Im Ringen um Opel läuft alles auf das Konsortium um Magna hinaus. Doch ein großes Risiko bleibt: Wie werden die Kunden des Zulieferers reagieren?
Die Halle K48 bei Opel in Rüsselsheim ist ein beliebter Veranstaltungsort. Hier forderte Ende März Bundeskanzlerin Angela Merkel den angeschlagenen Autobauer auf, sich einen privaten Investor zu suchen. Sonst gebe es kein Geld vom Staat. Und mit Blick auf Autos für die Zukunft rief die CDU-Politikerin den Opel-Chefs damals zu: "Strengen Sie sich an." An diesem Freitag war K48 wieder gut besucht. Etwa 5000 Mitarbeiter kamen zur Betriebsversammlung. Es war "richtig voll", berichtete ein Teilnehmer.
Der Zulieferer Magna hat die besten Chancen, den Zuschlag für Opel zu erhalten. (© Foto: AP)
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Klaus Franz, der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats, schilderte die Lage von Opel und sprach auch über die Suche nach Investoren. Der chinesische Autobauer BAIC, der erst spät ins Rennen um Opel eingestiegen ist, sei kein geeigneter Partner, betonte Franz. Der Firma aus Peking fehle Wissen über die globale Autoindustrie.
Ripplewood - ein "Dummy" von GM
Den amerikanischen Finanzinvestor Ripplewood und dessen Europa-Ableger RHJ umschrieb Franz als "Dummy" von General Motors (GM), dem bisherigen Opel-Alleineigentümer. Womöglich kann Franz diesen Kandidaten auch gleich wieder vergessen. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung hat GM seit Dienstag nicht mehr mit dem Finanzinvestor gesprochen.
Dann nannte der Betriebsrat das Konsortium des Zulieferers Magna mit dem russischen Autohersteller Gaz und der Moskauer Staatsbank Sberbank "die beste Alternative" für Opel. Allerdings kämen auf die Belegschaft auch bei diesem Investor, der 4,5 Milliarden Euro Staatshilfe beansprucht, große Opfer zu. Magna fordert eine Kostensenkung von einer Milliarde Euro.
Nach dem jetzigen Stand wird Opel eine neue Heimat bei der österreichisch-kanadischen Magna-Gruppe finden - es sei denn, die Hardliner innerhalb des GM-Managements setzen sich wider Erwarten doch noch durch und stellen neue Forderungen. Die bisher von ihnen verlangte Option zum Rückkauf der Opel-Anteile nach einigen Jahren ist inzwischen vom Tisch. Magna wollte sie nicht akzeptieren. Auch die Bundesregierung und die vier Länder mit Opel-Standorten, die den Überbrückungskredit von 1,5 Milliarden Euro für den deutschen Autobauer vor Pfingsten arrangiert hatten, waren dagegen.
Der Kunde als Risiko
Die Frage der Pensionsverpflichtungen von Opel sei ebenfalls geklärt, heißt es im Magna-Umfeld. Die 3,9 Milliarden Euro sollen weiterhin durch das laufende Autogeschäft erwirtschaftet werden. Es bleibe "nur ein Knackpunkt", erfuhr die SZ. Das ist der Vertrieb von Autos der GM-Marke Chevrolet auf dem russischen Markt. Die wären eine echte Konkurrenz zu den Opel-Modellen. Magna würde die Chevrolets gern selbst verkaufen. Noch sträubt sich GM. "Der Punkt ist lösbar", versichern Insider.
"In Russland gibt es erhebliches Wachstum", schwärmt ein Magna-Mann über die guten Aussichten für Opel. Die Austro-Kanadier haben einen mächtigen Verbündeten: den russischen Ministerpräsidenten Wladimir Putin. Der will Gaz und Opel zusammenbringen, wie es scheint um jeden Preis. Finanzieren soll das Ganze die Sberbank, die 35 Prozent der Opel-Anteile bekommen soll. GM behielte 35 Prozent, Magna bekäme 20 Prozent, zehn Prozent die Belegschaft.
Ein Risiko sind für Magna die eigenen Kunden. Der VW-Konzern, der größte Magna-Kunde, hat bereits angedeutet, seine Aufträge von Magna abzuziehen, sollte das Unternehmen vom Lieferanten zum Konkurrenten werden. Kein Problem, heißt es bei Magna: "Wir werden manche VW-Aufträge behalten." Fachleute glauben, auch andere Hersteller könnten Aufträge kappen. Ein Daimler-Manager lässt durchblicken, der Stuttgarter Autohersteller mache sich Sorgen über die Sicherheit der Lieferungen von Magna, weil die Gefahr bestehe, dass sich Magna mit Opel übernehme.
Schwieriger Markt
Auch der russische Markt ist für die Neulinge schwierig, die Ambitionen sind aber hoch. Opel soll dort nach den Magna-Plänen mittelfristig einen Marktanteil von 22 Prozent schaffen. Davon ist die Marke mit derzeit weniger als drei Prozent aber weit entfernt. Die Verkäufe gehen sogar schneller zurück als der Gesamtmarkt. Daher gibt sich das Magna-Management auch bescheiden: "Wir hätten schon viel erreicht, wenn wir die Erosion des Marktanteils stoppen." Auch Klaus Mangold, der Vorsitzende des Ost-Ausschusses der deutschen Wirtschaft, äußert sich zu dem Opel-Plan nur vage.
Er sei an den Gesprächen von Opel, Magna und den russischen Partnern nicht beteiligt gewesen, sagte er auf Anfrage. Was er von dem Projekt halte, sagt er nur er zurückhaltend: "Ich kann die betriebswirtschaftliche Struktur nicht beurteilen." Optimismus kann man aus den Worten nicht heraushören. Aber er hält den Plan "für ein wichtiges deutsch-russisches Projekt, das meine volle Unterstützung hat".
German Gref, Chef der Sberbank, zeigt gleichfalls wenig Begeisterung für das Lieblingsprojekt des Regierungschefs. Er sehe keine Konkurrenz für dieses Projekt, sagte der frühere Wirtschaftsminister. Die Frage sei aber, "wie der Deal strukturiert wird". Demnach ist selbst dem entscheidenden Finanzierer noch nicht klar, wie die neue Firma aussehen soll. Gref erwähnt auch gerne, dass seine Bank den Anteil an Opel nicht lange halten will.
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(SZ vom 04.07.2009/tob)
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