Paketzusteller Ein Paketbote in Amazon-Kluft bedeutet nichts Gutes

Amazon will jetzt auch noch die Lieferkette beherrschen.

(Foto: dpa)

Der Konzern will jetzt auch noch zum Zusteller werden. Eine gewagte Idee - gegen die sich andere Logistiker rüsten müssen.

Kommentar von Caspar Busse

Die Unruhe ist groß. "Eine gewisse Nervosität" mache sich breit, räumte jetzt sogar Florian Gerster ein. Der langjährige Politiker und Ex-Chef der Bundesagentur für Arbeit ist heute der Vorsitzende des Bundesverbandes Paket und Expresslogistik, einem Interessensverband deutscher Logistikunternehmen, der Mann ist nicht gerade für Alarmismus bekannt. Gerster sorgt sich zu Recht. Denn Amazon hat große Pläne, die den deutschen Versendern durchaus gefährlich werden könnten. Der amerikanische Internetkonzern will in das Paketgeschäft einsteigen, arbeitet auch in Deutschland an einem eigenen Verteilernetz und möchte jetzt offenbar auch eigene Paketstationen einrichten.

Amazon-Chef Jeff Bezos ist für seinen aggressiven Expansionskurs bekannt. Vor gut zwanzig Jahren begann er mit einem Online-Bestellservice für Bücher und verbreitet seitdem im gesamten Buchhandel Angst und Schrecken. Inzwischen kann man bei Amazon alles Erdenkliche bestellen. Der Konzern, der sich wie kaum ein anderes Handelsunternehmen strikt am Kundennutzen ausrichtet, ist zum größten Internet-Warenhaus der Welt geworden - gleichermaßen bewundert, gefürchtet und gehasst. Und Bezos ist gewillt, weitere Bereiche zu erobern.

Kommt die Ware nicht verlässlich an, wenden sich die Kunden ab

Jetzt also die Paketzustellung. Amazon gibt heute Milliarden für die Lieferung der Pakete aus und will diese Kosten senken. Am Ende könnte der Superkonzern also auch noch die Zustellung kontrollieren. Dabei ist dieser Vorstoß für Amazon durchaus heikel. Die Amerikaner sind ein wichtiger, inzwischen sogar der wichtigste Kunde von Konzernen wie Deutsche Post, Fedex oder UPS. Und sie sind auf diese angewiesen. Wie sonst sollen die Millionen Bestellungen weltweit zu den Käufern kommen? Von der Lieferzuverlässigkeit hängt im Internethandel sehr viel ab. Im Internet kann die Ware noch so gut angepriesen und noch so preisgünstig sein - kommt sie nicht schnell, verlässlich und unversehrt an, wenden sich die Kunden schnell ab. Doch nun könnte aus der bisher engen Partnerbeziehung ein Konkurrenzverhältnis werden.

Wer wird aus diesem Kampf am Ende als Sieger hervorgehen?

Das könnten durchaus die großen Logistikunternehmen sein. Dann nämlich, wenn sie den Vorstoß von Amazon als Ansporn für eine Verbesserung ihrer eigenen Leistung begreifen und so den Amerikanern erfolgreich Paroli bieten. Das wäre übrigens nicht nur im Interesse der Paketunternehmen, sondern auch volkswirtschaftlich wünschenswert. Zum einen wäre es durchaus besorgniserregend, wenn das größte Online-Kaufhaus auch die Zustellung beherrschen würde. Denn dann hätten andere Internethändler kaum noch eine Möglichkeit, Fuß zu fassen. Schon jetzt gibt es im Internet zweifellos eine Tendenz zum Monopol. Eine Erweiterung der Macht von Amazon auch auf die Paketdienste wäre da fatal.

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Zum anderen gibt es gerade in der Paketzustellung schon heute oft prekäre Arbeitsverhältnisse. Der große Konkurrenzdruck führt zu niedrigen Löhnen und schlechten Arbeitsbedingungen. Amazon ist nicht gerade dafür bekannt, Mitarbeiter besonders großzügig zu entlohnen. In den USA wird schon heute eine Organisation aufgebaut, bei der die Fahrer keine Amazon-Angestellten sind, sondern selbständig arbeiten - sozusagen das Modell Uber für die Paketauslieferung.

Bundesweite Logistik ist weitaus komplexer, als man bei Amazon denkt

Amazon wird übrigens bald merken, dass die Komplexität von Logistikdienstleistungen hoch ist. Nur wenige Konzerne können mit der großen Menge von Daten umgehen, Qualität garantieren und ein weltweites Liefernetz unterhalten. Dieses aufzubauen, wird auch Amazon nicht so einfach gelingen. In Deutschland wollen sich die Amerikaner mit ihrem neuen Service zunächst auf die Ballungsräume konzentrieren. Das ist vergleichsweise schnell machbar. Jeden Winkel der Republik zuverlässig zu erreichen, dauert deutlich länger und ist aufwendiger.

Der Vorstoß von Amazon wird auf jeden Fall für Bewegung sorgen. Schon jetzt arbeiten die Zusteller an Innovationen. Die Deutsche Post hat schon vor zwei Jahren mit der bundesweiten Einführung von Paketkästen begonnen, die Wettbewerber ziehen nach. Und es gibt weitere Ideen. Etwa die Lieferung per Drohne, also mit einer Art Minihubschrauber, in entlegene Gebiete. Oder das Ablegen der Ware im Kofferraum während das Auto auf dem Firmenparkplatz steht. Autonome Fahrzeuge werden eines Tages weitere Gelegenheiten erschließen.

Fest steht: Die Lieferung noch am selben Tag oder nur kurze Zeit nach der Bestellung im Internet wird es sicher bald flächendeckend geben. Die Frage ist nur, wer künftig das Paket abliefern wird.

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