Rettung auf italienisch: Der Plan von Fiat-Chef Marchionne für Opel ist gewagt, doch bislang ohne echte Alternative.
Natürlich ist es ein ziemlich gewagter Plan, mit dem Fiat-Chef Sergio Marchionne derzeit in Deutschland auf Tour ist. Der unkonventionelle Italiener will den angeschlagenen Autobauer Opel übernehmen, gleichzeitig auch noch beim insolventen US-Anbieter Chrysler einsteigen und so einen neuen, großen und weltweiten Autokonzern schaffen.
Fiat-Chef Sergio Marchionne sprach in Mainz mit Ministerpräsident Kurt Beck. (© Foto: ddp)
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Natürlich wollen sich da drei Schwache zusammentun, die es dann mit den Starken wie etwa Volkswagen aufnehmen müssen. Und klar ist, dass Marchionne es auch auf deutsches Staatsgeld abgesehen hat.
Doch das Sperrfeuer, mit dem Fiat derzeit in Deutschland begrüßt wird, ist unangemessen, vielleicht sogar gefährlich. Nicht nur die Opel-Arbeitnehmer und offenbar Teile des Managements, auch die Politik, etwa Ministerpräsident Kurt Beck oder andere SPD-Repräsentanten, sind mehr oder weniger offen gegen einen Fiat-Einstieg bei Opel. Das ist fahrlässig. Denn bisher gibt es keine Alternative zum Investor Fiat - keine ernstzunehmende zumindest.
Zwar hat auch der österreichisch-kanadische Zulieferer Magna Interesse bekundet. Doch von einem konkreten Konzept ist bisher nichts bekannt. Man weiß auch wenig über Magnas Partner. Spekuliert wird über russische Investoren, doch was die vorhaben, ist unklar. Will Magna ebenfalls Fabriken schließen? Wollen die Russen Jobs aus Westeuropa abziehen?
Dabei drängt die Zeit. Der Opel-Mutterkonzern General Motors muss bis Ende Mai ein Sanierungskonzept vorlegen. Es sieht so aus, als drohe auch GM die Insolvenz. Die Politiker und die Opel-Mitarbeiter sollten sich also konstruktiv verhalten und Fiat unterstützen, statt lediglich zu blockieren und auf den Erhalt aller Arbeitsplätze zu beharren. Wer glaubt, ein Übernehmer von Opel würde alles so belassen wie es ist, also weder Jobs abbauen, noch Fabriken schließen, ist blauäugig. GM selbst hat bereits von Überkapazitäten von 30 Prozent gesprochen. Weltweit gibt es derzeit einfach zu viele Autofabriken und zu wenig Nachfrage - das ist die Realität.
Marchionnes Plan hat auch gute Seiten: So sollen die Zentrale von Opel sowie mindestens drei Standorte in Deutschland erhalten werden. So gibt es offenbar bereits konkrete und schlüssige Konzepte, was zu tun ist. So setzt Fiat mit Opel auf eine europäische Lösung, schützt den hiesigen Industriestandort. Und: Fiat hatte zuletzt mit dem neuen Modell Cinquecento Erfolg. Das ist das, was Opel fehlt: Originelles Design, das auch beim Käufer ankommt.
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(SZ vom 09.05.2009/mel)
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was hier für Kommentare losgelassen werden. Kaum geht's um des Deutschen heiligste Kuh, das Auto, scheinen alle Sicherungen durchzubrennen. Wenn dem Deutschen seine geheiligte Automobil-Hierarchie durcheinander gerät, probt er den Aufstand.
Keine noch so schäbige Sozialabbauschweinerei kann den Michel so in Rage bringen; aber wenn die ewige Automarkenhierarchie, nach der Mercedes stets die Nummer 1 , BMW die Nummer 2, Porsche ohnehin ausser Konkurrenz zu sein hat und Fiat sowieso das letzte ist, in Frage gestellt wird, dann erhitzen sich die Gemüter... wie bei den kleinen Jungs, die Autoquartett spielen...
Ich kann nur den Kopf schütteln.
Fiat ist kein besserere oder schlechterer Investor, als irgendein anderer... und das hohe Roß, auf dem manche Opelfetischisten daherkommen, ist längst nicht mehr angemessen....
Apropos Design: ob man das Panzermobil Insignia nun schöner findet als einen Cinquecento oder nicht, ist eine reine Geschmacksfrage und darüber läßt sich nicht streiten (ich persönlich finde italienischen Chic allemal attraktiver als hessische Hausmannskost), aber dass Fiat Erfahrung mit der Sanierung von vergammelten Automarken hat, steht ausser Zweifel. Ohne Fiat gäbe es Alfa Romeo, Ferrari und Maserati schon längst nicht mehr.
Dieser Artikel liest sich, als wäre er direkt aus der Presseabteilung der Unternehmensberatung Berger vorformuliert weitergegeben worden.
Es ist klar, dass Marchionne es auf deutsches Staatsgeld abgesehen hat? Ah ja und warum sollte solches Geld zur Verfügung gestellt werden?
Marchionnes Plan hat auch gute Seiten? Sehr schön! Und welche sind die weniger guten?
Und warum sind Fragen an die Sinnhaftigkeit eines Fiat-Engagements bei Opel ein Sperrfeuer? Ein gefährliches sogar?
Usw. Ein Deal eben, im üblen Sinn des Wortes.
Ähnlich dem, den die smarten Piechs/Porsches in aller Öffentlichkeit und ohne die geringste Spur von Scham abziehen - zu nichts anderem, als zum Aufhäufen neuer Milliarden im privaten Portefeuille.
Ich finde den Kommentar angemessen: An die Realität!
Jawohl, der Fiat-Chef Sergio Marchionne ist unkonventionell, ...unangepasst. Er weiß, was er will. Und nach meiner Wahrnehmung macht er den Leuten in den Werken nichts vor.
Solch einen Manager sollte man mal in Deutschland suchen.
Hier schlagen sich grade zwei "Chef's" auf dem Rücken des jeweiligen Personals gegenseiteig den Schädel ein.
Es stimmt, das Angebot von Fiat hat die Möglichkeit einer Europäischen Lösung.
Und über Chrysler den Zugang eines Vertriebsnetzes in den USA. Das muß auch mal gesagt werden.
endlich ein vernünftiger kommentar! tagelang hat sich auch die sz fast kindlich-hysterish auf fiat eingeschossen. da wurden emotionen, vorurteile und ressentiments bedient aber kein vernünftiger gedanke zu ende gedacht! immer die empörung über werksverkleinerungen bei einem fiat einstieg, aber nie dei frage "was wird magna machen?" ja glaubt denn jemand, die führen ein unternehmen genauso weiter, wenn es allein in den letzten beiden quartalen 3,6 millliarden verlust eingefahren hat? was kann magna wirklich bieten? woher soll das geld für entwicklung in neuartige antribessysteme kommen, die die konkurrenz auf den markt bringen wird?
aber wie so oft wurde auch hier bestätigt: vorurteile und angst vor dem unbekannten gründen im unwissen: wie oft hat man gelesen, fiat sei ein krankes unternehmen? ja, sie habenn och gewisse schulden aus der vergangenheit, aber sind finanziell am kreditmarkt nicht mehr exponiert als viele konkurrenten und sie können die schulden aus dem laufenden geschäft problemlos bedienen, deshalb wurde in den letzten jahren auch gewinn ausgeschüttet und nicht jeder cent verbindlichkeit zurückgezahlt.
nebenbei ist fiat nach großen investitionen der vergangenen jahre technisch gerade dabei auf die überholsput abzubiegen: neue extrem verbrauchsarme benziner plus ein innovativer hybridantrieb, der das schafft, woran die japaner bisher scheiterten: klein und raumökonmisch zu sein und so in kleinwagen passt, während in fernost hybridantriebe nur in mittelklassewagen eingebaut werden können!!!
Du vergisst,GM ist der Opel Besitzer und an wem das ganze gehen soll,liegt in Detriods Hand.
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