Opel: Suche nach Investor "Der Ausgang ist offen"

Magna und Opel - die Übernahme schien nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Jetzt haben sich die Vorzeichen gedreht. General Motors hält andere Interessenten bei der Stange - und sich selbst alle Optionen offen.

Als die Bundesregierung vor knapp vier Wochen den österreichisch-kanadischen Autozulieferer Magna als neuen Investor für Opel kürte, da war die Marschroute klar: In wenigen Wochen sollten die Modalitäten des Deals ausgehandelt werden, natürlich gab es noch wichtige Fragen zu klären - doch der Grundsatz schien klar: An dem Investor Magna sollte kein Weg mehr vorbeiführen.

Das hat sich inzwischen offenbar geändert. Denn einem Bericht des Handelsblatts zufolge läuft die Investorensuche überhaupt nicht geradlinig auf das Konsortium um Magna, den russischen Autohersteller Gaz sowie die russische Sberbank zu. Vor allem die ehemalige Opel-Mutter General Motors (GM) torpediert die Verhandlungen offenbar immer wieder. Deutliche Worte findet dem Bericht zufolge ein Sprecher des US-Konzerns: Man führe Gespräche mit verschiedenen Bietern. "Der Ausgang ist offen."

Weitere Bieter willkommen

Auch Fred Irvin, der Vorsitzende des Opel-Treuhänderbeirats, lässt sich nicht auf Magna festlegen. Zwischen GM und Magna existiere nur eine Absichtserklärung. "Dieses Memorandum of Understanding besitzt keine rechtliche Bindung", sagte Irwin. "Allen Interessenten stehen die gleichen Informationsrechte zu", sagte er weiter.

Zu den anderen Interessenten gehört neben dem italienischen Fiat-Konzern auch der chinesische Autohersteller BAIC. Unternehmenskreisen zufolge nimmt derzeit eine Delegation von BAIC "jeden Stein in Rüsselsheim unter die Lupe", heißt es in dem Handelsblatt-Bericht.

Ebenso hat auch der Finanzinvestor Ripplewood die Erlaubnis bekommen, die Opel-Bücher einzusehen. Weitere Bieter seien willkommen, sagte Irwin. Entschieden werden solle am Ende nicht nach politischen Gesichtspunkten. "Wir sind rein kaufmännischen Kriterien verpflichtet", unterstrich Irwin.

Damit würden sich Aussagen des Bundeswirtschaftsministers bestätigen. Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hatte bereits unmittelbar nach Unterzeichnung des Memorandums of Understanding mit Magna deutlich gemacht, dass weitere Interessenten noch im Rennen seien und ein Abschluss für den Zulieferer keineswegs ausgemachte Sache sei. Guttenberg will damit verhindern, dass Magna sich in den Verhandlungen zu sicher fühlt.

Zeitlicher Vorsprung

Opel liegt derzeit zu 65 Prozent im Besitz der Treuhand-Gesellschaft, um das Unternehmen aus der Insolvenzmasse des GM-Konzerns herauszuhalten, der unter dem US-Insolvenzrecht Chapter 11 steht. GM bleibt mit 35 Prozent an Opel beteiligt. Magna möchte mit der russischen Sberbank 55 Prozent von der Treuhand übernehmen, zehn Prozent sollen an Händler und Mitarbeiter gehen.

GM lässt sich jedoch alle Optionen offen. Angestrebt würden zumindest zwei ernsthafte Angebote, hieß es in Verhandlungskreisen. Alle hätten die gleichen Rechte, Magna besitze lediglich einen zeitlichen Vorsprung.

Ohnehin könnte Opel in den letzten Wochen deutlich attraktiver für Investoren geworden sein. Denn wirtschaftlich lief es bei dem deutschen Hersteller bislang besser als befürchtet, vor allem dank der deutschen Abwrackprämie und guten Bestellzahlen für das neue Spitzenmodell Insignia. Dem Handelsblatt zufolge konnte Opel ein Liquiditätspolster in niedriger einstelliger Millionenhöhe ansammeln. Auch deshalb wird längst nicht mehr ausgeschlossen, dass GM versuchen könnte, Opel nach erfolgreicher Sanierung zurückzukaufen.

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