Nur keine Zeit verlieren: GM-Chef Fritz Henderson lässt sich bei Opel blicken. Sein Zukunftskonzept wird vor allem für die Mitarbeiter brutal ausfallen.
Radikaler Neuanfang für Opel: Der Chef der Opel-Mutter General Motors (GM), Fritz Henderson, hat in Rüsselsheim Gespräche mit dem Management der angeschlagenen deutschen Tochter aufgenommen.
Soll schon an diesem Montag zu Spitzengesprächen bei Opel in Rüsselsheim eintreffen: GM-Chef Fritz Henderson. (© Foto: dpa)
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Henderson, der in der GM-Zentrale in Detroit von allen "Fix it, Fritz" genannt wird, gilt als knallharter Sanierer. Wo er aufräumte, blieb nichts wie es vorher war. Von Juni 2004 bis Dezember 2005 krempelte er bereits GM in Europa brutal um - ein massiver Jobabbau inklusive. 12.000 Arbeitsplätze fielen damals weg, die meisten davon bei Opel. Es ging alles sehr schnell - bei Opel hieß er bald in Anlehnung an den legendären Lieferwagen Fritz "the Blitz". Er formte die bis dahin nur lose nebeneinander zusammen arbeitenden Marken Opel, Vauxhall und Saab zu einem integrierten Verbund.
Erste Gespräche mit dem Betriebsrat
Im Gepäck hat Henderson nun offenbar eine erste Vorlage für ein Opel-Zukunftskonzept. An den kommenden Tagen wird sich der Manager auch mit dem Opel-Betriebsrat über die erforderlichen Einschnitte zur Restrukturierung des Autobauers beraten. Einem Bericht des Handelsblatts zufolge sind erste Spitzengespräche mit den Managern des Autokonzerns und Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz geplant.
Nach dem Rückzug von GM-Europachef Carl-Peter Forster am vergangenen Freitag hatte GM am Wochenende überraschend versöhnliche Signale gesandt. So soll Opel künftig nach Möglichkeit von einem Europäer geführt werden, damit die Spannungen nicht noch weiter eskalieren. GM schaut dafür offenbar bereits extern nach einem neuen "Mr. Opel" um. Der neue Chef solle möglichst aus Deutschland kommen, um die Arbeitnehmer zu beruhigen, hieß es. Er wäre dann tatsächlich Chef der Adam Opel GmbH, da es nach Informationen der Financial Times Deutschland keinen GM-Europe-Boss mehr geben soll.
Ein Kompromiss könnte der aus Wien stammende Magna-Manager Herbert Demel sein. Bis ein geeigneter Kandidat gefunden wird, könnte es eine Übergangslösung geben, um ein Machtvakuum zu verhindern. Als vorrübergehender neuer GM-Europachef wird der GM-Manager Nick Reilly gehandelt. Reilly gilt harter Sanierer und arbeitet seit mehr als drei Jahrzehnte für GM.
Zudem will GM der deutschen Tochter nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur dpa mehr Eigenständigkeit erlauben. Opel soll künftig etwa über neue Modelle selbst entscheiden dürfen. Jeder bei GM wisse, dass Opel mehr Kontrolle über Unternehmensentscheidungen bekommen müsse. Damit kommt GM dem europäischen Opel-Betriebsrat entgegen. Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Franz hatte vergangene Woche gefordert, dass die Adam Opel GmbH in eine deutsche Aktiengesellschaft umgewandelt wird. "Wir wollen kein Anhängsel sein, das von Detroit aus durchregiert wird", sagte Franz. Dies sei eine Vorbedingung für die Verhandlungen über die Restrukturierung des Autoherstellers. In dieser Woche soll es außerdem weitere Gespräche zwischen dem Chefunterhändler von General Motors, John Smith, und Vertretern der Bundesregierung geben.
GM will gut 10.000 der mehr als 50.000 Jobs in Europa abbauen. Bedroht ist insbesondere das Werk im belgischen Antwerpen. Hingegen hat GM für den Standort Bochum, der lange auf der Streichliste des US-Konzerns stand, inzwischen ein neues Konzept erarbeitet. Nach GM-Angaben ist aber noch nichts entschieden. Man strebe eine Einigung mit dem Opel-Betriebsrat an. Fest stehe lediglich, dass die Fixkosten um 30 Prozent gesenkt werden müssten.
Brüderle skeptisch
Unterdessen hat sich Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle sehr zurückhaltend zu den Aussichten auf ein tragfähiges GM-Konzept zur Sanierung von Opel geäußert. "Ich bin sehr skeptisch, ob das Unternehmen, das so fehl gehandelt hat, jetzt über Nacht neue Ideen hat", sagte der FDP-Politiker dem ZDF.
Die Regierung habe auch keine Handhabe, die Opel-Mutter General Motors zur raschen Vorlage ihrer Opel-Pläne zu zwingen. "Das Druckmittel ist der Markt in Deutschland, das Druckmittel sind die Beschäftigten, das Druckmittel ist das Know-how in Deutschland", sagte der Minister. GM sei in den USA voll vor die Wand gefahren und brauche das Wissen aus Rüsselsheim.
Koch rät GM von Bitte um Hilfe ab
Angesichts des geplatzten Magna-Deals empfahl der hessische Ministerpräsident Roland Koch GM, keine deutschen Hilfen für Opel in Anspruch zu nehmen. "Es passt einfach nicht zusammen, erst alles selber machen zu wollen und dann dem Steuerzahler in Deutschland und Europa die Rechnung zu stellen", sagte der CDU-Politiker dem Magazin Focus. Natürlich könne GM Anträge auf Staatshilfe stellen. "Diese würden aber kritisch geprüft, weil es um Steuergeld geht", sagte er den Ruhr Nachrichten.
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte zuvor durchblicken lassen, dass er zu weiterer staatlicher Hilfe für Opel bereit wäre. Aus Brüssel kamen jedoch mahnende Worte: Es bestehe kein Zweifel daran, dass eine an einen Arbeitsplatzerhalt geknüpfte Staatshilfe "kaum mit den Binnenmarktregeln in Einklang zu bringen sein dürfte und deshalb von Brüssel nicht akzeptiert wird", sagte der Sprecher von EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes der Berliner Zeitung. Zur Causa Opel erwägt die EU-Kommission, ein Ministertreffen einzuberufen.
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(sueddeutsche.de/dpa/AP/hai/odg/mel)
Streit um Parteispitze bei der Linken
"Ich denke, der Preis macht es in erster Linie."
Wenn dem so wäre, dann müsste Opel sich am Markt besser behaupten als VW, da Opel vergleichbare Modelle zu einem geringeren Kaufpreis anbietet, und die japanischen Hersteller müssten den deutschen Markt sogar regelrecht aufrollen (wie in den USA geschehen). Im Preis dürfte Opels Schwäche also nicht begründet sein, sondern stattdessen in einem ganz schwachen Image, für das allerdings GM nur zum Teil verantwortlich gemacht werden kann. Für das miese Image haben meiner Einschätzung nach an erster Stelle die Verantwortlichen in Rüsselsheim gesorgt, die seit 20 Jahren eine Langweilerkarre nach der anderen auf den Markt geworfen haben, von denen keine einzige das Zeug zum Bestseller hatte - trotz zuletzt wirklich guter Qualität. Ein begeisterndes Design hätte viel zum Positiven hin verändert, was man schon am Achtungserfolg des (nicht tollen aber passablen) Insignia erkennen kann, der seinen grausigen Vorgänger vergessen macht - trotz unschöner Details wie Lichthaken, die wie Geschwüre auf den Scheinwerfern sitzen, den Chromspangen vorne und hinten, die auf mich die Eleganz von Zahnspangen oben und unten ausstrahlen, der fiesen Hängelippe des Kühlergrills und und und... Was Opel fehlt, ist ein Chefdesigner von Format, der neue Opel-Modelle auf schlichte Eleganz zugunsten des heutigen hektischen Formenwirrwarrs trimmt, damit das Markenimage spürbar verbessert und die Grundlage für künftige Erfolge legt.
das Werk vollendet ist!
Die 20% beziehen sich auf den Vergleich mit japanischen oder deutschen Autorwerken in den USA. Und dieser Vergleich bezieht noch nicht mal die generoesen Pensionen und Krankenversicherungen der GM auto worker mit ein, das kommt noch on top. Mit dieser finanziellen Eingeschraenktheit koennen Sie nicht mehr viel anfangen. Zumal auch die Buerokratie in den Entscheidungsprozessen durch den Einfluss der UAW laehmend ist.
Ich sage nicht, dass auch das Mgmt nicht seinen Teil an der Krise traegt, ein grosser Teil dieser Schuld geht aber auch zu Lasten der UAW. Es ist nun mal nicht alles schwarz und weiss.
Beweis: Ford. Gleiche Gewerkschaften, trotzdem nicht pleite.
Und die angeblichen Unterschiede in den Lohnkosten werden dreist übertrieben, in Wirklichkeit, wenn alle Faktoren, z.b. Pensionskosten, Krankenversicherung etc einbezogen werden, handelt es sich um wenoige Dollar pro Stunde. Auswirkung auf die Gesamtkosten eines Fahrzeugs um die 1.5%, so hab ich's mehrfach gelesen. Nicht unerheblich, aber das hat den Konzern nicht ruiniert. Das waren eher die fürchterlichen Versäumnisse bei Qualität, Technologie, und Vertrieb. Alles vom Managment zu verantworten.
Und bitte erläutern Sie mal diesen Satz:
"Bei 20% hoeheren Loehnen pro Mitarbeiter als die Konkurrenz die hier produziert und die horrenden Pensionsverpflichtungen, kann das beste Management nix mehr retten."
20% mehr bei GM USA als hier, oder was meinen Sie? Das glaube ich nicht. Rechnen Sie das bitte mal vor. Und die "horrenden Pensionsverpflichtungen" die übrigens seitdem schon mehrmals angepasst wurden, wer ist denn die eingegangen? Etwa nicht das Management? Na?
...sondern von einer Vielzahl von Faktoren, unter anderem ob die Produkte zeitgemäß sind (SUVs? Saturn-Pallette?), wie's mit der Qualität aussieht (meist hintere Plätze hinter den Japanern), ob man sich am Kunden orientiert (lesen Sie mal das feedback in US Autoblogs!), welchen Ruf das Management im Allgemeinen hat (berüchtigter Zentralismus, Bürokratismus, "Bohnenzähler") vom wirtschaftlichen Erfolg (der Laden war PLEITE) etc etc etc.
Also, es würde mich mal interessieren, eine Umfrage dazu zu sehen, aber ich gehe auf jeden Fall davon aus, daß GM's Ruf weder in den USA noch bei uns allzu gut ist. Und das hat ziemlich wenig mit Henderson zu tun, der nur ein Rad im vermurksten Getriebe ist. Also, Ihre Aussage, das das Image des CEOs entscheidend ist, würde ich so nicht unterschreiben.
Paging