Aus für eine Traditionsmarke: Der Kaufhausriese Woolworths hat Insolvenz angemeldet. 30.000 Jobs sind in Großbritannien in Gefahr.
Der Vorstand des Traditionsunternehmens kam in der Nacht zu Donnerstag überein, die Beratungsfirma Deloitte mit der Abwicklung der Geschäfte zu beauftragen. Es gebe keine Aussichten mehr, die Geschäfte erfolgreich weiter zu betreiben, erklärte Woolworths am Donnerstag in einer Mitteilung an das zuständige Gericht.
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Woolworths-Fililale in London: Der Discounter leidet unter der Konjunktureinbruch, aber auch die wachsende Konkurrenz durch Supermärkte, Fachgeschäfte und Onlinehändler belasten das Geschäft. (© Foto: dpa)
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Die mehr als 800 Kaufhäuser sollten am Donnerstag dennoch öffnen, es sind aber mehr als 30.000 Jobs in Gefahr. Das fast 100 Jahre alte Unternehmen, das unabhängig von Woolworth Deutschland ist, hatte Schulden von etwa 385 Millionen Pfund (457 Millionen Euro) angehäuft. Der Aktienkurs war im vergangenen Jahr um 90 Prozent eingebrochen.
Hoffnung auf Insolvenzverwalter
Eine Regierungssprecherin sagte, die Regierung hoffe, dass die Insolvenzverwalter die Warenhäuser verkaufen und Jobs retten könnten. Neben der Einzelhandels-Sparte muss auch die zu Woolworths gehörende DVD-Lieferfirma Entertainment UK Insolvenz anmelden. Die Sparten Bertram Books und 2 Entertain sollen bestehen bleiben.
Das 99 Jahre alte britische Unternehmen hat im ersten Halbjahr einen Rekordverlust von 90,8 Millionen Pfund eingefahren.
Woolworths leidet unter dem Konjunktureinbruch sowie der wachsenden Konkurrenz durch Supermärkte, Fachgeschäfte und Onlinehändler. Dennoch verkauft der Konzern noch immer mehr Süßigkeiten als jeder andere Händler in Großbritannien und hält auch beim Absatz von Spielzeugen, Kinderbekleidung und Haushaltswaren eine Spitzenposition.
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(sueddeutsche.de/Reuters/dpa/pak/tob)
Vor G-8-Gipfel in Camp David
Warum wird eigentlich jede, aber auch wirklich jede Pleite zur Zeit der Finanzkrise zugeordnet? Ein Unternehmen, welches 500 Millionen Euro schulden anhäuft, hat das nicht "über Nacht" getan. Autoproduzenten, die blind Jahr für Jahr am Markt vorbeigebaut und entwickelt haben, sind natürlich eingebrochen. Die Finanzkrise hat das vielleicht etwas beschleunigt - aber zusammengebrochen wären sie dennoch.
Aber passt schon: Eine solche Meldung ist ein typische Win-Win-Situation: Die Journaille kann eine Panikmeldung mehr veröffentlichen, die armen Unternehmer waschen ihre unfähigen Hände in Unschuld - war ja die Finanzkrise. Gearscht ist nur der Leser...
Liebe Süddeutsche Redaktion - journalistische Sorgfaltspflicht - ist nicht nur ein Schlagwort! "Recherche" bedeutet nicht, Agentur-Meldungen abzutippen.
Woolworth steht doch schon seit etlichen Jahren kurz vor der Pleite, aber jetzt können die Manager sie leichter durchziehen, ohne ihr Gesicht zu verlieren. Es war nicht ihr Versagen, es war die Finanzkrise.