Von H. Schwarz

Jeden Tag Verluste: Bis zu sechs Millionen Euro soll der Autohersteller Opel tagaus, tagein verbrennen. Es wird Zeit für eine Lösung mit Interessent Magna.

Auf die Aufsichtsräte des angeschlagenen Rüsselsheimer Autoherstellers Opel wartet viel Arbeit: An diesem Freitag treffen sie sich, die Tagesordnung ist lang, die Sitzung soll bis in die frühen Abendstunden dauern.

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"Neue Realität": Der Investor Magna verhandelt derzeit mit General Motors über die Zukunft von Opel. (© Foto: AP)

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Themen, über die sie debattieren können, haben die Aufseher in der Tat genug. Zur Sprache kommen werden beispielsweise die hohen Verluste, die Opel jeden Tag momentan einfährt. Oder die Situation bei den Verhandlungen mit dem einstiegswilligen österreichisch-kanadischen Autozulieferer Magna und dessen russischem Finanzpartner Sberbank. Oder die dringend notwendige Restrukturierung des Unternehmens.

Ärger ist auch programmiert, weil sich die Arbeitnehmerseite ungenügend informiert fühlt. "Es gibt Zoff", kündigte daher bereits ein Gewerkschafter aus den Reihen der IG Metall an.

"Dringend mehr Informationen und mehr Transparenz"

Von Magna und der bisherigen amerikanischen Opel-Muttergesellschaft General Motors (GM) sowie dem Opel-Aufsichtsratschef Carl-Peter Forster verlangen Gewerkschaftskreise "dringend mehr Informationen und mehr Transparenz" über den laufenden Verkaufsprozess.

Im Umfeld der IG Metall hieß es dazu: "Zwei ohne Geld verhandeln über das Geld Dritter, nämlich das der deutschen Steuerzahler. Für uns alle ist das eine schwarze Kiste.

Wir haben keinen Einblick. Verhandlungen über Sanierungsbeiträge der Belegschaft wird es erst geben, wenn eine Lösung unter Dach und Fach ist." Angespielt wird damit auf die Einsparpotenziale und die Vorhaben zur Restrukturierung bei einer neuen Opel-Gesellschaft, die entstehen soll. An dieser sollen Magna 20 Prozent, die Sberbank und GM jeweils 35 Prozent und die Mitarbeiter etwa zehn Prozent halten.

"Zwickmühle"

Weiter hieß es, es gebe "komplexe und diffuse Interessenlagen" mit den Amerikanern auf der einen und dem österreichisch-kanadisch-russischen Bündnis auf der anderen Seite. Aus dieser "Zwickmühle" müsse Opel rauskommen.

Das Magna-Konzept werde mit diesem Appell zwar nicht in Frage gestellt. Doch müsse "mit Hochdruck" an einer raschen Einigung gearbeitet werden. Denn das wäre angeblich die beste Lösung für Opel und die Steuerzahler. Der Autohersteller fährt derzeit täglich hohe Verluste ein. Opel selbst kommentiert die roten Zahlen nicht. Firmenkreise bestätigen sie, nennen jedoch keine Zahlen.

Gut drei Millionen Euro Fehlbetrag täglich sind es nach Angaben von Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU). Laut Kreisen der IG Metall ist das eher die Hälfte der Wahrheit. Die Verluste liegen demnach bei sechs Millionen Euro - jeden Tag.

Aufgebürdete Kosten

Es hieß dazu: "Die Geldverbrennungsrate ist gewaltig. Es ist schlecht, so wie es ist. Die Zahl ist in jedem Fall zu hoch." Firmenkreise dementierten dagegen die sechs Millionen-Aussage. Auch im Umfeld von Magna hieß es, es sei "richtig", dass Opel Verluste mache und es eine sogenannte "burn-rate" gebe.

Doch nach Erkenntnissen von Magna stammten diese Fehlbeträge nicht aus dem operativen Geschäft von Opel. Sie erklärten sich vielmehr aus Kosten, die GM dem Unternehmen nach wie vor aufbürde. Etwa durch die Existenz der Europa-Zentrale in Zürich, die längst überflüssig sei.

In der Umgebung von Magna wurde weiter betont, "nach jetzigem Stand" liefen die Verhandlungen mit GM über Opel "eigentlich gut". Die Wahrscheinlichkeit, dass es zu dem Deal komme, sei "sehr hoch". Sie liege gegenwärtig bei "mehr als 80 Prozent".

"Die pokern nur"

Einen Vertragsabschluss könne es in der zweiten Juli-Hälfte geben. Allerdings müssten sich "einige Kräfte bei GM von der Träumerei verabschieden, dass künftig nach dem Ende des Chapter-11-Verfahrens in den USA alles so weiter geht wie vorher, nur etwas besser".

Diese Leute hätten eines nämlich noch immer nicht begriffen, dass es eine "neue Realität" gebe. Im Umfeld der weiteren Opel-Interessenten, des Finanzinvestors Ripplewood und des chinesischen Autobauers BAIC, wurde bestritten, dass GM sie zu verbesserten Opel-Offerten aufgefordert habe: "Die Amerikaner pokern nur", hieß es.

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(SZ vom 26.06.2009/pak)