Der missglückte Opel-Deal ist für Angela Merkel einer der schwersten Rückschläge in ihrer Kanzlerschaft - noch nie stand sie in der Öffentlichkeit so gelackmeiert da.
Der missglückte Eigentümerwechsel bei Opel ist für Angela Merkel einer der schwersten Rückschläge in ihrer Kanzlerschaft. Noch nie stand sie in der Öffentlichkeit so gelackmeiert da. Noch nie musste Merkel in so geradezu demütigender Weise ihre eigenen Worte wieder einsammeln.
Hatte sich früh für Magna als Opel-Käufer ausgesprochen, jetzt kam die Schlappe für Kanzlerin Angela Merkel. (© Foto: ddp)
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Nach der ersten Entscheidung von General Motors zum Verkauf von Opel zwei Wochen vor der Bundestagswahl hatte die Kanzlerin Geduld, Zielstrebigkeit und Klarheit als Gründe für den vermeintlichen Vermittlungserfolg der Bundesregierung und ihrer Person gepriesen. Nun wirkt sie eher naiv, uninformiert und betrogen. Und es entbehrt nicht der Ironie, dass Merkel, der doch dauernd vorgeworfen wird, sie lege sich nie fest, nun zu hören bekommt, sie habe sich zu schnell auf Magna festgelegt.
Im Video: In der Hessischen Landesvertretung haben sich Politiker von Bund und Ländern getroffen, um über die Zukunft von Opel zu beraten.
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Natürlich hat sich GM gegenüber Merkel nicht nett verhalten. Man könnte fast ein wenig Mitleid haben mit der Kanzlerin, aber Mitleid verdienen allenfalls die Opel-Mitarbeiter, als politische Kategorie taugt es nicht. Merkel hat sich im Fall Opel für eine Form der staatlichen Intervention entschieden, bei der sie von den selbsternannten Gralshütern der Marktwirtschaft skeptisch beäugt, kritisiert und vom eigenen Wirtschaftsminister sogar konterkariert wurde. Aus so einem Versuch, den Staat zum wirtschaftlichen Akteur zu machen, muss ein Politiker als Sieger hervorgehen, wenn der Versuch legitimiert und als Exempel statuiert werden soll. Merkel aber hat verloren, während Barack Obama gewonnen hat.
Das nächste Mal - und die Wirtschaftlslage ist nicht so, dass man ein nächstes Mal ausschließen könnte - wird die Kanzlerin vorsichtiger sein. Dabei wäre gerade aus dem Fall Opel womöglich die gegenteilige Lektion zu lernen: Es ist nicht so, dass sich hier der Staat der Wirtschaft als unterlegen erwiesen hat - vielmehr hat sich in GM ja gerade ein Unternehmen durchgesetzt, das sich der Staat vorher in einer Weise angeeignet hatte, die in Deutschland von der FDP und dem Wirtschaftsflügel der Union sofort als Neo-Sozialismus denunziert worden wäre. Hierzulande galten schon Kredite und Bürgschaften über vier Milliarden Euro als ordnungspolitischer Sündenfall. Obamas Regierung aber ist GM-Mehrheitseigner und hat mehr als 50 Milliarden Dollar Steuergeld in die Firma gepumpt. Pragmatismus ist hier der Bruder des Kapitalismus.
Der einzig erfreuliche Aspekt an der Opel-Geschichte ist für Merkel, dass die Liberalen inzwischen bei ihr am Kabinettstisch sitzen. Das verhindert, dass der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle nächste Woche auf Merkels Regierungserklärung mit einer besonders schrillen Philippika gegen die Opel-Politik der Bundesregierung antwortet - er gehört ja jetzt dazu. So finden auch die Liberalen erzwungenermaßen endlich zu einer einheitlichen Linie. Nachdem sie bisher im Bund immer verurteilten, was sie in den Landesregierungen klammheimlich mitgetragen haben, müssen sie jetzt überall für das sein, was sie eigentlich ablehnen.
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(SZ vom 06.11.2009/mel)
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Als Staatsoberhaupt sollte man über den Dingen stehen, ja sogar über den Parteien. Angela Merkel ist Kanzlerin aller, nicht nur einiger Deutschen. Ein gutes Beispiel ist Obama, der sich weder in den Verkauf Chryslers an Fiat noch in die Opelsache einmischte. Ein schlechtes Beispiel war sein Amtsvorgänger Jimmy Carter, der sich wie Frau Merkel in Details einmischte, anstatt sie den Spezialisten zu überlassen. Der Verkauf einer Firma an eine andere ist Sache des Wirtschaftsministeriums, nicht des Kanzleramts. Putins Idee, spezifische Probleme zur Chefsache zu erklären und dem zuständigen Ministerium wegzunehmen, entstammt der Welt der Diktaturen und unterminiert den Respekt.
GM ist ein Konzern und hat nach seinen Prämissen entschieden. Der Fehler ist, dass sich die Politik in Wirtschaft zu sehr einmischt und immer gleich mit Hilfspaketen kommt. Wenn ein Handwerksbetrieb Pleite geht, ist es der Politik schlichtweg egal oder schei... egal.
In Bezug auf die Bundestagswahl, war seit Ende letzten Jahres klar, dass nichts gemacht wird, was Wählerstimmen in größerer Zahl in Gefahr bringt. So wurde im letzten Jahr Wirtschaftspolitik gemacht. Wobei klar war, dass nach der Wahl alles leicht wieder anders sein kann und darf. Alle Politiker, die in hohen und höchsten Ämtern sind, wissen schließlich ganz gut, wie man da hin kommt und was man tun muß, um sich zu halten.
Deshalb würde ich noch nicht einmal von Halbwahrheiten ausgehen, sondern eher von Unwahrheiten. In einer Wahlversammlung behauptete der hiesige CSU-Abgeordnete "...und Opel haben wir auch erfolgreich gerettet." Auf meine Erwiderung, dass das doch nicht stimme, da noch gar nichts abgeschlossen sei, meinte er nur "Aber sicher, das ist alles perfekt". Und ich antwortete: "Nichts ist unter Dach und Fach und die Amis werden Opel-Technologie niemals aus der Hand geben, geschweige denn nach Russland."
Auf den Hinweis, dass da immer noch mehrere Kandidaten im Spiel sind (Juli), die sich um Opel bewerben, meinte er nur, dann müsse er sich nochmal informieren.
Das zeigt mir, dass die Marschroute war: "Opel ist gerettet." Das mußte ahnungslosen Wählern immer wieder versichert werden. Deshalb auch nochmal der Coup von September, als angeblich alles perfekt war (außer der Unterschrift).
Die Bundesregierung hat vor der Wahl anscheinend nur Halbwahrheiten verbreitet. CDU/CSU/FDP haben davon profitiert, für die SPD gab es nicht mal mehr den brühmten 'feuchten Händedruck' (höchsten vom Bundeshorsti). Dieser Zwergenaufstand der deutschen Politik, einfach nur peinlich.
Ich habe an anderer Stelle mal Folgendes geschrieben:
"Aber natürlich hat der Bundeskanzlerin niemand Nichts verschwiegen.
Der Verwaltungsrat von General Motors (GM) ist ein 13-köpfige Gremium. Nach dem Insolvenzverfahren wurde die Runde mit Vertretern der neuen Anteilseigner, also den Vereinigten Staaten und Kanada, teilweise neu besetzt. Der Verwaltungsrat hat selbstverständlich nicht im voraus gewußt, wie er entscheiden wird. Nein, nein; schließlich werden solche Entscheidungen erst am gleichen Abend ausgewürfelt. Und selbst wenn er es gewußt hätte (was er ja keinesfalls hat), hätte er selbstverständlich nicht die Obama-Administration informiert. Und die hätte ja auch unter keinsten Umständen den Präsidenten informiert; schließlich erwartet man ja hohen, ach was sage ich, allerhöchsten Besuch aus Deutschland.
Also bitte, liebe Freunde, die ganze Geschichte stinkt doch zum Himmel."
Es macht sich bei mir so ein seltsames Gefühl in der Magengegend breit. Vielleicht meine ich aber auch nur, das Gras wachsen zu hören. Wer weiß?
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