Ein Kommentar von Hans-Jürgen Jakobs

Großes Bemühen, wenig Erfolg: Die Regierung hat sich bei der Rettung von Opel entzaubert. Sie nahm sich wichtiger, als sie war. Die Musik spielt in Washington, nicht in Berlin.

Sie haben sich bemüht. Sie traten vor den Opel-Arbeitern auf, versprachen Hilfe oder zumindest ein offenes Ohr. Sie schlugen sich die Nacht in Sitzungen mit Käsebrötchen und Kaffee um die Ohren. Und sie stehen doch so da, wie sie in den Rettungs-Marathon hineingegangen sind: mit leeren Händen.

Steinbrück, Koch, Guttenberg

Trio ohne Macht im Fall Opel: Roland Koch, Karl-Theodor zu Guttenberg und Finanzminister Peer Steinbrück. (© Foto: ddp)

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So ist das, wenn deutsche Politiker im Wahlkampf ein Unternehmen retten wollen, das Amerikanern gehört - die weit weg, in Detroit und Washington, ihre ganz eigenen Pläne haben. Und so scheiterte der Plan, Fiat oder Magna als wunderbare Käufer für Opel den Chefs des Mutterkonzerns General Motors und der US-Regierung zu präsentieren.

Warum sollen die transatlantischen Freunde einen Deal mit Deutschland machen, nur weil da gerade Wahlkampf ist? Warum soll Barack Obama das Geld amerikanischer Steuerzahler für die Rettung eines aus der Mode gekommenen Autobauers aus Rüsselsheim einsetzen? Warum sollte kurz vor der generalstabsmäßig geplanten Insolvenz der Mutter General Motors noch ein Sondergeschäft in Europa abgeschlossen werden, das allenfalls rechtliche Fragen der Bewertung aufwirft?

Nichts zu bestimmen

So einfach ist es eben nicht, nach 80 Jahren Opel von seinem Eigentümer zu trennen. Schaut man einmal ruhig, lösgelöst von den üblichen Wahlkampftiraden und Arbeiterführer-Inszenierungen auf die Gemengelage, dann bleibt der Eindruck, die Deutschen hätten sich wichtiger genommen als sie sind.

Der Bundeswirtschaftsminister machte von Beginn an einen höchst dynamischen Eindruck, als er in die USA reiste und telegen Hände schüttelte. Nur: Herausgeholt hat er nichts. Karl-Theodor von und zu Guttenberg (CSU) wurde genau wie die anderen Kabinettsmitglieder in der Sitzung von Mittwoch auf Donnerstag von neuen Finanzlöchern bei GM und Forderungen der US-Regierung überrascht. Er war nicht im Film.

Auch kann man die Tatsache, dass die Amerikaner gewissermaßen eine Delegation ohne Prokura nach Berlin schickten, gar nicht missinterpretieren: Sie wollen jetzt keinen Abschluss mit Germany. Später vielleicht, wenn Chapter Eleven läuft, und die deutschen Wahlkämpfer genügend Milliarden investieren.

Entzauberung allerorten

Von daher gesehen wurde schon am Donnerstag, nach der desillusionierenden Nachtsitzung im Kanzleramt, klar, dass der für Freitagnachmittag von Angela Merkel angesetzte Termin zur finalen Absprache in Sachen Opel substanzlos bleiben würde. Die Deutschen haben in dieser Sache nichts zu bestimmen, weil ihnen nichts gehört. So einfach ist das. Die Absage von Fiat für das Kanzleramt-Gespräch am Freitagmorgen machte das vollends klar. Und bei Magna stellen sich so viele Fragen, dass ohnehin ein rascher Opel-Zuschlag fragwürdig wäre. Vielleicht geht es ja eher darum, den russischen Staat zum Automobilland zu machen.

Entzauberung allerorten: Das gilt auch für den emsigen, jungen Minister Guttenberg, der in der ZDF-Talkshow "Maybrit Illner" am Donnerstagabend einen wenig druckvollen, eher grüblerischen Eindruck machte. Hier ist einem Willigen die Sache offenbar über den Kopf gewachsen. Schon häuft sich die Kritik an dem CSU-Politiker: Vom Fiat-Konzern, der sich zu immer neuen Zahlungen gepresst fühlt. Und von der US-Regierung, die Guttenbergs Vorwürfe in Richtung Washington (mehr Seriosität sei erforderlich) strikt dementiert.

Das Fatale ist, dass die Koalition - auf Spur gebracht durch den Interventionismus des SPD-Kandidaten Frank-Walter Steinmeier - den Eindruck erweckt hat, sie könne in dem diffizilen Dreieck zwischen Rüsselsheim, Detroit und Washington irgendetwas rasch bewegen. Das machte Hoffnungen, wo Realismus gefragt wäre.

Es war ein Wettlauf um die beste Helfer-Wirkung. Doch helfen wollen sich die Amerikaner selber. Da brauchen die weder Union noch SPD. Und, wer weiß: Vielleicht hat Opel ja im neu strukturierten General-Motors-Konzern eine Zukunft. Steinmeier, Guttenberg und die anderen Stimmenfänger müssen sich dann halt mit den Problemfällen HRE, Schaeffler, Porsche und Arcandor beschäftigen.

Es gibt genug zu tun.

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(sueddeutsche.de/tob)