Oxfam Steueroasen machen die Welt ungleicher

Luxusyachten in einem chinesischen Hafen.

(Foto: dpa)
  • Dem reichsten Prozent der Menschheit gehören nach Abzug aller Schulden genauso viel Vermögen wie den übrigen 99 Prozent, zitiert die Entwicklungshilfeorganisation Oxfam den Bericht einer Bank.
  • "Wir leben in einer Welt, deren Regeln für die Superreichen gemacht sind", kritisiert Oxfam.
Von Bastian Brinkmann

Sie plündern die Bodenschätze, vergiften dabei die Umwelt - und drücken sich davor, Steuern zu zahlen. Afrikanische Staaten leiden besonders darunter, dass internationale Konzerne und die Superreichen der Länder zwar Geschäfte in den Staaten machen, aber nicht ausreichend dazu beitragen, das Gemeinwesen zu bezahlen.

Allein die Steuerflucht von reichen Privatpersonen koste afrikanische Staaten jährlich rund 14 Milliarden Dollar, klagt die Hilfsorganisation Oxfam. Das Geld würde ausreichen, um in Afrika die Gesundheitsversorgung für Mütter und Kinder zu sichern, sagt die Entwicklungsorganisation.

Auch global nimmt die Ungleichheit zu, kritisiert Oxfam in einem neuen Bericht. Die Organisation verweist auf den Vermögensbericht der Bank Credit Suisse (PDF). Demnach besitzt das reichste ein Prozent der Menschheit nach Abzug aller Schulden genauso viel Vermögen wie die übrigen 99 Prozent. Nur 70 Millionen Menschen gehört demnach die Hälfte des globalen Reichtums.

"Konzerne dürfen sich nicht länger aus ihrer Verantwortung stehlen"

Die zunehmende Ungleichheit habe System, sagt Oxfam: "Wir leben in einer Welt, deren Regeln für die Superreichen gemacht sind", sagt Tobias Hauschild, Referent für Entwicklungsfinanzierung bei Oxfam. Firmen geben demnach mehr und mehr Geld in Steueroasen aus, ihre Offshore-Investitionen hätten sich zwischen 2000 und 2014 vervierfacht. Entwicklungsländern würden wegen Steuerflucht jedes Jahr mindestens 100 Milliarden Dollar an Steuereinnahmen verloren gehen.

Der weltweite Wettlauf um die niedrigen Steuersätze müsse ein Ende haben, fordert Oxfam. "Konzerne dürfen sich nicht länger aus ihrer Verantwortung stehlen. Sie müssen ihre Gewinne dort versteuern, wo sie sie erwirtschaften", sagt Referent Hauschild. In den Industriestaaten sind seit Ende der 1980er Jahre die Steuern für Konzerne um fast die Hälfte gefallen, hat eine Auswertung des Internationalen Währungsfonds ergeben.

Die Gruppe der zwanzig wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G 20) hatte Ende 2015 beschlossen, die Steuerflucht für Konzerne zu erschweren. Oxfam gehen die beschlossenen Maßnahmen aber nicht weit genug. Die Organisation fordert, dass Konzerne öffentlich machen sollen, wie viel Gewinn sie in einem jeweiligen Land machen - und wie viel Steuern sie dort zahlen. Die Staaten hatten sich allerdings darauf geeinigt, dass die Konzerne solche Berichte nur den Finanzämtern übermitteln müssen, sie sind vom Steuergeheimnis geschützt. Für die Öffentlichkeit bleiben sie geheim.

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