Ein Kommentar von Ulrich Schäfer

Opel wäre ein ideales Wahlkampfthema. Doch Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg will dies zum Glück verhindern.

Im Fall Opel tauchte nach Wochen des Bangens plötzlich ein Retter auf. Kaum einer kannte ihn, aber fast alle befanden ihn sofort für gut: Es war der österreichisch-kanadische Autozulieferer Magna.

Opel, dpa

Die Treuhand-Lösung ist nicht schön, aber hilfreich (© Foto: dpa)

Anzeige

Vor allem Sozialdemokraten hegten Sympathien für ein Unternehmen, dessen Pläne bis heute im Dunkeln liegen. Erst jetzt wird publik, dass Magna nicht wirklich Magna ist, sondern sich dahinter vor allem zwei russische Unternehmen verbergen: der marode Autobauer Gaz und die staatliche Sberbank, ein Institut aus dem Dunstkreis des Kremls.

In der Union dagegen neigen nicht wenige dem italienischen Autobauer Fiat als Retter zu. Fiat hat zwar auch seine Probleme, und es gab bereits eine Allianz mit Opel, die nicht sonderlich gut lief.

Aber immerhin verstehen die Italiener etwas von Autos, sie bauen auch Ferraris. Fiat-Chef Sergio Marchionne hat zudem einen klaren Plan: Er will einen globalen Autokonzern schaffen, ebenbürtig mit Toyota und VW. Gleichwohl stieß Marchionne bei den Beschäftigten, den Gewerkschaften und vielen Politikern auf demonstrative Feindseligkeit.

Opel wäre also ein ideales Wahlkampfthema, SPD und Union hätten sich jeweils als die besseren Retter profilieren können. Doch Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg will dies zum Glück verhindern; nun soll der Staat als Treuhänder Opel für ein paar Monate übernehmen.

Auch dies ist keine schöne Lösung, zumal ausgerechnet die maroden Landesbanken dem Unternehmen nun mit Geld über die Wahl hinweghelfen sollen. Immerhin ist es aber jetzt möglich, dass über Opels Zukunft in aller Ruhe entschieden wird. Diese Zukunft liegt in Turin oder Moskau. Oder aber, wenn sich kein Käufer findet, in Berlin.

Leser empfehlen 

(SZ vom 15.05.2009/hgn)