Opel-Übernahme Russen interessiert nur Opels Technologie

Der Magna-Partner Sberbank will in erster Linie eines: Opel-Technologie nach Russland holen. Alles andere sei "reine Zeitverschwendung".

Von Thomas Fromm und Javier Cáceres

Wenn an diesem Montag in Rüsselsheim der künftige Opel-Eigner Magna mit Opel-Betriebsräten und hochrangigen Managern über den Stellenabbau verhandelt, geht es ums Ganze. Die Beteiligten müssen sich auf strittige Details einigen - und damit die Frage klären, wie sich die geplanten Kürzungen über die einzelnen Werke verteilen werden.

Die Zeit drängt: Bis Ende November soll der Deal, bei dem das Konsortium des österreichisch-kanadischen Autozulieferers Magna und der russischen Sberbank 55 Prozent an Opel kaufen wird, abgeschlossen sein. Insgesamt sollen in Europa dann 10.500 Jobs wegfallen, davon allein 4500 bei Opel in Deutschland.

Vor allem den Vertretern aus Bochum dürfte überhaupt nicht gefallen, was die Magna-Spitze anzubieten hat: Unter den deutschen Werken ist der Standort Bochum am stärksten betroffen. 2045 Jobs sollen hier gestrichen werden. Bereits im Vorfeld hatte der Bochumer Opel-Betriebsratschef Rainer Einenkel kritisiert, dass das Bochumer Getriebewerk mit 650 Mitarbeitern geschlossen werden und die Fertigung nach Österreich verlagert werden soll.

Protest in Spanien

Am Opel-Stammsitz in Rüsselsheim sollen über 1800 Arbeitsplätze wegfallen; 1100 davon in der Verwaltung. Weitere 283 Beschäftigte sollen im Werk Kaiserslautern ihre Arbeit verlieren. Das Werk Eisenach bleibt dagegen von Stellenstreichungen verschont, da Produktionskapazitäten aus dem spanischen Saragossa nach Thüringen verlagert werden.

Zur Sprache kommen dürften am Montag auch jüngste Aussagen des Sberbank-Chefs German Gref. In einem Interview mit der russischen Nachrichtenagentur RIA Nowosti erläuterte er erstmals die Gründe für die Beteiligung an der Übernahme: Demnach gehe es der staatlichen Bank in erster Linie darum, Technologie von Opel nach Russland zu holen. Gebe es keinen Technologietransfer, bedeute dies, dass die Übernahmevereinbarung "reine Zeitverschwendung" sei, sagte Gref.

Bestätigt wurden die Ambitionen der Sberbank indirekt vom russischen Ministerpräsidenten Wladimir Putin, der das russische Engagement am Wochenende als "ermutigendes Beispiel" bezeichnete. Russland sei auf "das Wissen und die Erfahrung der Hauptakteure" der Weltwirtschaft angewiesen. Finanzielle Mittel seien "wichtig", reichten allein aber nicht aus.

Unterdessen hagelt es in Spanien Proteste. Für die 1,2-Millionen-Einwohner Region Aragonien ist das Figueruelas-Werk, das massiv vom Stellenabbau bedroht ist, von vitaler Bedeutung. Opel steuert fünf Prozent zum Bruttoinlandsprodukt der Region bei. Zurzeit sind dort 7500 Menschen beschäftigt, indirekt hängen weitere 13.000 Arbeitsplätze an Figueruelas. Nach derzeitigem Stand sollen hier bis zu 1700 Arbeitsplätze gestrichen werden, obwohl er als der rentabelste und produktivste General-Motors-Standort überhaupt gilt.