Zukunftspläne: Opel kalkuliert in seinem Sanierungskonzept mittelfristig eine Steigerung der Verkaufszahlen ein - trotz der derzeitigen Marktkrise.
Es werde von einem Jahresabsatz von 1,6 bis 1,7 Millionen Autos in Europa ausgegangen. Das steht nach Informationen der Süddeutschen Zeitung aus Unternehmenskreisen in dem Zukunftskonzept, das die Opel-Tochter des amerikanischen Autokonzerns General Motors (GM) der Bundesregierung vorgelegt hat.
Kämpft ums Überleben: Opel. (© Foto: AP)
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Das angeschlagene Unternehmen hatte die Bundesregierung um Bürgschaften von 3,3 Milliarden Euro gebeten und sollte dafür ein schlüssiges Konzept für seine Zukunft vorlegen. Eine Staatsbeteiligung an dem Autokonzern ist nach Angaben aus dem Wirtschaftsministerium keine Option. Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) fliegt am Sonntag zu Gesprächen in die USA.
Vor dessen Reise haben sich die Ministerpräsidenten der vier Bundesländer mit Opel-Standorten auf einen Brief an Guttenberg verständigt, in dem sie ihn auffordern, in den USA einige Punkte besonders zu prüfen. Dabei geht es den Länderchefs von Hessen, Rheinland-Pfalz, Thüringen und Nordrhein-Westfalen um die Technologiesicherheit für Opel, um die Bereitschaft von General Motors und der US-Regierung, auf wesentliche Teile der Opel-Anteilseignerschaft zu verzichten, um die Klärung der Frage nach Opel-Patenten und um die Frage, ob GM bereit ist, einer europäischen Automobilgesellschaft mit frischem Geld unter die Arme zu greifen. Positive Antworten darauf sollten nach Auffassung von Roland Koch, Jürgen Rüttgers, Kurt Beck und Birgit Diezel die Grundlage sein, "wenn in Deutschland und Europa über die Fortführungsfähigkeit der Gesellschaft gesprochen wird", heißt es.
Modelle am Publikum vorbei entwickelt
Um das Absatzziel zu erreichen, müsste Opel die Produktion erheblich aufstocken. Die Marke hat im vergangenen Jahr in Europa 1,4 Millionen Autos gebaut und einen Marktanteil von 7,5 Prozent erreicht. Dieser war in den vergangenen Jahren stetig gefallen - auch aufgrund einer verfehlten Modellpolitik. Opel will dem Vernehmen nach der Bundesregierung die noch offenen Fragen des Konzepts in weniger als vier Wochen beantworten. Die Bundeskanzlerin und Guttenberg hatten nach zwei Treffen mit Opel-Managern erklärt, das Konzept müsse noch nachgebessert werden.
Die Opel-Führung will unter allen Umständen die Insolvenz vermeiden. "Das wäre ein Spiel mit dem Feuer", sagt ein führender Opel-Manager. Der Imageschaden wäre so groß, heißt es in Rüsselsheim, dass die Kunden sich von der Marke abwenden. "Wir würden die Hälfte unseres Absatzes verlieren", meint ein Opel-Vertriebsmann. "Dann wäre unser Zukunftskonzept nicht mehr zu halten."
Gleichzeitig ist die Lage des Mutterkonzerns General Motors inzwischen aber so kritisch, dass die amerikanische Regierung nach Wegen sucht, den Konzern von großen Teilen seiner Schulden zu entlasten, um die Insolvenz zu vermeiden. Teil des Problems bei GM sind die hohen Zusagen von GM für die Gesundheitsversorgung ehemaliger Mitarbeiter. Laut Bilanz für 2008, die erst vor wenigen Tagen der amerikanischen Börsenbehörde SEC vorgelegt wurde, sitzt GM inzwischen auf einem Schuldenberg von 175 Milliarden Dollar. In dem Rechenwerk ist sogar ein negatives Kapital von etwa 90 Milliarden Dollar aufgeführt. "GM ist total überschuldet", sagt Karlheinz Küting, Professor für Wirtschaftsprüfung in Saarbrücken. Küting ist der Meinung, dass eine Trennung von GM und Opel kaum möglich ist. Die Bundesregierung verlangt von Opel die Abschottung von GM, um zu verhindern, dass deutsche Hilfsgelder an die amerikanische Muttergesellschaft fließen.
Beteiligung verpfändet
Zuletzt hatten Berichte für Aufsehen gesorgt, dass die Patente von Opel seit 2005 bei der Muttergesellschaft konzentriert sind, Opel für die Nutzung dieser Patente Lizenzgebühren zahlen müsse, die Schutzrechte von dem notleidenden GM-Konzern inzwischen aber an den amerikanischen Staat verpfändet sind. Nach SZ-Informationen aus Konzernkreisen ist inzwischen auch die Beteiligung von GM an Opel an den amerikanischen Staat verpfändet worden. Bei Opel heißt es, es werde im Falle einer Abtrennung von Opel kein Problem sein, den Zugriff auf die Schutzrechte zu bekommen.
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(SZ vom 14./15.3.2009/mel)
Vor der EM in Polen und der Ukraine