der Machtübernahme des korrupten Präsidenten Alpha Condé angestrengt wurde". Ausgelöst wurde die Festnahme nun allerdings durch eine groß angelegte weltweite Untersuchung des Falls, an dem Ermittler aus Guinea, den USA und der Schweiz arbeiten. Der israelischen Polizei zufolge wird in diesem Fall auch noch gegen andere israelische Staatsbürger ermittelt, deren Namen allerdings vorerst nicht bekannt wurden. Nach Angaben des Nachrichtenportals Ynetnews wurde im Zusammenhang mit dem Simandou-Fall am Dienstag ein weiterer Unternehmer in Israel festgenommen. Es wurde zunächst nicht bekannt, um wen es sich handelte. Ein Polizeisprecher wollte sich nicht dazu äußern, ob der Mann in Verbindung zur Steinmetz-Firma BSGR stehe. Nur soviel: Es gehe um den Verdacht der Bestechung und Geldwäsche.