Der Fall Opel: Die Politik betreibt ein gefährliches Spiel - sie gibt Versprechen mit einer kurzen Halbwertszeit. Was nach der Wahl mit den Jobs passiert, muss sie nicht interessieren.
Die Treuhandanstalt, die das Erbe der DDR abgewickelt hat, hat viele Fehler begangen. Der schlimmste: Sie hat die Illusion genährt, die volkseigenen Betriebe ließen sich größtenteils erhalten. Die Nachlassverwalter der Staatswirtschaft rangen den Käufern der oftmals maroden Unternehmen die Zusage ab, möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten. Wer viele Jobs garantierte, konnte auch mit besonders hohen Subventionen rechnen. Dass die meisten Zusagen nichts wert waren, erlebten die Menschen in den neuen Ländern schon bald. Die Landschaften blühten nicht, sie verdorrten.
Opel - die GM-Tochter ist auf der Suche nach einem Investor. (© Foto: dpa)
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Eine ähnliche Illusion wird seit kurzem von Deutschlands Politikern befördert, allen voran vier Ministerpräsidenten, ein Bundesverkehrsminister und ein SPD-Kanzlerkandidat. Die Regierenden in Berlin und in den Ländern tun so, als könne man den Autobauer Opel ohne ernsthafte Einschnitte retten. Sie träufeln den Mitarbeitern in Rüsselsheim, Eisenach oder Bochum die falsche Hoffnung ein, Opel könnte sich aussuchen, an wen sich das Unternehmen bindet - und als sei es möglich, dem Käufer eine Garantie abzuverlangen: für Jobs, Werke - und am besten noch den Absatz einer bestimmten Anzahl von Corsas.
Dies klingt dann wie bei Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee: "Jeder Investor", so forderte der SPD-Politiker via Boulevardpresse, "muss Opel Deutschland stärken. Wer in Deutschland Arbeitsplätze abbauen will, ist kein geeigneter Opel-Partner." Sinngemäß hört man dies auch von den Ministerpräsidenten Koch oder Althaus. Bemerkenswert daran ist nicht allein, dass die Politik einem privaten Investor bei Opel dauerhaft ein Verbot auferlegen will, Arbeitsplätze zu streichen; bemerkenswert ist auch, dass die Politiker in Berlin und in den vier betroffenen Ländern Opel auf ein nationales Unternehmen reduzieren. Sie reden von "Opel Deutschland" und unterschlagen, dass der Autohersteller auch in Spanien, Belgien, Polen und Großbritannien Fabriken unterhält. Muss ein neuer Investor deren Fortbestand auch garantieren?
Die potentiellen Käufer machen das absurde Spiel inzwischen mit. Fiat will angeblich alle Fabriken in Deutschland erhalten; für wie lange und in welchem Umfang, sagen die Italiener aber nicht. Dennoch bevorzugen die politischen Entscheider nun den österreichischen Autozulieferer Magna, weil der angeblich weniger Jobs streichen will. Doch Magna wird kaum anders rechnen als der bisherige Eigentümer von Opel: GM hat jüngst eingeräumt, dass es bei Opel und Vauxhall, der britischen Schwester, Überkapazitäten von 30 Prozent gebe.
Die Wahlkämpfer, die sich Opels bemächtigt haben, ignorieren das geflissentlich. Steinmeier und Merkel waren bereits in Rüsselsheim. Andere werden folgen, Ministerpräsidenten, Minister, Bürgermeister. Sie erwecken den Eindruck, als könne man aus der Tochterfirma eines amerikanischen Unternehmens eine VEB Adam Opel machen. Die Automanager in Detroit oder Rüsselsheim sind abgetaucht, stattdessen verhandeln scheinbar allein die Minister Guttenberg und Steinmeier mit Fiat und Magna. Sie wissen: Ihre Versprechen von heute müssen nur bis zum Tag der Bundestagswahl am 27. September tragen. Was danach passiert, mit Opel, den Fabriken, den Jobs, muss sie nicht interessieren.
Echte Treuhänder sehen anders aus. Sie sind ehrlicher. Sie würden sagen: Ohne Jobabbau, ohne Schließen von Fabriken ist Opel nicht zu retten.
- Rettung von Opel Arbeiten an der Mitgift 27.04.2009
- Opel: Ringen um die Zukunft Gesucht: ein Rundum-sorglos-Investor 27.04.2009
- Berlin drängt auf Lösung Union streitet um Opel-Hilfe 27.04.2009
- Opel-Übernahme Guttenberg verhandelt mit Autozulieferer Magna 25.04.2009
- Fiat, Opel, Chrysler Sergios Resterampe 24.04.2009
(SZ vom 28.04.2009/mel)
Linke-Parteitag in Göttingen
er erinnert an die alte deutsche Krankheit: wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass. So kann man natürlich kein Unernehmen auf gesunde Beine Stellen. Will man Opel retten, dann nur durch einen Abbau all der Arbeitsplätze, die nicht benötigt werden um die Menge an Autos herzustellen, die der Markt auch kauft. Dafür sollte es auch Subventionen geben, aber nicht dafür dass man einen Betrieb erhält, der niemals Gewinne abwerfen kann.
Hach mein lieber Daniel... Danke. Ein ganz wichtiger Aspekt der derzeitigen Lage. Aber wir Deutschen werden Flexibilität nie mehr lernen. Staatseingriffe böse, freier Markt gut. basta. Im ursprungsland dieser Doktrien hat man sich blitzschnell den neuen Gegebenheiten angepasst... In Deutschland schläft der Michel den Schlaf des Wissenden. hat er doch jahrelang üben müssen um den freien Markt und seine Vorzüge zu begreifen...
Die Treuhandanstalt, die das Erbe der DDR abgewickelt hat, hat viele Fehler begangen. Der schlimmste: Sie hat die Illusion genährt, die volkseigenen Betriebe ließen sich größtenteils erhalten
Nein. Ich meine, die Treuhandanstalt hat vernünftig gehandelt, denn
1.) Niemand hat von vorneherein wissen können, ob die diese Betriebe nicht doch zu erhalten wären. Und schließlich hat vor allem die schnelle Währungsunion und die Einführung des Euro die endgültige Zerstörung dieser Betriebe mitverursacht.
2.) Wenn die Treuhandanstalt gleich alle Betriebe geschlossen hätte, wären hunderttausende sofort arbeitslos geworden. So gab es zumindest eine Übergangszeit, in der diese sich umschauen und neue Arbeit finden konnten.
Die Landschaften blühten nicht, sie verdorrten . Richtig. Die Alternative war also: lässt man die Landschaften schnell verdorren und lässt die Tiere verhungern oder gießt man noch ein paar Jahre und gibt den Tieren Zeit, neue Weidegründe zu suchen.
Die Treuhandanstalt hat den 2. Weg gewählt und das war gut so, weil sozialverträglicher und letztendlich kostengünstiger für den Staat.
Die SZ hat sich offenbar die Meinung gebildet, dass es am Besten sei, die gesamte deutsche Autoindustrie würde ganz schnell komplett und unwiderruflich untergehen, weil (wie Marc Beise neulich schrieb) die Chinesen und Inder das Autobauen billiger können, und niemand hier sollte sich gegen diesen wirtschaftswissenschaftlich unumgänglichen, schnellen Untergang wehren.
Ein US-Kommentator hat geschrieben: It seems the Europeans are not to be outdone in the race toward total domestic industrial suicide. (Anscheinend sind die Europäer im Rennen zum totalen Selbstmord ihrer heimischen Industrie nicht zu übertreffen)
Im Hinblick auf die massive und Kompromisslose Unterstützung, die Asien und die USA ihrer Industrie zukommen lassen, ist diesem Satz nichts hinzuzufügen.
Die anderen europäischen Länder beginnen allerdings auch schon mit massiver Industriestützung.
Nur Deutschland träumt weiter von seiner Vorbildfunktion, wird an seinen eigenen hehren Regeln zugrunde gehen und dafür auch noch an die EU und den IWF zahlen.
So etwas Ähnliches hatten wir schon mal vor 78 Jahren in Deutschland.
hauptsache wir bauen Autos, ob die nun einer kaufen kann oder nicht, wir bauen immer mehr Autos. Und weil das noch nicht genug ist, bauen wir noch mehr.
Ich jedenfalls sehe nicht ein, mir alle zwei Jahre ein neus Auto zu kaufen, nur weil die Hamster im Rad immer schneller drehen. Und im Endeffekt kommt das Geld ja nicht bei den Leuten unten an.
Und damit die was zu essen haben, ist der Preis von immer mehr Autos die die Menschheit nicht wirklich benötigt ebenfalls zu hoch.
Hier wird immer so getan als ob die Menschen danach sterben würden. Wenn man den Menschen so wenig zutraut, wunderts mich, daß wir es überhaupt bis ins jetzt geschafft haben.
Das einzige Problem ist, das die Menschen über ihre Verhältnisse leben und aus rein ökologischer Sicht dies alles völlig über dem Level liegt, was verträglich ist.
Unten Hilflosigkeit suggerieren und an den Schaltzentralen den Mythos einer gesunde Gesellschaft mit Füßen treten, ja regelrecht verhöhnen, das ist das schlimmste Übel
Und die Medien weiden es schön aus damit wir alle hier reinstarren.
Wie soll ausgerechnet OPEL ohne Abbau der Überkapazität auskommen, das würde eine Steigerung des Anteils in einem zurückgehenden Markt bedeuten, davon können nicht mal Träumer träumen.
Die Politiker spielen falsch, wenn sie den Opelianern vorgaukeln Arbeitsplätze werden "garantiert". Wer als Unternehmer eine Arbeitsplatzgarantie, egal auf welcher Subventionsgrundlage abgibt handelt grob fahrlässig - oder steckt noch im Sozialismus.
Auch Magna, die selbst Autos fertigen muß mit sinkender Auslastung seiner Produktion rechnen, man sagt, daß BMW Modelle, die bislang bei Magna gefertigt wurden künftig von BMW aus den USA kommen sollen.
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