Von C. Busse und C. Hickmann

Während in Berlin verhandelt wird, versuchen Opelaner in Bochum und Rüsselsheim die Normalität zu bewahren.

Es geht um letzte Hoffnungen an diesem Freitagmittag, um endgültige Entscheidungen, und während sie in Berlin reden, zerren, taktieren, ringen, sitzt in Rüsselsheim ein Mann auf einer kleinen Mauer und sagt, dass dies doch eigentlich ein Tag wie jeder andere sei.

Opel, Reuters

"Wir entwickeln Fahrzeuge, die Verhandlungen machen andere": Arbeiter in den Opel-Werken Rüsselsheim und Bochum zeigen sich fatalistisch. (© Foto: Reuters)

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Er blinzelt, die Sonne steht hoch am Opel-Entwicklungszentrum, Tor 45, es ist Mittagspause. Neben ihm sitzt ein Kollege, der nichts sagt, sondern auf den Boden schaut und hin und wieder nickt. "Seit 'nem halben Jahr" gehe das doch nun so, sagt der andere dann. Und sein Kollege nickt noch einmal.

Mehr müssen sie auch gar nicht sagen, weil der Kampf um Opel ein öffentlicher Kampf ist und man deshalb weiß, wie lang sie nun schon mit der Ungewissheit leben und der Angst. So lange, dass sie vielleicht irgendwann abgestumpft sind, so sehr, dass sich dieser Freitag am Ende wirklich anfühlt wie so viele Tage in den vergangenen Monaten.

"Die Verhandlungen machen andere"

Vielleicht wird das Ganze aber auch erträglicher, wenn man sich genau das einredet. Was sollen sie auch machen, die Mittagspause ist jetzt vorbei, sie müssen zurück, zum Abschied sagt der Opel-Mann noch, dass sie sowieso nichts wüssten. "Wir entwickeln Fahrzeuge, und die Verhandlungen machen andere."

Das klingt, als spiele sich das Drama in zwei verschiedenen Welten ab. Es gibt jene Welt, von der sie hier aus dem Radio erfahren, aus den Mitteilungen des Betriebsrats. Es ist die Welt der Verhandlungen, der Worte und des Geldes, irgendwo da draußen in der Hauptstadt.

Die andere Welt ist ihre Welt, und hier am Tor 45 wirkt sie sehr real, verglichen mit den Wasserstandsmeldungen aus diversen Verhandlungsrunden. In der Sonne über Rüsselsheim ragen die hohen, funktionalen Gebäude des Entwicklungszentrums auf, Fassaden aus Glas, Stahl, Kunststoff. Während alles auf der Kippe steht, wirken sie unverrückbar, seltsam unberührt von dem Kampf da draußen.

Fragen aus einer anderen Welt

Menschen laufen an ihnen vorbei, die meisten in kleinen Gruppen, auch sie wollen nach außen so wirken, gelassen, als betreffe sie das alles kaum. "Gut" sei die Stimmung, sagen all jene, die überhaupt eine Antwort geben. Sie sind es leid, dass ihr Bangen und Hoffen öffentlich zu betrachten ist, von der gesamten Republik.

Dass es in ihnen anders aussieht, ganz anders, ist nur dann zu hören, wenn sie eine andere Frage beantworten: Fiat oder Magna, welchen Investor sie bevorzugten? Dann zucken sie mit den Schultern oder schütteln den Kopf, als käme allein die Frage aus einer anderen Welt. Das sei doch nun wirklich egal, sagen sie dann. Hauptsache, es gehe weiter.

Es ist noch so ein Moment, in dem man spürt, wie sehr sie sich abgekoppelt fühlen müssen von der Welt der Debatten und Verhandlungen. Fiat oder Magna, das klingt wie eine Frage in einem Fernseh-Gewinnspiel, während es für die Menschen hinter Tor 45 schon lang nicht mehr ums Gewinnen geht. Sondern darum, nicht alles zu verlieren.

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  1. Sie lesen jetzt "Je länger die reden, desto besser"
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