Großes Bemühen, wenig Erfolg: Die Regierung hat sich bei der Rettung von Opel entzaubert. Sie nahm sich wichtiger, als sie war. Die Musik spielt in Washington, nicht in Berlin.
Sie haben sich bemüht. Sie traten vor den Opel-Arbeitern auf, versprachen Hilfe oder zumindest ein offenes Ohr. Sie schlugen sich die Nacht in Sitzungen mit Käsebrötchen und Kaffee um die Ohren. Und sie stehen doch so da, wie sie in den Rettungs-Marathon hineingegangen sind: mit leeren Händen.
Trio ohne Macht im Fall Opel: Roland Koch, Karl-Theodor zu Guttenberg und Finanzminister Peer Steinbrück. (© Foto: ddp)
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So ist das, wenn deutsche Politiker im Wahlkampf ein Unternehmen retten wollen, das Amerikanern gehört - die weit weg, in Detroit und Washington, ihre ganz eigenen Pläne haben. Und so scheiterte der Plan, Fiat oder Magna als wunderbare Käufer für Opel den Chefs des Mutterkonzerns General Motors und der US-Regierung zu präsentieren.
Warum sollen die transatlantischen Freunde einen Deal mit Deutschland machen, nur weil da gerade Wahlkampf ist? Warum soll Barack Obama das Geld amerikanischer Steuerzahler für die Rettung eines aus der Mode gekommenen Autobauers aus Rüsselsheim einsetzen? Warum sollte kurz vor der generalstabsmäßig geplanten Insolvenz der Mutter General Motors noch ein Sondergeschäft in Europa abgeschlossen werden, das allenfalls rechtliche Fragen der Bewertung aufwirft?
Nichts zu bestimmen
So einfach ist es eben nicht, nach 80 Jahren Opel von seinem Eigentümer zu trennen. Schaut man einmal ruhig, lösgelöst von den üblichen Wahlkampftiraden und Arbeiterführer-Inszenierungen auf die Gemengelage, dann bleibt der Eindruck, die Deutschen hätten sich wichtiger genommen als sie sind.
Der Bundeswirtschaftsminister machte von Beginn an einen höchst dynamischen Eindruck, als er in die USA reiste und telegen Hände schüttelte. Nur: Herausgeholt hat er nichts. Karl-Theodor von und zu Guttenberg (CSU) wurde genau wie die anderen Kabinettsmitglieder in der Sitzung von Mittwoch auf Donnerstag von neuen Finanzlöchern bei GM und Forderungen der US-Regierung überrascht. Er war nicht im Film.
Auch kann man die Tatsache, dass die Amerikaner gewissermaßen eine Delegation ohne Prokura nach Berlin schickten, gar nicht missinterpretieren: Sie wollen jetzt keinen Abschluss mit Germany. Später vielleicht, wenn Chapter Eleven läuft, und die deutschen Wahlkämpfer genügend Milliarden investieren.
Entzauberung allerorten
Von daher gesehen wurde schon am Donnerstag, nach der desillusionierenden Nachtsitzung im Kanzleramt, klar, dass der für Freitagnachmittag von Angela Merkel angesetzte Termin zur finalen Absprache in Sachen Opel substanzlos bleiben würde. Die Deutschen haben in dieser Sache nichts zu bestimmen, weil ihnen nichts gehört. So einfach ist das. Die Absage von Fiat für das Kanzleramt-Gespräch am Freitagmorgen machte das vollends klar. Und bei Magna stellen sich so viele Fragen, dass ohnehin ein rascher Opel-Zuschlag fragwürdig wäre. Vielleicht geht es ja eher darum, den russischen Staat zum Automobilland zu machen.
Entzauberung allerorten: Das gilt auch für den emsigen, jungen Minister Guttenberg, der in der ZDF-Talkshow "Maybrit Illner" am Donnerstagabend einen wenig druckvollen, eher grüblerischen Eindruck machte. Hier ist einem Willigen die Sache offenbar über den Kopf gewachsen. Schon häuft sich die Kritik an dem CSU-Politiker: Vom Fiat-Konzern, der sich zu immer neuen Zahlungen gepresst fühlt. Und von der US-Regierung, die Guttenbergs Vorwürfe in Richtung Washington (mehr Seriosität sei erforderlich) strikt dementiert.
Das Fatale ist, dass die Koalition - auf Spur gebracht durch den Interventionismus des SPD-Kandidaten Frank-Walter Steinmeier - den Eindruck erweckt hat, sie könne in dem diffizilen Dreieck zwischen Rüsselsheim, Detroit und Washington irgendetwas rasch bewegen. Das machte Hoffnungen, wo Realismus gefragt wäre.
Es war ein Wettlauf um die beste Helfer-Wirkung. Doch helfen wollen sich die Amerikaner selber. Da brauchen die weder Union noch SPD. Und, wer weiß: Vielleicht hat Opel ja im neu strukturierten General-Motors-Konzern eine Zukunft. Steinmeier, Guttenberg und die anderen Stimmenfänger müssen sich dann halt mit den Problemfällen HRE, Schaeffler, Porsche und Arcandor beschäftigen.
Es gibt genug zu tun.
- Opel: Ringen um die Zukunft Konzept macht einen "guten Eindruck" 30.05.2009
- Opel Der große Showdown 27.05.2009
- Wendung im Rettungskampf Merkel schließt Opel-Insolvenz nicht aus 29.05.2009
- Opel und die Insolvenz Wellensiek - Retter in Rüsselsheim 29.05.2009
- General Motors und Opel Der neue Zauberplan aus Washington 29.05.2009
(sueddeutsche.de/tob)
Linke-Parteitag in Göttingen
Kein Mensch hier fährt Buick, Pontiac, Chevy oder sowas. Bei Cadillac Europa wurde inzwischen schon die Webseite abgeschaltet, so wenig Interesse war da. Und Saturn ist für uns ein Elektromarkt.
Also, wenn GM pleite geht, uns störts nicht. Hauptsache Opel ist davon nicht betroffen. Anders denken ist völlig Irrsinn.
:P
Für uns in Amerika ist Opel einfach nicht von großer Bedeutung. Ehrloich gesagt ist Opel gar nicht mehr von Bedeutung für den Durchschnittamerikaner. Sie Jahrzenten ist die Marke überhaupt nicht mehr hier verkauft. Man denkt and sie nicht mehr daran. GM wird tun, was für GM am besten ist, und nicht für Opel unabhängig von dem Mutterkonzern. Anders denken ist völlig Irrsinn.
Man kann mir ja viel vorwerfen, aber das nicht! Ganz im Gegenteil, ich hab mich vorhin erst in einem Kommentar selbst über dies Unwort aufgeregt.
Abgesehn davon, Sie sollten sich besser informieren. Da die Übernahme von Opel durch Magna durch die Bundesregierung finanziert wird (die sognenante Brückenfinanzierung von 1,5 Milliarden), hat Berlin natürlich auch ein Wort mitzureden. Wer zahlt, bestimmt, noch nie gehört? Und Guttenberg's Anliegen ist ja eben, daß keine deutschen Steuergelder nach Detroit verschwinden, und dafür möchte er vertragliche Garantien. Bin kein Fan von ihm, aber da hat er recht.
Daher trifft ihr Metzgerbeispiel nicht nur nicht den Kern der Sache, es hat tatsächlich mit dem Problem garnix zu tun! Im übrigen würde ich ihnen empfehlen, sich etwas vorsichtiger zu äußern, wenn sie beim Metzger mit einem offensichtlich geistig verwirrten Störenfried zu tun haben. Besser einfach ignorieren! Zu viele scharfe Werkzeuge in Griffweite...
:D
dass die Medien endlich auch das schreiben was sie wissen und erkennen.
Diese Aktion Opel war nichts anderes als Schaumschlägerei.
Einer war dabei bereit den Höhepunkt des Schwachsinns für sich mit allem schauspielerischen Einsatz zu beanspruchen. Der Herr von, zu, bei und mit Guttenberg.
Die von ihm an sich gerissene Vorbereitung der Aktio/Procedere war im Hinblick auf Unfähigkeit nicht zu toppen.
Möglicherweise fühlt sich der eine oder andere Evolutionsforscher jetzt berufen die
Frage zu untersuchen inwieweit dem Adel eine ähnlich Rolle wie den Neanderthaler h für
die Entwicklung auf unserem Planeten zufällt.
Ich denke - und dabei bin ich mir sehr sicher - das Agela Merkel stocksauer auf diesen
Baron ist, der ihr diese Form der Niederlage in dieser pompösen Selbstinszenierung gebracht hat.
Für die Amerikaner eine Lachplatte, bei Illner hilflos mit gedrechselten Sprüchen, für Deutschland einfach nur traurig
Die Politik der amerikanischen Bundesregierung unterscheidet sich wohltuend von der deutschen darin, dass sie nicht die Fiktion entwickelt, in privatem Eigentum befindliche Potenziale, die bestenfalls hochschulöffentlich zugänglich sind, seien der Hoheit einer sich nächtens sich verabredenden illustren Herrenrunde mit Dame unterworfen. Sich dennoch in einer solchermaßen erzeugten Fiktion zu verhalten, verlässt die Sektoren des Wirklichen und schickt sich an, wie Buddhisten das nennen, um Einlass in's Nirwana anzufragen.
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